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Große Ausstellung zum Bauhaus-Stil in der Bundeskunsthalle in Bonn.

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Designer-Stück: Clubsessel von Marcel Breuer — mit Eisengarn bespannt.

Quelle: Fotos: Dpa, Bundeskunsthalle

Bonn. Die Schule des Bauhauses revolutionierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Ästhetik und Design von Alltagsgegenständen. Wie aktuell die Ideen der Kunstschule heute noch sind, zeigt eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn.

LN-Bild

Große Ausstellung zum Bauhaus-Stil in der Bundeskunsthalle in Bonn.

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Sie ist bis heute wie ein geheimer Code: Die 1923 von Wilhelm Wagenfeld entworfene kleine Tischlampe wurde zu einem Markenzeichen des Bauhaus-Stils. „Wenn ich die Lampe in anderen Wohnungen entdecke, spüre ich so etwas wie eine innere Verwandtschaft“, sagt Lampen-Besitzerin Lisett Nachtweiss. Warum der Stil des Bauhauses bis heute nicht an Aktualität verloren hat, zeigt die Ausstellung „Bauhaus — Alles ist Design“ bis zum 14. August. Es geht dabei nicht nur um die berühmten klaren Linien der Bauhaus-Entwürfe. Die Schau wolle vor allem zeigen, dass die Ideen des Bauhauses immer noch lebendig seien, sagt der Leiter der Bundeskunsthalle, Rein Wolfs.

Natürlich sind aber auch die berühmten Designer-Stücke aus dem Bauhaus in Hülle und Fülle zu bewundern: der Clubsessel von Marcel Breuer aus Stahlrohr — nicht wie später vielfach nachgeahmt mit schwarzem Leder, sondern mit Eisengarn bespannt. Ebenso zu sehen sind silberne Tee- oder Kaffeeservice in schlichter, moderner Form. Oder eben die berühmte Wagenfeld-Lampe, alternativ mit Metall- oder Glasfuß und einem kuppelförmigen weißen Glasschirm. Gegenstände von zeitloser Schönheit, die heute manchmal als Statussymbole in gut betuchten Haushalten zu finden sind.

Dabei entspricht das gar nicht den ursprünglichen Ideen der Bauhaus-Väter. Das Ziel war eigentlich, gut gestaltete Alltagsgegenstände für alle zu schaffen. Der Gegenstand solle „seinem Zweck dienen, das heißt seine Funktionen praktisch erfüllen, haltbar, billig und schön sein“, formulierte Bauhaus-Gründer Walter Gropius den Anspruch.

Die Ausstellung wolle mit vielen Klischees aufräumen, sagt Kuratorin Jolanthe Kugler. „Das Bauhaus ist mehr als Stahl, Glas und Flachdach.“ Vielmehr seien die Bauhaus-Künstler von dem Gedanken getrieben worden, dass Design das ganze Leben bestimme. „Sie waren der Meinung, dass Gestaltung die Welt verändern kann.“ Es ging also um weit mehr als um eine neue Ästhetik. Vielmehr war die in Weimar gegründete Schule ein soziales Experiment.

Gropius versammelte unterschiedliche Künstler-Persönlichkeiten, die „in produktiver Uneinigkeit“ demokratisch zusammenarbeiten sollten. Am ersten Standort Weimar und später in Dessau und Berlin bis zur Auflösung der Schule unter den Nationalsozialisten 1933 waren berühmte Künstler und Architekten wie Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Paul Klee, Laszlo Moholy-Nagy oder Ludwig Mies van der Rohe an der Schule tätig.

Die zweite revolutionäre Idee der Bauhaus-Gründer war es, den Widerspruch zwischen Kunst und Technik zu überwinden. Deshalb arbeiteten am Bauhaus sowohl Künstler als auch Handwerker. Ziel war es, Gegenstände zu entwerfen, die sich auch für die neuen Methoden der industriellen Produktion eigneten. Allerdings wurde Künstlern und Schülern zunächst die Freiheit gelassen, zu experimentieren und die Grenzen des Materials auszuprobieren. Deshalb hielt sich der wirtschaftliche Erfolg des Bauhauses auch in Grenzen. Erfolgreich waren weniger die heute bekannten Stahlrohrstühle, sondern vielmehr Holz-Spielzeug, das sich an den Ideen des Reformpädagogen Friedrich Fröbel orientierte, etwa bunte Holzsteckspiele oder Schachspiele.

Die Ausstellung zeichnet ein differenziertes Bild des Bauhauses, wie es selten in dieser Form wahrgenommen wird. Da sind zum einen die durchaus bürgerlichen Tendenzen: Silberne Mokka-Service und Teedosen sind kaum für die Massenproduktion geeignet. Andererseits beschäftigte sich Gropius‘ Nachfolger, der Architekt Hannes Meyer, mit der Idee der Gestaltung einer „Volkswohnung“ für Menschen mit minimalem Einkommen.

Wie aktuell diese Ideen auch heute noch sind, zeigt die Schau, indem sie den Bauhaus-Stücken Werke heutiger Gestalter gegenüberstellt. Der „24 Euro Stuhl“ aus Van Bo Le-Mentzels „Hartz-IV-Möbel“ transportiert den Bauhaus-Ansatz Meyers in die Gegenwart. Aber auch Beiträge von Designern wie Hella Jongerius, Enzo Mari, Marcel Wanders, dem Büro Opendesk oder des Architekten Norman Foster demonstrieren, wie sehr die Konzepte des Bauhauses heutige Gestalter immer noch beeinflussen. Für die Kuratorin steht deshalb fest:

„Das Bauhaus ist kein abgeschlossenes Ding.“ Als das, was es sein wollte, eine Experimentierplattform, lebe es weiter.

Die Ausstellung läuft bis zum 14. August in Bonn. Sie ist Dienstag und Mittwoch von 10 bis 21 Uhr, Donnerstag - Sonntag von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Eintritt 10 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Freitags haben Schulklassen freien Eintritt.

Der Vater des Bauhauses

Walter Gropius wurde 1883 in Berlin geboren. Der Architekt gilt neben dem Deutsch-Amerikaner Ludwig Mies van der Rohe und dem Schweizer Le Corbusier als Mitbegründer der modernen Architektur. Walter Gropius war 1919 auf Vorschlag Henry van de Veldes als dessen Nachfolger zum Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar ernannt worden und gab der neuen Schule den Namen „Staatliches Bauhaus in Weimar“.

Weimar beherbergte das Bauhaus von 1919 bis 1925. Dann zog die Kunst-, Design- und Architekturschule nach Dessau um. 1934 emigrierte Gropius nach Angriffen der Nationalsozialisten auf das Bauhaus nach England und 1937 weiter nach Cambridge (USA). In seinen letzten Lebensjahren war Gropius wieder häufig in Berlin tätig. Er starb 1969 in Boston.

Von Claudia Rometsch

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