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Kultur im Norden „Platt war nicht fein“
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19:57 15.09.2018
„Keerls döör un döör“ auf der Niederdeutschen Bühne. Das Amateurtheater ist aus der Plattdeutschen Gilde hervorgegangen. Quelle: Foto: Dennis Boldt
Lübeck

Gerade in Zeiten der Globalisierung, sagt Kultursenatorin Kathrin Weiher in ihrem Grußwort zur Niederdeutschen Woche, sei Regionalität, die Pflege von Brauchtum und Tradition, ein sehr hohes Gut: „Ick snack Platt – es wäre schön, wenn das wieder viele Kinder und Jugendliche von sich sagen könnten.“

Doch die zurzeit 135 Mitglieder seien im Seniorenalter, sagt Brigitte Koscielski, erster weiblicher Gillnmeister in der Geschichte des Vereins. „Wir brauchen dringend junge Leute, die sich für das Plattdeutsche interessieren und auch Lust haben, ein Amt zu übernehmen.“

Plattsprechen galt als unfein

Der Grund, warum nachfolgende Generationen die ehemalige Verkehrs- und Vertragssprache der Hanseaten zwar durchaus im Ohr, aber nicht auf der Zunge haben, sei die frühere Erziehung gewesen, erklärt sie: „Es galt nicht gerade als fein, Platt zu sprechen.“

Gründungsvater Wilhelm Mildenstein (1870 bis 1933) – der erste Pastor, der Gottesdienste auf Plattdeutsch hielt – sah im heimischen Dialekt die Möglichkeit, im Jahr 1918 wieder ein wenig Licht in den Kriegsalltag der Lübecker zu bringen. „Er hat die Leute in der damaligen schweren Zeit dazu gebracht, sich wieder auf Kultur zu besinnen, und sich so natürlich auch vom Hunger abzulenken“, erzählt Brigitte Koscielski.

Klicken Sie sich durch diese Liste von plattdeutschen Wörtern, die unserer Redaktion besonders gut gefallen – natürlich erklären wir auch, was sie bedeuten!

Bald folgte die Niederdeutsche Bühne

Der Aufruf in den „Lübeckischen Blättern“ an „alle Leute, für die een Mundvoll Platt no wat ist“, zeigte Erfolg. Am 28. September vor hundert Jahren erfolgte die Gründung, bereits ein Jahr später zählte die Volksgill 4000 Mitglieder.

Aus der Gilde ging bald die Niederdeutsche Bühne hervor. „In’n Harvst 1919 hebbt een poor Maten vun de Gill een plattdütsche Speeldeel gründt“, heißt es in der Chronik. Seit 1928 ist sie im Theater Lübeck beheimatet und wird im kommenden Jahr ihr Hundertjähriges feiern.

Vieles verbrannte Palmsonntag 1942

Aus der Gründungszeit und den Jahrzehnten danach ist der Plattdütschen Volksgill kein Material erhalten geblieben: „Das ist alles nach dem Bombenangriff am Palmsonntag 1942 verbrannt“, bedauert Margrit Hammar, unter anderem zuständig für die Finanzen des Vereins.

Die Plattdütsche Volksgill hatte damals ein Büro in der Mengstraße. Nur wenige Relikte aus früheren Zeiten tauchen hier und da noch auf, etwa das Notgeld, das die „Plattdütsche Volksgill“ im Jahr 1921 herausgegeben hat.

Foto-Momente sind erhalten geblieben

Oder die Fotoalben von Karl-Heinz „Heiner“ Nissen, Gillnmeister von 1989 bis 2004. „Die 90er Jahre waren eine sehr aktive Zeit, weil wir auch genug engagierte Mitglieder hatten“, erinnert er sich beim Durchblättern.

Ehefrau Anke Nissen, gelernte Drogistin mit Schwerpunkt Fotografie, hat viele Momente in den vergangenen Jahrzehnten mit der Kamera festgehalten. Ihre Kinder Sönke und Ole sowie die Enkel Stina und Thore haben bei der Niederdeutschen Bühne mitgespielt.

Der Verein unterstützt Projekte an Schulen und Kindergärten

Generationenübergreifende Verbundenheit mit dem Plattdeutschen über Eltern und Großeltern gebe es heute kaum noch, sagt Margrit Hammar. Daher sei der Verein früher oft in Schulen und Kindergärten unterwegs gewesen, um sich für den Erhalt des Plattdeutschen einzusetzen.

So wurde 1995 bis 2001 der mit 5000 Mark dotierte und vom Geschäftsmann Bernd Meyer gestiftete „Lüttjepütt-Pries“ ausgeschrieben. Über die Jahre, erklärt Hammar, habe die Erfahrung gezeigt, dass einige, die früh Kontakt mit dem Plattdeutschen hatten, sich durchaus später wieder dafür interessieren.

Entsprechende Projekte an Schulen und Kindergärten würde der Verein daher gern unterstützen, betont Brigitte Koscielski. Und für die Älteren gilt, so Heiner Nissen: „Plattdeutsch kann man auch noch lernen, wenn man älter ist, zum Beispiel in der Volkshochschule.“

Margitta True

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