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Abschied von John Grant: Sein Leben gehörte dem Tanz

Lübeck Abschied von John Grant: Sein Leben gehörte dem Tanz

Die Lübecker Theaterwelt, Profi-Tänzer und ein großes Publikum, trauert um den langjährigen Ballettchef des Hauses in der Beckergrube. John Grant ist im Alter von 80 Jahren in Lübeck gestorben.

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John Grant mit einer Tänzerin des Lübecker Balletts bei Proben im Jahr 1985.

Quelle: Foto: Dirk Hourticolon

Lübeck. Die Lübecker Theaterwelt, Profi-Tänzer und ein großes Publikum, trauert um den langjährigen Ballettchef des Hauses in der Beckergrube. John Grant ist im Alter von 80 Jahren in Lübeck gestorben. Der 1932 im australischen Sidney Geborene (mit vierfach deutschen Großeltern) gehörte bereits als junger Tänzer zum Ballett von Edouard Borowanski, dem heutigen australischen Nationalballett. Der große Boro, wie ihn die Tanzwelt nennt, hat selbst noch in der Truppe der Anna Pawlowa getanzt und war Solist im berühmten Ballett Russe bei Serge Diaghilew.

John Grant hat bewusst eine bedeutende Tradition weitergegeben, und so kam noch ein Stück der alten, berühmten Petersburger Schule in die Lübecker Beckergrube. Als die LN ihn einmal nach seinen Vorbildern fragten, sagte er allerdings: „Ich schätze den einstigen Stuttgarter Ballettchef, den Engländer John Cranko.“ Und auch den Gründer des Hamburg Ballett, John Neumeier, bewunderte Grant sehr. Seine liebste Ballettmusik? „Strawinsky, Strawinsky, Strawinsky.“

Viele beglückende Tanzabende sind ihm zu danken, zum Beispiel „Romeo und Julia“ oder „Cinderella“. Seine Choreographie etwa des „Don Quixote“ nach der Musik von Ludwik Minkus, der im 19. Jahrhundert Hauskomponist des russischen Balletts war, sei als weiteres Beispiel genannt — unvergessen darin die Sprungfiguren des rumänischen Solisten Ion Constantin, die einem den Atem stocken ließen.

John Grant kam 1959 mit seiner Frau, der Tänzerin Edith Krohn- Grant, nach Deutschland und war als Tänzer und Choreograph unter anderem in Essen, Wuppertal und auch im schweizerischen Bern engagiert.

Karl Vibach, von 1967 bis 1978 Generalintendant in Lübeck, holte ihn in die Hansestadt. John Grant wurde rasch ein Freund des Musicals — „Cabaret“ war sein größter und geliebter Erfolg. War John Grant vorher durch ganz Australien gezogen, so gastierte er nun in europäischen Städten. Tanztheater war sein Leben. Bis zuletzt lehrte er vor allem Musical Dance in privaten Tanzschulen.

Am kommenden Donnerstag, 26. September, wollen Freunde und Verehrer um 14.15 Uhr auf dem Vorwerker Friedhof von ihm Abschied nehmen.

Wolfgang Tschechne

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