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Kultur im Norden Anleitung für ein erfülltes Leben
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18:10 12.01.2018
Lübeck

„Anleitung zum Glücklichsein“ war der Titel eines Filmporträts der Schweizerin Sabine Gisiger, das 2014 in die Kinos kam. Der Titel hat Irvin D. Yalom nicht gefallen. Aber trotz seiner Einwände blieb es dabei. Und eigentlich trifft er ja auch gut, denn dem Psychotherapeuten und Schriftsteller Irvin D. Yalom geht es in seiner Arbeit auch immer darum, Menschen zu helfen, ein erfülltes Leben zu führen.

Dass so viele Menschen von seinen Büchern gefesselt sind, mag auch damit zu tun haben. Es geht darin nicht um psychische Krankheiten oder Störungen, jedenfalls nicht nur, sondern vor allem um das Menschsein an sich. Das ist wohl auch der Grund, weshalb er sich durch seine berufliche Tätigkeit so bereichert fühlt. „Unsere Arbeit bietet uns auch die Möglichkeit, uns selbst zu transzendieren und mit klarem Blick auf die wahre und tragische Grundbedingung des Menschseins zu schauen“, schreibt Yalom.

In dem Buch erfährt man, wie Irvin D. Yalom wurde, was er ist. 1931 wird er in Washington geboren, seine Eltern sind russisch-jüdische Einwanderer. Der Sohn studiert Medizin, wird Psychiater, Professor an der renommierten Stanford-Universität. Auch sein Familienleben mit seiner Frau Marilyn und den gemeinsamen vier Kindern erscheint wie aus dem Bilderbuch.

Dabei war seine Kindheit alles andere als glücklich. Irvin D. Yalom wuchs in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater führte ein kleines Lebensmittelgeschäft, das sechs Tage die Woche geöffnet war, und hatte für die Familie kaum Zeit. Die Mutter empfand der Sohn als distanziert und abweisend.

Es war ihm also nicht in die Wiege gelegt, einer der führenden Psychoanalytiker in den USA zu werden und Karriere auch als Schriftsteller zu machen. Yalom hat Bücher geschrieben, die von seinen Leserinnen und Lesern verschlungen wurden, wie „Die Reise mit Paula“, in denen er Fälle aus seiner psychotherapeutischen Arbeit beschreibt, „Der Panama-Hut“, eine Anleitung für junge Psychotherapeuten, oder Romanbestseller wie „Und Nietzsche weinte“.

In seinen Memoiren, die sein letztes Buch sein sollen, ist viel zu erfahren über Entwicklungen auf dem Gebiet der Psychotherapie, über seine ausgiebigen Reisen und Auslandsaufenhalte, über seine Beschäftigung mit Philosophen wie Schopenhauer und Nietzsche. Letzterer und seine Aussagen wie „Hat man ein Warum des Lebens, so verträgt man sich mit fast jedem Wie“ faszinierten Yalom. Dass sein eigenes Leben so überaus erfolgreich verlief, stellte für Yalom manchmal sogar ein Problem dar. „Für einen Therapeuten, der sich einen existenziellen Bezugsrahmen geschaffen hat, ist so ein behütetes Leben eine Bürde. Oftmals habe ich mich danach gesehnt, aus dem Elfenbeinturm herauszukommen zu den richtigen Problemen der Welt“.

Irgendwann holen die richtigen Probleme wohl jeden Menschen ein. Am Ende des Buches beschreibt der Autor die Bürde des Alters, körperliche Einschränkungen, das Nachlassen des Gedächtnisses, Krankheiten, den Verlust von Menschen, die ihm nahe waren.

Die Angst vor dem Tod war für ihn immer präsent. Lange fürchtete er sich, wie sein Vater mit 69 Jahren sterben zu müssen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit könne Menschen lehren, ein erfülltes Leben zu führen, glaubt er. Dazu schreibt er: „Ich nehme die Vorstellung sehr ernst, dass man, wenn man gut lebt und eigentlich nichts bereut, dem Tod mit mehr Gelassenheit begegnet.“

„Wie man wird, was man ist“ von Irvin D. Yalom, 448 S., btb Verlag, 25 Euro

Von Liliane Jolitz

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