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Kultur im Norden Abdel-Samad: Islamkritik trotz Fatwa
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21:23 02.07.2013
Hamed Abdel-Samad (41) bei seinem Auftritt in München. Quelle: Foto: dpa
München

Angst? Nein. Aber „surrealistisch“ wirke das Ganze für ihn noch immer, gibt der seit kurzem von einem Mordaufruf einer islamistischen Gruppe bedrohte Autor Hamed Abdel-Samad zu. Personenschutz, wechselnde Wohnorte — das ganze Programm. Bei seinem ersten öffentlichen Vortrag nach seinem Abtauchen steht der Islamkritiker aber entspannt im violetten T-Shirt vor dem Münchner Publikum, seine Jacke hat er auf einen Stuhl auf der Bühne geknüllt.

Der deutsch-ägyptische Politologe hatte bei einem Vortrag in Kairo vor einem Monat über „religiösen Faschismus“ gesprochen. Glaubensführer belegten ihn mit der sogenannten Fatwa und riefen zu seiner Ermordung auf. Doch der Autor von Büchern wie „Mein Abschied vom Himmel — Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland“ (2009) oder „Krieg oder Frieden: Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens“(2010) wiederholt seine Kritik. Zwei Stunden spricht der 41-Jährige in München über Ägypten und beantwortet Fragen — in einem Gemeindesaal vor etwa 200 Menschen, zugunsten einer Interkulturellen Stiftung, die sich für Migranten engagiert.

Während in seinem Geburtsland Hunderttausende auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen Präsident Mohammed Mursi und die ultrakonservativen Muslimbrüder protestieren, kämpft der Politologe mit Worten. Er sagt: „Entgegen den meisten Meinungen bin ich optimistisch für Ägypten.“ Rund 14 Millionen Menschen seien dort friedlich auf die Straßen gegangen. „Ich sehe, dass viele junge Frauen und Männer zum zweiten Mal in zwei Jahren auf die Straße gehen, um für Demokratie zu demonstrieren. Das macht mir Hoffnung.“

Dann skizziert er, wie Ägypten aus seiner Sicht zur Demokratie kommen könnte: Es müsse die Scharia aufgeben, eine Expertenregierung einberufen, Wirtschaft und Tourismus wieder in Gang bringen und dann neu wählen lassen. Die Muslimbrüder dürften vom politischen Prozess nicht ausgeschlossen werden, sonst würden sie radikalisiert.

Vor der Tür steht ein Polizeiwagen, nächst dem Rednerpult sitzt ein Mann vom bayerischen Landeskriminalamt. „Ich werde mich nicht verstecken“, hatte Abdel-Samad vor der Vortragstour wissen lassen. „Mein Ziel ist und war niemals, die Religion zu diffamieren, sondern die diktatorischen und faschistischen Elemente, die sich verankert haben in der Religion, zu thematisieren“, sagt er noch. ie Morddrohungen hätten faschistoide Züge nur bestätigt. „Tötet ihn, weil er so denkt“, zitiert er das Verhalten seiner Gegner. Er arbeitet schon an seinem nächsten Buch — über den islamischen Faschismus. Über die Belastung durch die Fatwa für sich und seine Familie spricht er nicht.

Sabine Dobel

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