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Kultur im Norden Jubiläum mit Extra-Filmtag
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Jubiläum mit Extra-Filmtag
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18:21 29.08.2018
Das neue Logo der Filmtage präsentieren mit Vorfreude aufs Jubiläum Ralph Heinsohn, Florian Vollmers, Kathrin Weiher, Linde Fröhlich und Jörg Schöning (v.l.). Quelle: Wolf-Dietrich Turné,NFL
Lübeck

Mehr Zeit für die Festivalfilme schenken die 60. Nordischen Filmtage den Besuchern in diesem Jahr. Wie schon beim 50. Jubiläum wird das Festival um einen Tag verlängert – an sechs Tagen ist eine Auswahl an neuen und historischen Filmen aus den nordischen Ländern und dem Baltikum zu sehen. „Es werden allerdings nicht mehr Filme gezeigt, sondern öfter“, sagt Kultursenatorin Kathrin Weiher bei der Vorstellung des Programms. Im 875. Jahr Lübecks zeigt sich die Stadt spendabel. Das Budget der verlängerten Filmtage wird von 760 000 Euro auf 800 000 Euro aufgestockt – Lübeck zahlt davon 200 000 Euro.

Was ist sonst noch neu im Jubiläumsjahr? „Wir wollen in die Zukunft schauen, die Förderung von jungen Filmemachern liegt uns am Herzen“, sagt die künstlerische Leiterin des Festivals, Linde Fröhlich. Erstmals wird der „Preis für das Beste Spielfilmdebüt“ vergeben, gestiftet vom Freundeskreis der Nordischen Filmtage. Mit 7500 Euro soll der Film-Nachwuchs gefördert werden. Auch die CineStar-Gruppe erhöht das Preisgeld des von ihr gestifteten Preises für den besten in Norddeutschland hergestellten Kurzfilm von bisher 3000 auf 5000 Euro. Insgesamt werden neun Preise im Wert von 50 000 Euro in Lübeck vergeben – den Publikumspreis in Höhe von 5000 Euro stiften auch in diesem Jahr die Lübecker Nachrichten.

Als neue Spielstätte wird ein „Hafenkino“ im Schuppen 6 eingerichtet, passend zum Thema der Retrospektive „Baltic Transfer“. „Der Ort eignet sich besonders für die Filme“, erklärt Jörg Schöning, Kurator der Retrospektive. An vier Abenden sind an den Kaianlagen an der Untertrave Stummfilme, oft begleitet von Live-Musik, zu erleben. Sie erzählen unter anderem von alten „Heuerbüros“ in Lübeck, vom Kampf gegen eine Schmugglerbande in Gdingen, von dunklen Machenschaften im Hafenviertel Oslos und von illegalem Schnapshandel in den Kaschemmen von Tallinn. Weitere Filme im Rahmen der Retrospektive handeln von Ostseehäfen, Schiffspassagen, aber auch Kriegsschiffen und dem maritimen Leben im Hafen. „Unter anderem gibt es einen Film, in dem vor übermäßigem Alkoholgenuss gewarnt wird“, so Schöning. Einen kleinen Vorgeschmack auf das Hafenkino gibt es bereits am 20. September.

Jubiläen sind in diesem Jahr gleich mehrere zu würdigen: Vor 100 Jahren erlangten die Baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie Island ihre Unabhängigkeit. Filme aus diesen Ländern werden in allen Bereichen des Festivals präsentiert. Und noch ein 100. Geburtstag wird gefeiert: der des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman. Ihm ist denn auch eine Würdigung innerhalb der „Specials“-Sektion gewidmet. „Im Frühjahr liefen ja schon viele seiner bekannten Filme im Fernsehen. Wir haben bewusst die selten gezeigten Filme ausgewählt“, sagt Filmtage-Manager Florian Vollmers. Dazu gehört unter anderem der Spielfilm „The Touch“, Bergmans erste internationale Ko-Produktion (Schweden/USA 1970), aber auch eher unbekannte Werke wie „Hamnstad/Hafenstadt“ (SWE 1948) oder die deutsch-österreichische TV-Produktion „Aus dem Leben der Marionetten“ (1980). Bergmans Milieustudie „Hafenstadt“ über soziale Außenseiter in Göteborg eröffnet die Retrospektive. Zu sehen sind auch Dokumentationen und Kurzfilme.

Zum dritten Mal sind 360-Grad-Filme im Fulldome auf dem Klingenberg zu erleben. Kurator Ralph Heinsohn freut sich besonders auf eine Entdeckung, die er im Frühjahr gemacht hat: den „Astro-Special“, einen bislang nahezu unbekannten Lübecker Sternenprojektor. Der Planetariumsprojektor, der 1937 in Lübeck im Auftrag für ein Kopenhagener Planetarium gebaut wurde, wurde im sommer durch Zufall entdeckt und kommt auch bei den Filmtagen zum Einsatz. Ansonsten darf man sich wieder auf besondere Filmerlebnisse im Kuppel-Kino freuen. Der poetische Film „The Baltic Sea“ von Hannes Vartiainen und Pekka Veikkolainen aus Finnland erlebt eine Weltpremiere. Der Rundum-Film zeigt die Ostsee als faszinierenden Lebensraum, aber auch als bedrohtes Gewässer.

Und damit noch nicht genug der Premieren: Erstmals laden die Filmtage und die evangelische Kirche zu einer Filmnacht-Andacht ein. Am 21. September ist in St. Petri ab 21 Uhr der norwegische Preisträgerfilm des vergangenen Jahres „Thelma“ zu sehen. Studenten der Musikhochschule umrahmen ihn musikalisch, Pastor Bernd Schwarze gibt eine theologische Auslegung.

Weitere Informationen über Filme und den Start des Ticketverkaufs sind auf der Homepage der Filmtage zu erfahren: www.nordische-filmtage.de. Die ist übrigens auch neu.

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Petra Haase

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