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Kultur im Norden Als Schleswig-Holstein preußisch wurde
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02:12 25.01.2017
Sinnbild des Obrigkeitsstaates: preußische Pickelhauben in einer Vitrine der Ausstellung „Die Schleswig-Holsteiner sind fortan Preußen“ im Landesarchiv Schleswig. Quelle: Fotos: Carsten Rehder/dpa
Schleswig

„Die Schleswig-Holsteiner sind fortan Preußen.“ Mit diesen Worten verkündete Oberpräsident Carl von Scheel-Plessen am 24. Januar 1867, also vor 150 Jahren, im Kieler Schloss die Einverleibung der Herzogtümer Schleswig und Holstein in den preußischen Staat. Doch mit der gelebten Realität hatte der Ausspruch zunächst wenig gemein, wie eine Ausstellung im Landesarchiv in Schleswig jetzt zeigen soll. Gestern wurde sie mit einem Festakt eröffnet.

Vor 150 Jahren annektierte König Wilhelm I. die Herzogtümer Schleswig und Holstein – Eine Ausstellung zeigt: Die Untertanen freundeten sich rasch mit der neuen Herrschaft an.

Der preußischen Regierung standen die Schleswig-Holsteiner zunächst mehr oder weniger reserviert gegenüber, wie Stimmungsbilder und Wahlergebnisse der ersten Jahre nach der Vereinigung zeigen. Erst nach und nach wandelte sich das Verhältnis der neuen Provinzbevölkerung aus dem hohen Norden Deutschlands zu den neuen Machthabern.

Die Mehrheit der Menschen in Schleswig und Holstein hätte 1866, nach dem sogenannten Deutschen Krieg zwischen Österreich und Preußen, einen eigenen Staat unter Führung des augustenburgischen Herzogs Friedrich vorgezogen, wie die Ausstellungskuratorin Julia Liedtke sagte. Zuvor waren die Herzogtümer lange dänisch. 1863 starb aber der dänische König, und sein Nachfolger fand in Holstein keine Anerkennung mehr. Hier kommt der augustenburgische Erbprinz Friedrich ins Spiel, der sich im selben Jahr zum Herzog proklamierte und sich für die Loslösung von Dänemark und das nationale Selbstbestimmungsrecht einsetzte.

1864 kam es dann zum deutsch- dänischen Krieg. Schleswig wurde von Preußen besetzt, Holstein von Österreich. Der Streit um die Verwaltung der Herzogtümer bildete den Vorwand für den Deutschen Krieg 1866. Die Folge: Österreich zog sich aus Holstein zurück, und Preußen annektierte Schleswig und Holstein.

Für die Bevölkerung war dies mit zum Teil großen Veränderungen verbunden, sagte der leitende Archivdirektor Rainer Hering. Neue Steuern wurden erhoben, alte Strukturen abgeschafft, die Wehrpflicht für alle jungen Männer eingeführt. Auch die Zivilehe und die Standesämter in Schleswig-Holstein sind Errungenschaften aus dieser Zeit.

Der preußische König Wilhelm I. besuchte erstmals im September 1868 seine neue Provinz. Die im Vorfeld befürchtete Missbilligung blieb aber aus. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und der Neustrukturierung der Verwaltung wandelte sich die Stimmung in der Provinz. Und auch die Vermählung Wilhelms II. mit Herzog Friedrichs Tochter Auguste (mit vollständigem Namen: Auguste Viktoria Friederike Luise Feodora Jenny von Schleswig-Holstein-Sonderburg- Augustenburg, 1858-1921) dürfte sich positiv auf die Gemüter ausgewirkt haben. Die Hochzeitsurkunde von 1880 ist eines der vielen historischen Dokumente, die in der Schau bis zum 23. Februar 2018 gezeigt werden.

Insgesamt wird in drei Räumen des Landesarchivs die Entwicklung Schleswig-Holsteins von der Annexion 1867 bis zur Nordschleswig-Abstimmung 1920 gezeigt, in deren Folge die deutsch-dänische Grenze neu festgelegt wurde. Der Ausbau der Infrastruktur mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals und der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke wird ebenso thematisiert wie der veränderte Bildungsanspruch.

Den Schlussstrich der Ausstellung bilden die Festlegung der neuen deutsch-dänischen Grenze und das Ende der Monarchie nach Beendigung des Ersten Weltkriegs. Vervollständigt wird die Ausstellung durch Vorträge, die im Laufe des Jahres gehalten werden. Sie sollen später auch in Buchform veröffentlicht werden.

Die Ausstellung mit dem Titel „Die Schleswig-Holsteiner sind fortan Preußen" ist bis zum 23. Februar 2018 zu sehen.

Landesarchiv im Prinzenpalais Schleswig, Mo. bis Fr., 8.30 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Bundesland seit 1946

Die preußische Provinz Schleswig- Holstein entstand 1867 aus den beiden vormaligen Herzogtümern Schleswig und Holstein. Sie wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelöst. Mit der Gründung des Landes Schleswig-Holstein am 23. August 1946 endete der Status einer Provinz des Freistaates Preußen. Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz waren bereits 1937 die ehemals Freie Reichsstadt Lübeck sowie das ehemalige Fürstentum Lübeck (ab 1919 Landesteil Lübeck mit der Hauptstadt Eutin) in die Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert worden.

Birgitta von Gyldenfeldt

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