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Affen haben keinen Himmel

Bonn Affen haben keinen Himmel

Eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle von Bonn erzählt verblüffend genau „Eine kurze Geschichte der Menschheit“.

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Sinnbild monotheistischer Religion: Skulptur „Ecce Mono“ des Briten Mark Wallinger. Der dornengekrönte Mensch inmitten zahlreicher Götterfiguren. FOTOS: MARIUS BECKER/DPA

Bonn. . Am Anfang ist der Urknall, am Ende sind Roboter zu sehen, kleine Automaten, die ameisengleich eine neue Welt aufbauen. Kurz zuvor noch stieg die Pilzwolke einer Atombombenexplosion in den leeren Himmel. Die Ausstellung „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ spannt den Bogen von der Entstehung des Universums über die Zähmung des Feuers, die Nutzung des Pfluges, die Erfindung der Schrift, die Einführung des Buchdrucks bis heute – und noch ein bisschen weiter.

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Eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle von Bonn erzählt verblüffend genau „Eine kurze Geschichte der Menschheit“.

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Die Schau wurde 2015 anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Israel Museums in Jerusalem entwickelt. Sie ist inspiriert vom gleichnamigen Besteller des israelischen Historikers Yuval Noah Harari.

Das ist ein ganz fantastisches Buch, denn Harari erzählt nicht nur unterhaltsam und kenntnisreich die Geschichte der Menschheit, er versucht auch die Frage zu beantworten, was den Homo sapiens so erfolgreich gemacht hat. Denn eine Erfolgsgeschichte war die Geschichte der Menschheit, jedenfalls bis hierher.

Der Homo sapiens war nicht der einzige glatthäutige Zweibeiner, der sich weiterentwickelt hat. Es gab verschiedene Menschenarten wie etwa den Neandertaler, aber durchsetzen konnte sich nur der Homo sapiens. Yuval Noah Harari erklärt das auf angenehm unterhaltsame Weise: „Viele Tier- und Menschenarten konnten ,Vorsicht Löwe!‘ rufen. Aber dank der kognitiven Revolution konnte nur der Sapiens sagen: ,Der Löwe ist der Schutzgeist unseres Stammes.‘ Nur mit der menschlichen Sprache lassen sich Dinge erfinden und weitererzählen.“

Diese Erfindungen haben eine unglaubliche Macht. Das zeigt sich auch in den Religionen. „Nur der Mensch kann über etwas sprechen, das gar nicht existiert“, schreibt Harari, „und noch vor dem Frühstück sechs unmögliche Dinge glauben. Einen Affen würden Sie jedenfalls nie im Leben dazu bringen, Ihnen eine Banane abzugeben, indem Sie ihm einen Affenhimmel ausmalen und grenzenlose Bananenschätze nach dem Tod versprechen. Auf so einen Handel lassen sich nur Sapiens ein.“

Den Humor des Buches trifft die Ausstellung nicht, aber das muss sie auch nicht, sie ist schließlich nur vom Bestseller inspiriert worden. Sie ermöglicht eine ganz eigene Zeitreise, und es gelingt ihr sehr gut, archäologische Exponate mit zeitgenössischer Kunst, Videos und erklärenden Schriften zu verbinden. Meist bewegt sich der Zuschauer im Dämmerlicht. Das hat nur wenig mit kostbaren Artefakten zu tun. Die gibt es auch, aber nicht in Fülle: Eine Gutenbergbibel ist zu sehen und eine Seite aus Albert Einsteins „Spezieller Relativitätstheorie“. Es hat viel mit der Dramaturgie zu tun: Alle Schätze leuchten edel im goldenen Licht.

Die Schau ist als Rundweg konzipiert, ungefähr auf der Hälfte tritt man ins Pantheon: Götterdarstellungen aus allen möglichen Ländern und Zeiten sind hier in kleinen Kästen zu sehen, in der Mitte des Raumes steht eine weiße Männerfigur mit Dornenkrone. Der Mann trägt nicht die Züge einer Jesus-Figur, es ist ein Jedermann von heute. Das Kunstwerk „Ecce Mono“ von Mark Wallinger inmitten der Götzenbilder aus vergangenen Zeiten illustriert den Siegeszug der monotheistischen Religionen, und es zeigt, wie gut sich die Kunst in dieser Ausstellung zu behaupten vermag. Manche archäologischen Objekte, die hier gezeigt werden – wie ein 6000 Jahre altes Zungenbein aus der Kebara-Höhle im Karmelgebirge oder eine Gesetzestafel aus der Mittleren Bronzezeit – haben eine unerhörte Aura und erzählen so viel zum Thema der Ausstellung, dass die Kunst leicht ins Abseits geraten könnte. Tut sie aber nicht.

Das liegt an der zurückhaltenden und klugen Auswahl. Manche Werke sind sacht verstörend: Von Adrian Paci etwa ist ein merkwürdiges Video zu sehen, das Männer mit Glühbirnen und Generatoren auf einer breiten Treppe zeigt (wir befinden uns im Themenbereich Industrialisierung), und Yitnka Shonibare präsentiert eine Kleinfamilie in Weltraumanzügen, die knallbunt afrikanisch gemustert sind. Da treffen sich Probleme und Möglichkeiten. Der Vater stupst das Kind an, damit es eigene Wege geht. Und es läuft irgendwohin auf einem fremden Planeten.

Die ganze Kulturgeschichte

Die Ausstellung erzählt anhand von archäologischen Objekten, Dokumenten und Kunstwerken die Menschheitsgeschichte von ihrem Aufbruch in die Zivilisation bis in die Gegenwart. Zu den gezeigten Objekten gehören die ältesten bekannten Überreste einer Feuerstelle, die frühesten Zeugnisse für den Gebrauch von Schrift oder eine Reproduktion der ältesten Niederschrift der Zehn Gebote. Motto ist ein Zitat des israelischen Schriftstellers Yuval Noah Harari: „Die Menschheit beherrscht die Welt, denn der Mensch ist das einzige Lebewesen, das an Erfindung glaubt.“

Bundeskunsthalle Bonn, bis 26. März

Ronald Meyer-Arlt

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