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Kultur im Norden Abseits des Bekannten
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18:10 11.08.2018
Energisch wie einfühlsam interpretierte Jan Lisiecki Schumann-Werke in Lübeck. Quelle: Fotos: Fotonick/marcus Erhardt
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Zu einem Komponisten- Porträt gehören auch die weniger anspruchsvollen Werke des Geehrten. Im diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festival waren deshalb auch bereits Stücke von Robert Schumann zu erleben, die den Komponisten nicht unbedingt auf der Höhe seiner Meisterschaft zeigten. Das spricht für die Courage der Programmmacher, denen es auf diese Weise gelingt, ein ungeschminktes Gesamtbild der Musik Robert Schumanns zu präsentieren.

So auch am Freitag in der MuK. Das berühmte Klavierkonzert in a-Moll wurde hier bereits aufgeführt, nun waren Schumanns weitere Beiträge zum Genre Klavier und Orchester an der Reihe. Beide Werke finden sich nur selten auf den Spielplänen – bei der Introduktion und Allegro appassionato in G-Dur ist es verständlich, dass die Komposition fast vergessen ist. Das Festival-Orchester unter Vladimir Jurowski und der Solist Jan Lisiecki versuchten nicht, dem Allegro mehr Sinn und Gehalt zu geben, als es enthält. Gehobene Salonmusik, vorhersehbar, ohne originelle Wendungen und ohne den typischen Schumann-Impetus. Jan Lisiecki versah den Klavierpart energisch und ebenso einfühlsam wie beim zweiten Stück des Abends, dem „Nachtstück op. 23 Nr. 1“. Eine statische Komposition für Klavier solo, gelegentlich leicht skurril angelegt, aber stets ohne Ausbrüche in melancholische Tiefe oder hoch jauchzende Verzückung.

Zenders Phantasie über Schumanns Phantasie

Übergangslos folgte dann das Konzert-Allegro mit Introduktion d-Moll. Ein sehr spätes Werk von Robert Schumann, entstanden noch nicht einmal ein Jahr vor seinem endgültigen psychischen Zusammenbruch.

Dieses Allegro erwies sich als weitaus gehaltvoller als das erste Werk des Abends, hier waren typische Schumann-Wendungen und -Stimmungen zu erleben. Jan Lisiecki zeigte sich nicht nur in der Kadenz von seiner besten Seite, er spielte mit großer Geste und großer Variabilität. Das Publikum war begeistert, der Solist bedankte sich mit Schumanns „Träumerei“ in einer hinreißend elegischen Wiedergabe.

Nach der Pause kam dann ein Bewunderer Schumanns zum Zuge. Hans Zender, Dirigent und Komponist des Jahrgangs 1936, hat über Schumanns Phantasie op.17 für Klavier eine Phantasie für großes Orchester geschrieben. Vor dem Klangkörper hatte Vladimir Jurowski die in der Partitur geforderten zwei Streichquartette platziert, die eine Introduktion und zwei Interludien spielten. Gemäßigt moderne Musik, in der Machart nicht sonderlich originell. Zenders Bearbeitung ist eine große Paraphrase auf Schumanns berühmte Phantasie, geschickt instrumentiert und sogar kulinarisch, wenn sie so wunderbar gespielt wird wie vom Festival-Orchester. Höchste Präzision in allen Instrumentengruppen war zu erleben, kein Kiekser bei den Bläsern, kein klappernder Einsatz bei den Streichern: Eine herausragende Leistung des Orchesters und des sympathischen Dirigenten Vladimir Jurowski. Die Freude an der Zusammenarbeit der jungen Musiker mit ihrem Chef war fast greifbar. Großer Beifall auch am Schluss.

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