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„Abtauchen in fremde Welten“, sagt Doris Runge

Lübeck „Abtauchen in fremde Welten“, sagt Doris Runge

Abtauchen, eintauchen, sich buchstäblich verlieren in fremde Welten und Geschichten: lesen.

Lübeck. A btauchen, eintauchen, sich buchstäblich verlieren in fremde Welten und Geschichten: lesen. An Sommertagen im Halbschatten auf einer Bank Birgit Vanderbekes neuestes Buch „Ich freue mich, dass ich geboren bin“ aufschlagen und sich mitfreuen an Sprachartistik und Sprachwitz einer wunderbaren gegen den Strich erzählten Geschichte.

 

LN-Bild

Doris Runge gilt als die lyrische Stimme des Nordens. Die Werke der 1943 in Carlow in Mecklenburg geborenen Dichterin sind international bekannt. Sie erhielt zahlreiche Preise und den Ehrentitel „Professorin“. Doris Runge lebt im Weissen Haus in Cismar (Ostholstein). Die Kulturreihe „Literatur im Weissen Haus“, bei der sich namhafte Autoren die Klinke in die Hand geben, rief sie vor 23 Jahren ins Leben. Adolf Muschg liest dort am 21. Juli, Anmeldungen unter Tel. (04366) 255.

Quelle:

Oder in den Göttinger Sudelblättern ihre Hexenrede studieren, um verschüttete Kenntnisse aufzufrischen.

Auf meiner kleinen, quer durchs Feld laufenden Leseroute bin ich Edna St. Vincent Millay begegnet, die zu den berühmtesten Lyrikerinnen des Jazz-Age zählte und heute fast vergessen ist. Sie hätte eine der Urmütter der Feministinnen sein können, aber sie ist viel mehr, eine große Poetin. Der Literaturprofessor Ernst Osterkamp von der Humboldt-Universität Berlin hat ihr wieder eine Stimme verliehen. Sommernächte sind gut für Stimmen. Man kann Nachtigallen, Sprosser, Spötter oder auch Edna hören.

An Sommerregentagen kann ich im Klosterdorf Cismar trockenen Fußes „Blühende Gärten“ bestaunen. Diether Kressels Ausstellung „Ich bin im Garten“ ist ein Fest für die Augen. Nur wenige Schritte vom Weissen Haus, das kleine, in Cismar gelegene, entdecke ich „Japan an der Ostsee“. Mit etwas Glück darf ich dem Meister, Jan Kollwitz , der in Japan die Philosophie der Töpferkunst erlernt hat, über die Schulter schauen.

„Die japanische Tasche“ allerdings, um die es am 21. Juli im Weissen Haus geht, ist kein exotisches Accessoire, sondern der Titel eines Romans, der von einer großen Liebe und ihrem Scheitern handelt:

das neueste Werk von Adolf Muschg , dem großen Schweizer Dichter. Wer nicht nur das Leseglück, sondern auch den großen Romancier hautnah erleben möchte, sollte sich am besten noch heute anmelden.

Gespannt bin ich auch auf Jörg Immendorffs „Grafische Werke“ , die im Ostholstein Museum in Eutin zu sehen sind, und auf die Kirchner-Impressionen von Armin Mueller-Stahl im Senator-Thomsen- Haus in Burg auf Fehmarn.

Was mich begeistert, wenn ich müde bin, zu müde zum Lesen, aber nicht müde genug – großes Kino. Zum Beispiel Viscontis Verfilmung von Lampedusas „Leopard“ . Ein Abendrot aus dem 19.

Jahrhundert. Pracht, Prunk und Verfall einer Dynastie in einer opulenten Inszenierung mit einer überirdisch schönen Claudia Cardinale und Burt Lancester in seiner besten Rolle als Fürst Salina.

Was mich begeistert: zwei Gartenstühle auf der Sonnenterrasse. Beide besetzt.

LN

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