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Alm-Idylle im Norden

Lübeck Alm-Idylle im Norden

Die Kastelruther Spatzen begeisterten in Lübeck mit volkstümlichen, aber auch anrührenden Liedern.

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Willkommen auf dem „Planeten der Lieder“: So präsentierten sich die Spatzen in Lübeck.

Quelle: Foto: Olaf Malzahn

Lübeck. Kastelruth ist ein wunderschönes Dorf in den Dolomiten. Davon gibt es viele – aber Kastelruth hat ein echtes Alleinstellungsmerkmal: die Kastelruther Spatzen. Die sind seit 1975 auf Tour und nennen sich selbst „Superstars der Volksmusik“. Das ist angesichts von Millionen verkaufter Tonträger angemessen – und dennoch ein Etikettenschwindel. Denn die Kastelruther Spatzen spielen keine Volksmusik, sondern volkstümliche Musik, was ein völlig anderes Genre ist. Das machen sie aber ausgesprochen gut und professionell, wie bei ihrem Konzert am Freitag in der fast ausverkauften Rotunde der MuK zu erleben war.

Die Musik der Kastelruther Spatzen lebt vom Prinzip der ewigen Wiederkehr des Gleichen, der Ablauf ihrer Konzerte auch. Das Publikum ist stets in der Mehrzahl im Rentenalter, es tauchen Dirndl und Krachlederne im Auditorium auf. Sogar im hohen Norden, den die Landesregierung warum auch immer ja den „echten“ Norden nennen lässt. Die Vorfreude ist groß, und als die Spatzen-Musiker die Bühne betreten, brandet Jubel auf. Kurze Begrüßung durch den Sänger und Frontmann Norbert Rier, dann beginnt das Vergnügen mit dem Titel-Lied der neuesten CD der Gruppe. „Die Sonne scheint für alle“ heißt es, im Text finden sich die Verse: „Die Sonne scheint für alle, sie schenkt der Welt das Leben und macht die Herzen froh.“ Wohl wahr. Das Publikum klatscht begeistert mit, so soll es dann auch den ganzen Abend bis in den Zugabenblock bleiben.

„Der Planet der Lieder, das sind wir“ heißt es in einem anderen Lied. Und die Spatzen mittendrin, wenngleich der Lieder-Planet der Südtiroler landschaftlich eher eintönig wirkt. Die im Hintergrund der Bühne eingespielten Fotos und Videos der Dolomiten-Landschaft sind da weitaus ansprechender. Der Langkofel, Almen mit anmutigen Haflinger-Pferden und immer wieder der Schlern, Hausberg von Kastelruth, sind da zu sehen. Auch kleine Videos, die einige Lieder illustrieren, „Schatten über dem Rosenhof“ etwa. Das Lied ist eine Ausnahme, es erzählt nämlich eine eher traurige Geschichte. Ein Bauer ist dem Spielteufel verfallen und setzt in der entscheidenden Partie seinen uralten Hof – Ende offen. Nachdenklich und sogar anrührend ist auch das Lied über ein junges Mädchen, das gelähmt im Rollstuhl sitzt, sich dennoch hinaus ins Leben traut und einen Freund findet.

Ansonsten aber geht es in den Liedern der Kastelruther Spatzen um Herz und Schmerz, um Freud’ und Leid und vor allem um Heimat. Viele der Lieder handeln von Südtirolern, die ihre Heimat verlassen haben und sich dennoch in die Bergwelt zurücksehnen. Sechs oder sieben Lieder des Abends behandelten dieses Thema, übertroffen in der Anzahl natürlich nur durch die Liebe in all ihren Facetten. Das sind die Themen, die den Lieder-Planeten der Spatzen bevölkern.

Den Kastelruther Spatzen kann man einiges nachsagen, zum Beispiel, dass sie erst spät zugegeben haben, ihre CDs mit professionellen Studiomusikern einzuspielen. Auf der Bühne spielen sie solide, aber nicht überragend. Das macht aber nichts, Charisma haben die sieben Männer in ihren Trachtenanzügen dennoch. Und das, obwohl sie auf Showeffekte verzichten. Frontmann Norbert Rier ist alles andere als ein Entertainer, er steht einfach da und singt mit seiner erstaunlichen Naturstimme, gelegentlich sogar mit einem Kiekser, der an den seligen Roy Black erinnert. Musikalisch sind die Schlager der Spatzen einfach gestrickt, immer gleich gesetzt, eine Mixtur aus einfachen Melodielinien und eingängigen Harmonien. Gut gemachte Schlagermusik eben, vor der letzten Strophe fast immer einen halben Ton höher gesetzt, was immer gut klingt.

Das Publikum liebt diese Musik, und es liebt die Kastelruther Spatzen. Und das ist auch gut so, denn für viele Menschen ist ein Auftritt der Spatzen tatsächlich eine „Brücke ins Glück“. So heißt ein Lied der Gruppe – und es ist gleichzeitig auch ihr Programm.

Jürgen Feldhoff

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