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Allein unter Bagaluten

Lübeck Allein unter Bagaluten

Lübeck - Frauen waren beim Torfrock-Konzert in der MuK in der Minderheit — ein Selbstversuch.

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Ein Mann, viele Gedichte: Klaus Büchner.

Quelle: Malzahn

Lübeck. Selbstversuche sind interessant, und mit ein bisschen Glück heben sie auch das Selbstbewusstsein. Sie können zum Beispiel allein als Frau zur Bagaluten-Wiehnacht in die Lübecker MuK gehen. Wobei „allein“ nicht die passende Formulierung ist, denn zwei Sekunden, nachdem Sie sich ohne Begleitung in die Schlange am Eingang gestellt haben, können Sie das Wort „allein“ vergessen.

Beim Torfrock-Konzert an diesem Mittwochabend liegt das Mann-Frau-Verhältnis bei etwa 10:1, zugleich scheinen die Wikinger-Verkleidungen eine Art burschikoser Ritterlichkeit im Mitbürger wachzurütteln. Gleich zu Anfang übernimmt ein Herr mit Helm und blonder Perücke die Garderoben-Kosten, an herübergereichtem Getränk soll es in den nächsten Stunden nicht mangeln. Und auch nicht an Bekanntschaften unterschiedlichster Couleur. Zwei flotte junge Männer laden bei der „Butterfahrt“ zum Schunkel-Pogo, abgelöst von einem Tänzer mit Glatze und bizarren Tätowierungen, der den von Raymond Voß einprägsam vorgetragenen Romantik-Klassiker „Trunkenbold“ zum Schwof nutzt. Als überaus zutraulich erweist sich eine Fan-Gruppe aus dem Ostholsteinischen, deren Mitglieder sorgsam den Weg zur After-Show-Party erläutern.

Ach ja, das Konzert: Die Musik handwerklich solide, auch von der Vorgruppe „Drangdüwels“, deren Platt-Rock eine ausgezeichnete Einstimmung auf die Torfrocker ist.

Diese boten erprobtes Liedgut überraschungsfrei dar, dazu gab‘s gelungene Weihnachtsgedichte von Klaus Büchner, eine Menge „vielen Danke“ und sehr, sehr viel Bier von oben — trockenen Hauptes dürfte keiner das Foyer verlassen haben. Frauen ohne männliche Begleitung waren im Anschluss auch nicht zu sehen, ein runder Abend also, alles in allem.

Sabine Latzel

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