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Abenteuer mit Alisa Weilerstein

Hamburg Abenteuer mit Alisa Weilerstein

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und ihr Künstlerischer Leiter Paavo Järvi haben einen Pakt geschlossen – sie wollen Beethovens Sinfonien ganz neu oder auch ...

Hamburg. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und ihr Künstlerischer Leiter Paavo Järvi haben einen Pakt geschlossen – sie wollen Beethovens Sinfonien ganz neu oder auch alt, auf jeden Fall authentisch erklingen lassen. Befragt man die Besucher des SHMF-Konzerts in der Hamburger Laeiszhalle, so haben sie Beethovens Sinfonie Nr 8. noch nie so kräftig akzentuiert gehört – da knallen im ersten Satz beim Forte die Saiten auf den Griffbrettern, da knattern die Hörner wie in der Alten Musik. Das Tempo ist scharf, doch, oh Wunder: Auch ein tänzerisches, fast wildes Piano lässt das Orchester beim Menuett hören. Alles sehr expressiv und verwegen. Im Kontrast dazu stehen die militärisch knappen Winke des Dirigenten. Das Publikum ist aufgewühlt.

 

LN-Bild

Cellistin Alisa Weilerstein, 1982 in Rochester, New York, geboren, ist Haydn-Expertin, aber auch für Neue Musik zu haben.

Quelle: SHMF

Solch ein spielfreudiges Kollektiv wie die Kammerphilharmonie passt zur extrovertierten Alisa Weilerstein. Die 1982 in den USA geborene Cellistin, 2006 mit dem Bernstein Award des SHMF ausgezeichnet, kann ihr Instrument mit einem Furor spielen, der an eine Rockgitarristin erinnert. Selbst wenn es um Joseph Haydn geht. Dessen beide Cellokonzerte folgten auf den Beethoven, und ihr Auftritt steigert sich zum Vulkanausbruch mit erotischem Schaulaufen. Fürs Sinnliche sorgt bereits Weilersteins schulterfreies rotes Schleppenkleid – atemberaubend.

Dass sie eine hochtalentierte Musikerin ist, muss sie nicht mehr beweisen. Dennoch stellt sie ihr technisches Können aufreizend aus: Seht her, wie locker und exakt mir Sechzehntel-Triolen von der Hand gehen. Nach einer aufschäumenden Kadenz im D-Dur-Konzert ein Siegerlächeln: Zauberei ist kein Problem. In Haydns C-Dur-Konzert, das sie nach der Pause spielt, ist ein mozartleichtes Thema zu hören, doch Weilerstein kann daraus ein kleines Drama machen. Am Ende des rasenden Finales steht sie schon vor dem letzten Ton senkrecht da – Triumph krönt die Figur. Ein Konzertabenteuer.

mib

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