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Kino Mädchen, hör zu
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22:57 02.07.2013
Brad Anderson inszenierte zuvor unter anderem "The Machinist". Quelle: SquareOne / Universum
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Irgendwie die Innenverkleidung abreißen, das Rücklicht zertrümmern und den Arm hinausstrecken, um zu winken: Allein hätte die junge Casey Welson (Abigail Breslin, "Little Miss Sunshine") nicht gewusst, was zu tun ist, wenn man sich im Kofferraum eines fahrenden Autos befindet. Das Publikum von "The Call - Leg nicht auf!" lernt es zusammen mit Casey von Jordan Turner (Halle Berry), einer erfahrenen Telefonistin in der Notruftzentrale des Los Angeles Police Department, an die das Mädchen sich verzweifelt per Handy gewandt hat. Mit seinen nützlichen Lehren stellt sich Brad Andersons Film in die Tradition von Polizeithrillern mit pseudodokumentarischem Gestus, die in den 1940er-Jahren begann und einen schillernden Höhepunkt bei "Dirty Harry" hatte, dem "The Call - Leg nicht auf!" am Schluss auf seine Weise Referenz erweist.

Allerdings vergeht einige Zeit, bis Halle Berry mit dem Telefonieren richtig in Schwung kommt. Als Oscarpreisträgerin ("Monster's Ball"), Bond-Girl ("James Bond 007 - Stirb an einem anderen Tag") und "X-Men"-Ensemblemitglied hat der afroamerikanische Superstar eigentlich zu viel Glamour angehäuft, um noch als einfache Angestellte mit Headset durchzugehen. Das verbal platte Drehbuch entfernt denn auch Jordan Turner für eine Weile von ihrem Platz und lässt sie Schulungen geben, nachdem ihr die Schuld für den gewaltsamen Tod eines jungen Mädchens aufgebürdet wurde, dem sie angeblich nicht richtig geholfen hat. Mit Caseys Hilferuf kommt nach sechs Monaten ihre zweite Chance. Überzeugt, dass es sich um denselben Triebtäter wie bei dem anderen Mädchen handelt, beruhigt, beschwört und ermutigt Jordan das neue Opfer, bis Casey auf der Stadtautobahn von Los Angeles aus dem Kofferraum des Autos winkt, in dem sie entführt wird.

Dass dies nicht die Rettung ist, widerspricht allen Errungenschaften von Handy-Ortung, Verkehrsüberwachung per Hubschrauber und Autofahrer-Sensibilisierung. Aber man kann den Blick nicht abwenden. Denn Kameramann Tom Yatsko holt auf den eingefahrenen Routen eines überstrapazierten Genres ein kleines optisches Wunder heraus: Möglichst winzige Bildausschnitte komprimieren ein Höchstmaß an psychologischer Spannung - mit dem, was durch die Windschutzscheibe, im Rückspiegel oder eben im Schein eines Handydisplays im dunklen Kofferraum zu sehen ist und bei Casey absolute Panik auslöst. Diese Panik greift beim Showdown auf den Zuschauer über, der böse Überraschungen im Rücken der Heldinnen erwartet, aber nicht sehen kann.

Das Ausschnitt-Prinzip bewährt sich überdies, wenn die traumatische Vorgeschichte des Täters in den hübsch gerahmten Bildern im Haus seiner Kleinfamilie und den düsteren Polaroids im Wochenenddomizil erzählt wird. Michael Eklund gibt den Sexualmörder und Familienvater Michael Foster äußerst brutal, aber auf unsentimentale Weise verletzlich, als sein perverser Plan zu scheitern droht. Wegen der verblüffend einfühlsamen Porträts aller Beteiligten stört es geradezu, dass Halle Berry im aufregenden Finish eine finstere Obsession in der Art von Clint Eastwoods Dirty Harry an den Tag legt. Zu spät will "The Call - Leg nicht auf!" seinen solide agierenden Star besonders hervorheben und mehr als ein aufreibender Thriller sein.

Homepage "The Call"

Homepage Universum Film

Fanpage Halle Berry

Abigail Breslin bei Twitter

Infoseite zum Film

(Flash)

teleschau

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