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20000 Euro für die Maaten der Niederdeutschen Bühne

Wismar 20000 Euro für die Maaten der Niederdeutschen Bühne

Hansestadt und Volks- und Raiffeisenbank fördern den Verein auch in den nächsten zwei Jahren — Neues Stück hat am 12. März Premiere.

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„Denk di doch wat anners ut“ aus dem Jahr 2015 mit Burkhard Wolter, Antje Karsten, Detlev Kuß, Jens Boldt (liegend) und Lisa Kuß (v. l.).

Wismar. Jan-Arne Hoffmann, Vorstandsvorsitzender der Volks- und Raiffeisenbank Mecklenburg, Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) und Willi Kuß von der Niederdeutschen Bühne Wismar haben gestern den gemeinsamen Sponsorenvertrag verlängert. Von Stadt und Bank gibt es 20000 Euro, verteilt auf die nächsten zwei Jahre, für die Bühnenarbeit des Vereins. 1994 wurde erstmals solch ein Vertrag zwischen Bank, Stadt und Bühne geschlossen. Der alte Sponsoringvertrag lief zum 31. Dezember 2015 aus und wurde nun mit 10000 Euro von der Bank und 10000 Euro von der Stadt verlängert.

„Die Niederdeutsche Bühne ist eine feste Größe in unserer Stadt und unserem Theaterleben“, begründete Thomas Beyer. Er schwärmte davon, wie es den Maaten gelänge, auch jüngeres Publikum in die Vorstellungen zu locken und so die Sprache am Leben zu halten. Jan-Arne Hoffmann: „Die Sprache ist ein Kulturgut, das unbedingt erhalten werden muss.“ Thomas Beyer fügte hinzu: „Auf Platt kann man Ungeheuerliches so schön ausdrücken, das kann man in Hochdeutsch nicht so gut.“ Lachend äußerte er die Idee, in den Sitzungen der Bürgerschaft mehr Plattdeutsch zu sprechen, auch um manch eine Sitzung spannender und unterhaltsamer zu gestalten. „Auf Platt kann man Sachen unterbringen, die man sonst nicht sagt.“

20000 Euro Förderung für die nächsten zwei Jahre: Das Geld wird dringend gebraucht, beispielsweise für den teuren Bühnenbau oder die professionelle Regie. „Die Bühnen müssen einiges aushalten und auch transportabel sein“, erklärte Willi Kuß die Verwendung des Geldes. Denn die Maaten sind viel unterwegs neben den Premieren und Vorstellungen in Wismar. Und sie leisten, auch das lobten die Sponsoren, eine großartige Jugendarbeit. Die derzeit acht aktiven Kinder und Jugendlichen traten im letzten Jahr in Rostock beim Tag der Bühnen und Theater der niederdeutschen Bühnenbünde Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen/Bremen auf. Die Gäste waren so begeistert, dass der Wismarer Nachwuchs zu weiteren Vorstellungen eingeladen wurde.

Lisa Kuß: „Man muss sich fragen, wie lange wir das noch durchhalten. 80 Prozent der Menschen hier verstehen noch etwas Platt, aber die Kinder lernen es wie Vokabeln.“ Familie Kuß hofft, dass die Sprache zum verpflichtenden Unterrichtsfach in der Schule wird. „Minister Brodkorb hatte das versprochen.“ Willi Kuß: „Wenn Herr Brodkorb nicht bald aus den Puschen kommt, gibt es irgendwann keine Lehrer mehr, die das unterrichten können!“

Familie Kuß unterrichtet von der Bühne aus. Am 12. März hat ihr neues Stück „Wat den‘ eenen sien Uul . . .“ Premiere. Vier Vorstellungen sind geplant in Wismar. Dazu zahlreiche in der Region. Noch gibt es Karten. Die Maaten hoffen, mit den vier Vorstellungen in der Hansestadt allen Nachfragen gerecht werden zu können. Lisa Kuß dankte den Sponsoren auf ihre Weise: „Bannig grot is de Dank vun all‘ uns Maaten, wi maken wieder!“ Groß ist der Dank der Maaten, sie machen weiter. Zum Glück für Wismar und die niederdeutsche Sprache!

Lange Vereinsgeschichte
Im vergangenen Jahr feierte die Niederdeutsche Bühne ihr 90-jähriges Vereinsjubiläum. Vorläufer der Niederdeutschen Bühne war der „Plattdeutsche Verein“, der auch manch ein Stück aufführte. So entstand 1925 die Idee, auch in Wismar eine Niederdeutsche Bühne zu gründen. Das erste Stück damals war „De Verschriewung“. Mehr als 300 Stücke wurden seitdem auf die Bühne gebracht.



Die Maaten haben keine Nachwuchssorgen. Der Niederdeutschen Bühne gehören acht aktive und sehr begabte Kinder und Jugendliche an. 42 Mitglieder hat der Verein, die Hälfte davon ist aktiv auf und hinter der Bühne.

Nicole Hollatz

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