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Kultur im Norden „Alter ist immer relativ“
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13:34 07.01.2018
Peter Maffay geht auf Tournee, um sein neues Album vorzustellen.  Quelle: Andreas Ortner/Sony
Lübeck

LN: Unplugged zu spielen war für Sie keine neue Erfahrung, oder?
Peter Maffay: Diese Spielsituation hatten wir im Laufe der Zeit immer mal wieder. Auf der Tour 1996 spielten wir zum Beispiel einen 40-minütigen Unplugged-Block. Du siehst bei uns, dass man auch mit akustischen Instrumenten richtig gut hinlangen und laut spielen kann. Das neue Album kommt meiner musikalischen Auffassung, die stark von Country und Rhythm & Blues geprägt ist, sehr nahe.

LN: Wenn man sich die DVD anschaut, erkennt man in Ihrem Gesicht so ein Strahlen, vor allem bei den Duetten mit den jungen Kolleginnen und Kollegen. Wie sehen Sie sich da? Als Mentor?
Maffay: Ein wenig vielleicht. Aber viel wichtiger ist der gegenseitige Respekt. Wenn wir zusammen singen, zusammen Musik machen, dann sind wir alle Partner auf Augenhöhe. Altersunterschiede – Perkussionist Ray Cooper ist 75, Sängerin Jennifer Weist ist 31 – sind in dem Augenblick, in dem man zusammen musiziert, überhaupt nicht spürbar und relevant.

LN: Sehen das die Kollegen genauso?
Maffay: Davon gehe ich aus. Nur weil ich schon lange dabei bin und viel gemacht habe, muss niemand zu mir heraufschauen. Alle Bandmitglieder und Musiker bei diesem Album sind auf demselben Level. Dieses Leuchten in den Gesichtern, das kommt daher, dass wir uns gegenseitig auf der Bühne angezündet haben.

LN: Haben Sie Ihre Gesangspartner selbst ausgesucht?
Maffay: Ilse DeLange und Johannes Oerding waren schon vor einigen Jahren auf meiner Tournee dabei, auf die anderen wurde ich aufmerksam gemacht. Bei Philipp Poisel war es Hendrikje, die meinte: Das ist richtig schöne Musik, die könnte dir gefallen. Genauso war es. Ich griff dann zum Hörer und rief Philipp an.

LN: Haben Sie einen ähnlichen Musikgeschmack, Ihre Freundin und Sie?
Maffay: Teilweise schon. Wir sitzen gerne zusammen im Auto und hören Hardrock. Dann werden wir beide ganz still und hören andächtig zu (lacht).

LN: Sie sagen, Alter spielt keine Rolle. Merken Sie Ihr eigenes Alter?
Maffay: Natürlich merke ich mein Alter. Aber es schränkt mich noch nicht ein. Jeden Morgen, wenn ich in den Spiegel gucke, ist es evident, dass ich keine 30 mehr bin. Aber wichtig ist: Kann ich die Musik, die mir so viel bedeutet, immer noch spielen? Irgendwann muss ich meine Musik vielleicht anpassen, und sollte die Energie eines Tages nicht mehr reichen, ich mental oder körperlich nicht mehr in der Lage sein zu spielen, dann ist Schluss.

LN: Sie wirken fit und durchtrainiert.
Maffay: Das kommt maßgeblich daher, dass ich nicht mehr trinke und nicht mehr rauche. Und dass ich einigermaßen diszipliniert lebe. Das mag man spießig finden, aber das ist mir wurscht. Es macht mir richtig Spaß, gesund zu leben. Die Zeiten, in denen Sex, Drugs & Rock’n’Roll wichtig waren, die sind für mich lange vorbei.

LN: Heute konzentrieren Sie sich also auf Sex und Rock’n’Roll?
Maffay: Das ist ja auch ausreichend. Wenn man den Schwerpunkt darauf legt, dann liegt man richtig (lächelt).

LN: Spießigkeit ist kein Begriff, den die meisten Menschen mit Peter Maffay in Verbindung bringen würden.
Maffay: Ich selbst empfinde mich auch nicht als spießig. Ich bin in vielen Dingen konventionell. Ich finde es aber nicht widersprüchlich, Konventionalität mit dem Bruch von Konventionen zu verbinden.

LN: Können Sie ein Beispiel nennen?
Maffay: Das Alter spielt in unserer Gesellschaft in manchen Situationen eine unvorstellbar große Rolle. Diese Konvention lasse ich nicht gelten.

LN: Warum nicht?
Maffay: Weil Alter immer relativ ist. Entscheidend sind doch ganz andere Kriterien. Nämlich: Vitalität und Leidenschaft. Picasso etwa hat bis ins sehr hohe Alter noch gemalt. Warum sollte ich nicht das Recht haben, ähnlich lange Musik zu machen?

LN: Pablo Picasso war genau so alt wie Sie, als seine jüngste Tochter Paloma zur Welt kam. Würden Sie auch gerne noch einmal Vater werden?
Maffay: Das ist eine Frage, die mir zu privat ist. Wenn es so kommen sollte, dann wird die Welt es früh genug erfahren.

LN: Sie sind seit gut zwei Jahren mit Hendrikje liiert. Ist zu der Beziehung alles gesagt?
Maffay: Ja. Ich will der Neugierde anderer nicht dienen, dem Schutz meiner Liebsten aber sehr wohl. Deshalb gibt es, was das Privatleben angeht, einen Deckel auf dem Topf.

Interview: Steffen Rüth

Seine größten Hits

Maffays neues Album „MTV Unplugged“ ist als Doppel-CD und Dreifach-LP, außerdem als Doppel-DVD und Blu-ray erhältlich. Das „Best of“ enthält seine bekanntesten Hits wie „Über sieben Brücken musst du gehen“, „So bist du“ oder „Und es war Sommer“ in Akustikform.

Im Februar geht Peter Maffay auf Tournee, wird dabei sein neues Album präsentieren. Auftritte im Norden:

In Kiel: Am 14. 2. ab 20 Uhr in der Sparkassen Arena.

In Hamburg: Am 17. 2. ab 20 Uhr in der Barclaycard Arena.

Karten: www.maffay.de

LN

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