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Kultur im Norden Alter Rockadel in Lübeck
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18:50 28.04.2018
Immer in Delmenhorst: Sven Regener von Element of Crime. Quelle: Foto: Olaf Malzahn
Lübeck

Sie haben sich Zeit gelassen, Regener und seine Freunde von Element of Crime. Sie haben gut drei Jahrzehnte Bandgeschichte hinter sich, aber erst jetzt für ein Konzert nach Lübeck gefunden. Anfang der Neunziger hätte es beinahe mal geklappt, erzählte Regener, jedenfalls ungefähr. Da hatten sie als Vorband von Herbert Grönemeyer in Grömitz spielen sollen. Aber dann zog ein Sturm auf, es wäre gefährlich geworden auf der Bühne, und dann hatte sich die Sache mit einem Auftritt hier oben an der Küste schon wieder erledigt.

Sturm findet man bei Element of Crime eher selten. Es geht bei ihnen meist verhalten zu. Es ist ein unaufgeregtes Schlendern durch die Songs, ein immer etwas verstolpertes Schlingern durch die Takte, durch die Regener mit seinen Texten vorangeht und mit einer Stimme, die mehr nach Montmartre als nach Sunset Boulevard klingt, mehr nach Elbschlosskeller als nach Elbphilharmonie und nach zu vielen Filterlosen sowieso. Aber wenn die Zeiten rauer werden, warum sollte es der Stimme anders gehen?

Wache schieben draußen am Papiercontainer, das führt schon mitten hinein in die Welt dieser Band aus Berlin, in der es immer irgendwie morgens um halb vier zu sein scheint. Hier fallen im Zweifel die Blätter, hier sind die Bürgersteige nass vom Regen und ist der Sommer meist schon vorbei. Hier steht ein bleicher Mond am Himmel, vor dem die Nachtwolken treiben.

Es ist zu spät für die Bars in diesen Songs und zu früh für den Zirkus. Es ist diese Zeit, in der alles schläft und nur die Hunde und die Milchmänner Lärm machen. Tom Waits hat ja davon gesungen, auch von den kleinen Jungs, die sich nie kämmen, und von den Orten, wo ein Royal Flush nie ein Paar schlagen kann. Regener tut dasselbe, nur macht er das mit anderen Worten.

Dieser alte Rockadel, der gefalle ihm doch sehr, hat er mal gesagt. Stars, die ihre verwegene Zeit hinter sich haben, auf ihren englischen Landsitzen Rosen züchten und ab und an für ein Konzert noch mal auf die Bühne gehen. Im Grunde macht er das genauso, nur züchtet er keine Rosen, sondern schreibt Bücher wie „Herr Lehmann“, die das Feuilleton und die Leser gleichermaßen entzücken, und dann macht er sich mit seiner Band an die Arbeit für das nächste Album (das neue kommt im Herbst).

Er ist auf der Bühne der Einzige, der spricht. Er erzählt von der Musik, bedankt sich und erklärt, dass man es sich vielleicht zu einfach macht, wenn man die Schuld am Feedback dem Akkordeon gibt.

Manchmal geht er mit seiner Trompete wie Miles Davis über die Bühne, den Kopf nach unten, als würde er dort irgendwo die Noten suchen. Dann wieder schwingt er wild die Arme wie Joe Cocker in der Windmühlenphase, und der Knopf vom Jackett bleibt immer zu.

Hinter ihm greift Schlagzeuger Richard Pappik häufig zum Besen, Dave Young sitzt die ganze Zeit mit seinem Bass auf einem Stuhl. Einen Saxofonisten und einen Akkordeonspieler haben sie auch mitgebracht. Und wenn sie aus der Mittellage aufbrechen in Rockbereiche, ist Gitarrist Jakob Ilja immer ganz vorn mit dabei, während Regener mit seiner Trompete etwas aus dem mexikanisch-texanischen Grenzgebiet beiträgt. Ansonsten singt er viel von der Liebe, die groß ist oder gerade durch die Finger rinnt, trennt die Spreu vom Weizen und wirft den Weizen weg, kommt nicht wirklich raus aus Delmenhorst, und draußen ist es ja sowieso zu dunkel für einen allein. Peter Intelmann

LN

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