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70 Kinder proben für "Oliver Twist" am Theater Lübeck

Lübeck 70 Kinder proben für "Oliver Twist" am Theater Lübeck

Es ist die erste Inszenierung mit so vielen jungen Laiendarstellern: Beim Musical „Oliver!“ nach „Oliver Twist“ von Dickens stehen neben professionellen Schauspielern, Tänzern und Sängern 70 Lübecker Schüler auf der Bühne. Am 17. November ist Premiere – ein Probenbesuch.

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Eine zentrale Szene: Der Waisenjunge Oliver trifft in London auf eine Bande von Taschendieben.

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. „Jeder sucht sich jetzt einen Zwilling“, sagt Choreograf Harald Kratochwil zu den Schülern. Natürlich keinen echten, sondern einen Darsteller, den er genau beobachtet während der Tanzproben. Die eine Hälfte der Schüler tanzt und singt auf der Bühne, die andere sitzt unten und verfolgt die Schritte. Denn jede Rolle ist doppelt besetzt. Das sei zum einen eine Absicherung bei Krankheit, zum anderen aus Gründen des Jugendschutzes notwendig, erklärt die Dramaturgin Doris Fischer. „Kinder dürfen nur 30 Tage im Jahr arbeiten.“

Musical-Erfolg

Lionel Bart landete mit der Musical-Adaption von „Oliver Twist“ seinen größten Erfolg – seit der Uraufführung 1960 wurde das Stück 2600 mal aufgeführt.

Premiere in Lübeck ist am 17. November um 19.30 Uhr. Eine öffentliche Kostprobe gibt es am 7. November um 18.30 Uhr.

Tickets: 0451/399600

Alle gehen auf ihre Position, auch Profitänzer und der Opernchor sind dabei. Die Klaviermusik beginnt, die Gang der Taschendiebe hat ihren Auftritt: „Es können Tage sein, wo du mal schlechter liegst, nichts zu fressen kriegst, nur Mut“. In dieser Szene kommt Oliver nach seiner Flucht aus dem Waisenhaus und vor seinem Vormund, einem Leichenbestatter, nach Londen und wird in eine Diebesbande aufgenommen. Noch sitzen nicht alle Schritte und Töne perfekt, doch die Energie der Akteure überträgt sich und man merkt: Das hier wird die Zuschauer mitreißen.

In der vergangenen Ferienwoche haben die Mädchen und Jungen jeden Vormittag geprobt, im Foyer wurden Tische für die Versorgung aufgestellt. Nachmittags gab es Infos rund um das Theater: Führungen, Talks mit Profis, Improvisationen. Die Mädchen und Jungen sind zwischen elf und 15 Jahre alt und kommen aus der Grund- und Gemeinschaftsschule St. Jürgen und dem Katharineum. „Dort arbeiten wir mit sehr engagierten Lehrern zusammen, mit ihnen wurden die Sänger und Darsteller ausgewählt“, sagt Fischer.

Die zwei Hauptrollen, Oliver und Taschendieb Artful Dodger, wurden jeweils dreifach besetzt. Dafür gab es auch ein Casting. Der 13-jährige Leander ist einer der Olivers, er steht zum ersten Mal auf der Bühne und ist bereits textsicher. Ihm gefallen die szenischen Proben. Der zwölfjährige Matti, auch ein Oliver, hat schon Bühnenerfahrung, er hatte bereits in der Lübecker „Mass“-Inszenierung mitgespielt und gibt sich routiniert. Lampenfieber hat Lukas, der die Hauptrolle als Taschendieb Artful Dodger spielt. Dem 14-Jährigen bringen die Proben „total viel Spaß“. Das Textlernen sei nicht so schlimm gewesen. Schwieriger sei es, auf der Bühne Text, Tanz und Gesang zusammenzubringen.

Am Anfang jedes Probentages gab es eine Vorstellungsrunde, jeder Schüler sagte laut seinen Namen und improvisierte. „Es ist erstaunlich, wie die Jugendlichen von Tag zu Tag selbstbewusster wurden und mehr und mehr aus sich herausgingen“, resümiert Doris Fischer. „Ich finde das richtig cool. Man darf hier zeigen, was man kann“, sagt Jannik. „Und Wolf ist einer der nettesten Menschen, die ich kenne.“

Es ist die erste Inszenierung mit so vielen jungen Laiendarstellern: Beim Musical „Oliver“ nach „Oliver Twist“ von Dickens stehen neben professionellen Schauspielern, Tänzern und Sängern 70 Lübecker Schüler auf der Bühne. Am 17. November ist Premiere – Klicken Sie sich hier durch die Fotos vom Probenbesuch am 27. Oktober.

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Wolf ist der Regisseur Wolf Widder, von dem alle hier schwärmen, und er gibt die Komplimente zurück. Es sei etwas ganz Besonders, mit so vielen jungen Laien zu proben. „Sie haben eine so große Präsenz und Natürlichkeit. Die soll bei aller Professionalität auch erhalten bleiben, ich möchte keine dressierten Äffchen auf der Bühne.“

Bis zur Premiere in drei Wochen gibt es fast täglich Proben, dann mit Orchester und in Kostümen. Matilda, Jana und ihre Freundinnen freuen sich darauf und schwärmen vom tollen Zusammenhalt in der Gruppe. „Wir sind richtige Freunde geworden.“ Das Singen, Tanzen, alles mache „richtig Spaß“. Und auf die Frage, wer von ihnen später mal Schauspielerin werden möchte, fliegen alle Arme hoch.

Petra Haase

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