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AUSSTELLUNG WINSTON CHURCHILL

LN SERIE AUSSTELLUNG WINSTON CHURCHILL

Man kennt ihn als britischen Premierminister, doch Winston Churchill (1874-1965) hat auch zahlreiche Artikel, Essays und Bücher geschrieben und mehr als 500 Bilder gemalt.

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Jetzt im Günter Grass-Haus zu sehen: Winston Churchills Gemälde „Der Goldfischteich in Chartwell“. FOTO: THE CHURCHILL COLLECTION (THE NATIONAL TRUST)

Lübeck. Man kennt ihn als britischen Premierminister, doch Winston Churchill (1874-1965) hat auch zahlreiche Artikel, Essays und Bücher geschrieben und mehr als 500 Bilder gemalt. Das Günter Grass-Haus zeigt bis zum 12. Februar 2017 elf Gemälde des rastlosen Staatsmannes und erzählt die Geschichten, die sich hinter seinen Landschaftsidyllen verbergen. Zusammen mit Auszügen aus den schriftstellerischen Werken des 1953 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichneten Autors geben sie einen außergewöhnlichen Einblick in verschiedene Lebensphasen des legendären Politikers, Schriftstellers und Malers.

In einer LN-Serie beschäftigt sich Kuratorin Tatjana Dübbel mit einigen der Exponate. Heute: „Der Goldfischteich in Chartwell“ (ca. 1935).

Winston Churchill erfüllte sich 1922 einen langgehegten Traum, als er den Landsitz Chartwell in der Grafschaft Kent kaufte.

Der auf Schloss Blenheim geborene Spross der Herzöge von Marlborough hatte zwar weder Titel noch Vermögen seiner begüterten Vorfahren geerbt, doch die Rolle des aristokratischen Gutsherrn gefiel ihm ebenso gut wie die des erfolgreichen Politikers.

Auch Churchills Gattin Clementine zeigte sich begeistert von dem Anwesen und schrieb nach einer ersten Besichtigung an ihren Gatten Winston: „Mein Liebling, ich kann an nichts anderes mehr denken als an den himmlischen, von Bäumen gekrönten Hügel. Von dort oben hat man eine Aussicht wie aus einem Flugzeug ...“

Das Gartenhaus seines neuen Domizils ließ Churchill zum Atelier ausbauen, die saftig grüne Landschaft und die weitläufigen Wiesen lieferten ihm Motive für seine farbenprächtigen Bilder. Eigenhändig legte der Hausherr einen Goldfischteich an, der später zu einem seiner Lieblingssujets wurde.

Im Grass-Haus ist jetzt eine Studie des Gewässers aus dem Jahr 1935 zu sehen. Das Gemälde bleibt unbeendet, doch der Entwurf zeigt, dass Winston Churchill ein gutes Gespür und Verständnis für Form, Perspektive und Komposition hatte. „Es bedarf dieses allumfassenden Blicks, der den Anfang und das Ende, das Ganze und jedes seiner Teile, als einen einzigen momentanen Eindruck festhält, der zuverlässig und dauerhaft im Gedächtnis bleibt“, heißt es in seinem Essay „Die Malerei als Zeitvertreib“ („Painting as a Pastime“) von 1921.

Doch so ruhig und friedvoll Churchills Landschaftsporträt wirkt, so bewegt und unheilvoll war die Zeit, in der es entstanden ist. Im selben Jahr, in dem der Politiker in seinem Studio die Goldfische auf die Leinwand zu bannen versuchte, verfasste er für „The Strand Magazine“ einen Artikel mit dem Titel „Die Wahrheit über Hitler“. Sein Urteil über den Mann, den er nur wenige Jahre später erbittert bekämpfen sollte, fiel zu diesem Zeitpunkt noch keineswegs eindeutig aus: „Die Zukunft wird entscheiden, ob Hitler als Monster oder als Held in die Geschichte eingehen wird.“ Bereits seit einigen Jahren warnte Churchill in Parlamentsreden und Artikeln vor einer Wiederbewaffnung des Deutschen Reichs und verurteilte die gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden und Oppositionelle. Doch 1935 hielt er es noch für denkbar, dass Hitler seinen Hass und seine Feindseligkeiten nun, da er „an der Spitze einer großen Nation“ stehe, „unter den mildernden Einflüssen des Erfolges“ verwerfen werde.

LN

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