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Kultur im Norden 5000 Jahre alte Großsteingräber werden restauriert
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18:16 08.08.2015
Mit einem Kran wird ein tonnenschwerer Findling auf ein Großsteingrab in Bergen (Niedersachsen) platziert. Quelle: dpa

Steinmetze aus Worbis in Thüringen erledigen seit wenigen Tagen einen einzigartigen Job: Im Auftrag des Bundes sanieren sie eines der bedeutendsten archäologischen Denkmäler in Niedersachsen, die 5000 Jahre alten Siebensteinhäuser im Zentrum des Truppenübungsplatzes Bergen. Die tonnenschweren Gräber gehören laut Landesamt für Archäologie zu den am besten erhaltenen Megalith- Gräbern in Europa. Sie waren 2013 teilweise zusammengebrochen.

„Wir setzen ein eingestürztes Großsteingrab instand und geben ihm die notwendige Standfestigkeit zurück“, sagt Bauleiter Bernhard Gockel. Auch die übrigen Gebäude aus bis zu 18 Tonnen schweren Findlingen werden fachkundig stabilisiert und von Moos und Baumwurzeln befreit. Dabei achten Gockel und die Archäologen penibel darauf, dass am Originalzustand der Siebensteinhäuser nichts verändert wird. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Gräber am 21. August wieder genauso aussehen, wie sie etwa 3500 Jahre vor Christi Geburt geschaffen wurden.

Zunächst legte ein großer Kran die schweren Decksteine auf die sie tragenden Findlinge. „Dabei ist Fingerspitzengefühl erforderlich“, sagt Gockel, „wenn wir die ursprüngliche Lage verfehlen, ist die Sicherheit nicht gegeben.“ Elf Spezialisten aus dem Eichsfeld hatten zuvor den Stützsteinen zu neuer Standfestigkeit verholfen.

Zum Abschluss der Sanierung werden die schützenden Wälle um die fünf Großsteingräber wieder geschlossen, außerdem werden neue Zäune und Geländer aufgestellt, denn Besucher dürfen den Standort des archäologischen Denkmals mitten auf dem Nato-Schießplatz nicht verlassen. Überall könnten Blindgänger in der Heide liegen, auch auf der Baustelle wurden mehrere Sprengkörper ausgebuddelt.

Schon seit 1832 stehen die Großsteingräber unter Denkmalschutz. Als Hitlers Wehrmacht vor 80 Jahren den Truppenübungsplatz einrichtete und viele Bauernfamilien aus den umliegenden Dörfern vertrieb, legten Soldaten die Hünengräber frei. Archäologen sind sich sicher, dass die ersten sesshaften Siedler in Niedersachsen die Steingräber gebaut haben. Die Gebäude sind offensichtlich nicht nur als Grabanlagen, sondern auch als Kultstätte genutzt worden.

Wie es vor 5000 Jahren gelungen ist, die mächtigen Steinplatten auf die Tragsteine zu hieven, ist ein Rätsel geblieben. Experten weisen darauf hin, dass die fünf Gräber fast zentimetergenau ausgerichtet sind — von Nordnordost nach Südsüdwest. Jedes Grab ist auf denselben Punkt am Horizont fixiert.

LN

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