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22:51 24.06.2013
Bess Kargman schafft es, eine Dokumenation über Ballett spannend zu gestalten. Es geht bei ihr um Menschen, nicht um den Sport. Quelle: 2013 Ascot Elite Filmverleih GmbH
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Eine Dokumentation über Ballett - mal ehrlich, muss das noch sein? Wissen wir nicht seit Darren Aronofskys Thriller "Black Swan" (2010) und Wim Wenders' Doku "Pina" alles über dieses Thema, was sich zu wissen lohnt? Bess Kargman gibt ein klares Nein: "First Position" sei der Film, den sie immer sehen wollte, sagt die Filmemacherin - und sie war es leid, darauf zu warten, dass ein anderer ihn dreht.

Der Youth America Grand Prix ist der Dreh- und Angelpunkt in dieser Doku, die bei mehreren nordamerikanischen Festivals bereits bejubelt wurde. Beim YAGP bekommt jeder auftretende Tänzer im Alter von acht bis 19 Jahren fünf Minuten Zeit, um sein Können zu zeigen. Von wegen 15 Minuten Ruhm - es sind nur 300 Sekunden, auf die monate-, manchmal jahrelang hingearbeitet wird. Wer in diesen paar Minuten glänzt, nähert sich seinem Ziel, ein Stipendium oder einen Vertrag an einer Ballettschule zu bekommen.

Man kann es vorwegnehmen: Dieser Film ist grandios, weil er keine Doku über Ballett ist, sondern über Menschen. Die teilnehmenden Personen, deren Auftritte nebenbei eingebaut werden, sind klug ausgewählt. Es blutet einem gleich das Herz, wenn der elfjährige Aran Bell einen Fußstrecker in die Kamera hält, dem man ihm am liebsten wegnehmen will. Doch die Schmerzen - die zuschauerfreundlich spät thematisiert werden - werden in Kauf genommen. Keiner der Gezeigten möchte dafür bemitleidet werden.

Am wenigsten die ambitionierte Miko, die sich alles abverlangt und sogar die Schule hinten anstellt, um ihren Traum leben zu können. Ihre Mutter, ehrgeizig aber jenseits des Klischees der Eislaufmutter, steht hinter ihr. Weil ihre Tochter "es" noch mehr will als sie. Auch die Familie der schwarzen Ballerina Michaela nimmt - rührig statt verbissen - alle Strapazen auf sich, um das adoptierte Waisenmädchen zu unterstützen. Joan Sebastian hingegen hat Kolumbien verlassen, um mit seinem Talent lieber früher als später seiner Familie unter die Arme greifen zu können.

Spätestens nach der Hälfte allerdings fühlt sich die Dokumentation verdächtig wie ein Spielfilm an: Die Choreografie sitzt einfach zu gut, und zum Schluss sind alle Sympathieträger erfolgreich. Jeder bekommt, was er will und die, die nicht wollen, müssen auch nicht. Es läuft alles so glatt, fast zu märchenhaft. War es einfach nur Glück, dass es für Filmemacherin Bess Kargman und die Teilnehmer ihrer Dokumentation alles wie an der Schnur gezogen lief? Ein wenig seltsam scheint das schon irgendwie. Vor allem, weil Infos dazu auch nach gezielter Nachfrage unter Verschluss bleiben.

Homepage "First Position - Ballett ist ihr Leben"

Homepage Ascot Elite

Infoseite zum Film

(Flash)

teleschau

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