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Alles klar, Herr Kommissar?

Alles klar, Herr Kommissar?

Mitreißendes Musical in der MuK wurde zu einer Hommage an den österreichischen Popstar Falco.

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Rasante Bühnenshow: Alexander Kerbst als Falco inmitten von Kollegen wie Elvis, Janis Joplin, den Beatles und David Bowie.

Quelle: Foto: Olaf Malzahn

Lübeck. Schwarz-weiße Bilder flimmern über die Leinwand, Originalaufnahmen von Falco. „Ich glaube nicht, dass ich der Welt etwas Großes mitzuteilen habe“, sagt er mit diesem leicht arroganten Lächeln. Auszüge aus Interviews und Konzerten folgen in schnellen Schnitten, dann ein Knall – Glasscherben sind zu sehen. Bei einem Autounfall starb Falco 1998.

Mit diesem Entrée werden die Zuschauer am Donnerstag in der voll besetzten MuK zurück in die Achtziger Jahre gebeamt, die Bühnenshow kann beginnen. Für einen Abend soll die österreichische Pop-Legende Falco wiederbelebt werden. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Falcos Manager Horst Bork, lässig-selbstgefällig dargestellt von Sebastian Achilles. Bork erkennt in dem jungen charismatischen Musiker Hans Hölzel den Solostar, der sich dann selbst den Namen Falco gibt. Regisseur Peter Rein setzt auf kurze Spielszenen und Dialoge zwischen den bekannten Hits. Man erlebt Falcos schnellen Aufstieg mit „Der Kommissar“ 1981 und „Rock Me Amadeus“ 1985, dem bis heute einzigen deutschsprachigen Lied an der Spitze der US-Charts. Es folgen Abstürze, Drogen- und Alkoholexzesse. Hauptdarsteller Alexander Kerbst imitiert Falcos Mimik, Gestik und Wiener Schmäh fast bis zur Perfektion, etwa wenn er zur Studio- Aufnahme von „Rock me Amadeus“ mehrere Stunden zu spät erscheint und dann lässig-charmant erklärt: „I koan nix dafür, mein Huuund hat verschloafen.“

Kerbst selbst hat das Stück mit geschrieben, er hat den Popstar bereits in drei früheren Shows dargestellt und kommt dem Original in Smoking, mit Sonnenbrille und gegeltem Haar optisch recht nahe.

Dennoch ist es schwierig, in ihm den jungen Falco zu sehen – der Thüringer Schauspieler ist mit seinen 53 Jahren älter, als der Popstar je wurde.

Nicht ganz schlüssig ist auch, warum Falco zwei Frauen zur Seite gestellt werden, die ihn beeinflussen: die engelsgleiche Jeanny ganz in Weiß mit Blondhaar und Ana Conda, eine dunkelhäutige Schönheit in aufreizender Korsage. Die innere Zerrissenheit des sensiblen und häufig völlig überforderten Sängers vermittelt sich jedem Zuschauer auch ohne solch alberne Regieeinfälle.

Aber geschenkt. Denn die Show lebt von Falcos Liedern, die nichts von ihrer Energie verloren haben. Ob „Der Kommissar“, „Rock Me Amadeus“, „Jeanny“, „Egoist“, „Out of the Dark“ – da wippen die Füße im Zuschauerraum, da wird geklatscht, da werden die Handy-Taschenlampen gezückt. Die jungen Musiker der Live-Band machen Tempo, und die exzellenten Tänzer scheinen auch nach zweieinhalb Stunden Körpereinsatz noch voller Energie zu stecken – ein Fest fürs Auge. Die Zuschauer honorieren die gelungene Zeitreise in die 1980er Jahre mit sehr viel Beifall.

Falco – Das Musical ist morgen um 15 und 20 Uhr im Hamburger Mehr!Theater zu erleben

Falco

Am 19. Februar 1957 kam Johann „Hans“ Hölzel als einziger Überlebender von Drillingen zur Welt. Sein Studium am Wiener Musikkonservatorium brach er nach einem Semester ab und machte in verschiedenen Bands Musik, sein erstes Album „Psychoterror“ erschien 1981. 1985 startete seine Weltkarriere. In den 1990er Jahren zog Falco sich in die Dominikanische Republik zurück. Er starb dort 1998 im Alter von 41 Jahren bei einem Autounfall.

Petra Haase

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