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91 bewegte Jahre auf 300 Quadratmetern

Bad Honnef 91 bewegte Jahre auf 300 Quadratmetern

Das Konrad-Adenauer-Museum widmet sich mit aufpolierter Ausstellung dem ersten Bundeskanzler.

Bad Honnef. . Des Kanzlers Federn sind keine ganz einfachen Museumsstücke. „Das ist konservatorisch unser heikelstes Objekt“, stellt Jürgen Peter Schmied mit Blick auf den Indianerkopfschmuck fest, der in etwas schummrigem Licht in einer Vitrine zu sehen ist. Bis eben habe man noch herumgerätselt, wie viel Licht der nun abbekommen dürfe, damit die roten Federn auch rot bleiben. Getragen hat sie einst Konrad Adenauer, erster Kanzler der Bundesrepublik, der am 19. April 1967 – also vor 50 Jahren – starb.

Dass in diesen Tagen viel an Adenauer erinnert wird, hängt mit diesem historischen Datum zusammen. Passend dazu hat das Adenauer-Museum an seinem alten Wohnhaus im Ortsteil Rhöndorf von Bad Honnef seine Dauerausstellung nun komplett überarbeitet. Zuvor hatte sie sich gut 20 Jahre lang kaum verändert. Oben thront weiterhin das alte Adenauer-Wohnhaus, unten wurde die zugehörige Museumsfläche umgebaut, modernisiert und von 230 auf gut 300 Quadratmeter vergrößert. Kostenpunkt: rund 2,3 Millionen Euro.

Rund 450 Exponate sind zu sehen – darunter auch der Feder- Schmuck, mit dem der Altkanzler 1956 bei einem USA-Besuch zum Ehrenhäuptling ernannt wurde. Er soll zeigen:

Selbst bei den Indianern war Adenauer damals ein Name. Vor allem aber geht es auch darum, die Erinnerung an ihn nicht verblassen zu lassen wie eine jener bunten Federn. Die Ausstellung soll ausdrücklich auch jüngere Generationen ansprechen. Es wird weniger vorausgesetzt, mehr erklärt. „Viele Besucher haben heute zum Beispiel ein geringes Wissen über die Zeit, in der Adenauer aufgewachsen ist“, erklärt Schmied, der die Ausstellung betreut hat. Daher wird zuerst das deutsche Kaiserreich erläutert, in dem Adenauer 1876 in Köln geboren wird.

Die Ausstellung folgt Konrad Adenauers Lebensweg. Im Raum über seine Zeit als Kölner Oberbürgermeister ist zu sehen, wo in seiner Heimatstadt heute noch Spuren von ihm zu finden sind – etwa sein Lieblingsprojekt, der Grüngürtel. Über seine Zeit als Verfolgter im Nationalsozialismus gelangt man in die Kanzler-Jahre und später zum Privatmann Adenauer, der beim Boccia unbedingt gewinnen will und sich als Gartenliebhaber inszeniert.

Die Ausstellung lebt von den vielen – und zum Teil recht skurrilen – Überbleibseln aus dem langen Leben des Kanzlers, der 91 Jahre alt wurde. Etwa von dem „elektrischen Insektentöter“, den er erfunden hat – eine Bürste mit eingebauten Metalldrähten. Oder von einer handgeschriebene Menü-Karte, in der der Kanzler „Spargel mit Schinken“ für schwierige Gespräche mit Frankreichs Außenminister offeriert.

Jonas-Erik Schmidt

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