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Kultur im Norden Ansichten über den Zustand der Welt
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18:18 04.06.2016
Die Figurengruppe „Wölfe kommen“ von Liu Ruowang (China), Fokus-Künstler der Nord-Art 2016. Quelle: Fotos: Nord-Art (2), Carsten Reher/dpa, Jolitz

Es ist aussichtslos für den Mann mit Schwert. Gegen über 100 Wölfe, die auf ihn einstürmen, wird er am Ende nichts ausrichten können. Die Skulpturengruppe „Wölfe kommen“ des chinesischen Künstlers Liu Ruowang gehört für Besucher der Nord-Art 2016 zu den ersten Eindrücken. Vorher sind noch zwei überlebensgoße Affenmenschen zu passieren, die ebenfalls von Liu Ruowang stammen, und die Skulpturengruppe „Geburt von Niemand“ von Viktor Freso – nackte, stehende Babykörper mit überlangen Köpfen und einem Gesichtsausdruck, der so gequält wirkt, als hätten sie die Welt bereits satt.

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Kampf gegen wilde Wölfe und gegen das Vergessen – 250 Künstler aus 50 Ländern bei der Nord-Art in Büdelsdorf.

Man kann sich ein wenig überrumpelt und überwältigt fühlen von diesen künstlerischen Reflexionen über den Zustand der Welt. Liu Ruowangs Affenmenschen werden einem später noch einmal in großer Zahl im Skulpturenpark begegnen. Mit dieser Serie drücke er seinen Ärger aus über den abtrünnigen Teil im Ozean der Zivilisation, in dem wir leben, sagt der Künstler, und er rufe dazu auf, „den schönen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken“.

Liu Ruowang ist Fokus-Künstler der Nord-Art 2016, ein Attribut, das zum ersten Mal vergeben wurde. Seine mächtigen Arbeiten – die Affenmenschen haben eine Höhe von 3,60 Metern – prägen die Ausstellung, deren Markenzeichen ansonsten die Vielfalt ist.

Die Nord-Art, die nunmehr zum 18. Mal stattfindet, gehört zu den größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa. Die Besucherzahl wächst von Jahr zu Jahr. 70000 Besucher waren es 2015, in diesem Jahr wird mit 80000 Gästen gerechnet. Wiederkehrer wissen, dass sie viel Zeit und bequeme Schuhe mitbringen sollten. Und trotzdem: „Man kann nicht alles sehen“, sagt Inga Aru, selbst Künstlerin und Mitglied des Kuratorenteams.

Schwerpunktland ist in diesem Jahr Israel. 28 Künstler und Künstlerinnen präsentieren Malerei, Skulptur, Fotografie, Video und Installation. Themen sind Familienleben – oder die Angst vor dem Vergessen, der sich der 1950 in den USA geborene Gary Goldstein auf verblüffende Art und Weise stellt. Alltagsgegenstände wie Brillen, Löffel oder Fläschchen hat er mit Tipp-Ex und Lack überzogen, er präsentiert sie in Vitrinen. „Sie sind zerbrechlich und ungeschützt und der Gefahr der Zerstörung ausgesetzt. Sie sind mein Versuch, Erinnerungen wiederherzustellen, sowohl meine eigenen wie auch die meiner Vorfahren“, sagt der Künstler.

Die Ausstellung, die dem Chef der ortsansässigen ACO-Gruppe, Hans-Julius Ahlmann, und seiner Frau Johanna zu verdanken ist, wird auch bei Künstlern immer beliebter. 4500 Künstler aus über 100 Ländern haben Arbeiten für die 18. Nord-Art eingereicht, mehr als doppelt so viele wie vor vier Jahren. 250 Werke wurden ausgesucht von Künstlern aus 50 Ländern.

Die Begegnung so vieler unterschiedlicher Werke wird möglich durch den imposanten Ort der Ausstellung. Das Kunstwerk Carlshütte hat als Eisengießerei abgedankt, dient in seinen bis zu zwölf Metern hohen Hallen auf 22000 Quadratmetern Fläche plus 80000 Quadratmetern Außenbereich der zeitgenössischen Kunst. Das ergibt eine imposante Ausstellung, die selbst Arbeiten wie die überlebensgroßen Drahtfiguren von Veronika Psokova (Tschechei), die an einem Seil verschiedene artistische Posen einnehmen, zierlich erscheinen lässt.

Führungen und ein dicker Katalog

Ort der Nord-Art ist das Kunstwerk Carlshütte in Büdelsdorf bei Rendsburg. Von der Autobahn kommend der Ausschilderung folgen.

Geöffnet bis 9. Oktober, Di. bis So. von 11 bis 19 Uhr.

Tageskarten kosten 12 Euro, es gibt zahlreiche Sonderkonditionen.

Führungen Sa. um 11 und 13 Uhr, So. um 13 Uhr. 8 Euro plus Eintritt.

Der Katalog zur Nord-Art hat 288 Seiten und kostet 25 Euro.

Im Internet: www.nordart.de

Liliane Jolitz

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