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Abendmahl mit Rockmusik und Tanz

Lübeck Abendmahl mit Rockmusik und Tanz

In der Lübecker Kulturkirche St. Petri wird „Supper’s Ready“ von Genesis samt Ritus aufgeführt.

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Pastor Bernd Schwarze (Mitte), Initiator von „Supper’s Ready“, vollzieht die Liturgie, Sänger Lukas Kowalski (hinten links) und Organist Willy Daum (hinten rechts) liefern die Musik, die Tänzerin Shiao Ing Oei (ganz rechts) die Choreografie.

Quelle: Foto: Olaf Malzahn

Lübeck. Bernd Schwarze war elf, als die Rockband Genesis um den Sänger Peter Gabriel ihr Album „Foxtrot“ auf den Pop-Markt brachten. Schwarze war damals besonders angetan von einer etwa 25 Minuten lange Komposition mit dem Titel „Supper’s Ready“, ein Stück aus sieben Teilen, fast eine ganze LP-Seite lang. „Dieser sakrale Sound von Genesis, der eben nicht kirchlich geprägt ist, das war eine Offenbarung“, sagt Schwarze, der zu jener Zeit bereits Drummer einer Band war. Er fügt an: „Ich war als Jugendlicher nicht sehr churchy“, nicht besonders kirchentreu.

Er ist dennoch Theologe geworden und hat promoviert über das Thema „Religiöse Motive in der Popmusik“. Seit fünf Jahren hat Schwarze die Pfarrstelle an der Lübecker Kultur- und Universitätskirche St.

Petri inne und ist künstlerischer Leiter des kirchlichen Ausstellungs- und Konzertlabors in der Altstadt. Damit ist alles genannt, was zu seinem aktuellen Projekt führte: Schwarze inszeniert ein Abendmahl als Performance – zur Musik von Genesis, begleitet von Tanz. „Supper’s Ready – Ein Abend über das Abendmahl“ findet am Gründonnerstag statt, dem Gedenktag der Christen an das letzte Abendmahl Jesu am Vorabend der Kreuzigung.

Die Veranstaltung sei ein Experiment zwischen Gottesdienst und Konzert, Theater und Ritus, sagt Schwarze. Das Genesis-Stück „Supper’s Ready“ übernehme die Funktion einer Messe, der Tanz sei das Bindeglied zwischen Rockmusik und Liturgie. Die Choreografie stammt von Shiao Ing Oei, die auch eine der sechs Tänzerinnen ist, die sich um den Altar scharen.

Willy Daum, am Theater Lübeck vielbeschäftigter Theatermusiker („In der Bar Zum Krokodil“, „Riders on the Storm“), ist musikalischer Leiter des Projekts. Er hat das Original von „Supper’s Ready“ Ton für Ton abgehört und Note für Note aufgeschrieben, „denn eine Partitur gibt es nicht“. Er wird an der Orgel sitzen, begleitet von Saxofon, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Und dann ist da noch der Lübecker Popsänger Lukas Kowalski. Er muss den Part von Peter Gabriel bewältigen. Kowalski ist erst 30 und doch dem Genesis-Urgestein verbunden: „Die Stücke der Band gehören zu den Klassikern des Rock. Es ist für mich eine Ehre und Herauforderung, diesen Part zu singen.“ Ganz nebenbei gesteht er, dass die Interpretation dieser komplexen Klänge für ihn Neuland sei. Süffige Songs gibt es in „Supper’s Ready“ nicht. Willy Daum findet, dass das Rock-Oratorium in seiner Vielschichtigkeit den Werken der klassischen Musik nahe stehe.

Pastor Schwarze, der die Rock- Messe aus seiner Erinnerungskiste geholt hat, betont: „Es geht nicht um meine persönliche Geschichte. Sondern darum, das Abendmahl mit all seiner Ambivalenz in einen neuen Kontext zu stellen.“ Dass das Genesis-Werk einen religiösen Kern hat, wird spätestens am Schluss deutlich, wenn die Apokalypse im Neunachtel-Takt beschworen wird: „Der König aller Könige ist zurückgekehrt, um seine Kinder in ein neues Jerusalem zu führen“, heißt es da.

Spenden erbeten

„Supper’s Ready“ wird (zunächst) einmalig aufgeführt am Donnerstag, 13. April (Gründonnerstag), um

20 Uhr in der Lübecker Universitäts- und Kulturkirche St. Petri.

Pastor Bernd Schwarze wird die Abendmahl-Liturgie gestalten, Willy Daum ist für die Musik zuständig, Shiao Ing Oei von Tanzort-Nord für die Choreographie.

Der Eintritt ist frei, es wird um eine großzügige Spende gebeten.

Michael Berger

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