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Asiatische Puppen im Rampenlicht

Asiatische Puppen im Rampenlicht

Lübeck. Wer das Figurenmuseum in der Lübecker Altstadt vor seiner zweijährigen Schließung noch einmal sehen möchte, muss sich sputen – ab 2018 wird gebaut. Ein schöner Grund, sich die Sonderausstellung mit asiatischen Figuren anzusehen, die heute eröffnet wird.

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Kuratorin Denise Puri mit einer chinesischen Stabfigur aus dem 19. Jahrhundert.

Quelle: Fotos:ulf-Kersten Neelsen

Da ist mächtig was los auf dem Wasser: Die Angler hauen sich auf den Kopf, Kähne schaukeln auf hohen Wellen, Fische springen in die Luft – die Puppenspieler geben ihrem Affen Zucker. Zu sehen ist das in einem Video in der Sonderausstellung „Asienreise“ auf einem kleinen Monitor. Das vietnamesische Wasserspiel hat eine sehr lange Tradition, in jedem Dorf gab es das, erzählt Museumsleiterin Antonia Napp. Inzwischen allerdings sei dieses Spektakel leider ausgestorben, nur noch einige staatliche geförderte Bühnen würden es aufführen. Das Lübecker Theaterfigurenmuseum hat einige vietnamesische Figuren: ein etwa 40 Zentimeter hohes Paar, Fische und einen Drachen. Sie stehen gleich am Eingang der neuen Sonderschau und werden erstmals gezeigt.

Aus Vietnam mitgebracht hat sie Fritz Fey junior. Der Sohn von Fritz Fey, der 1977 das Marionettentheater im Kolk eröffnete, reiste als Kameramann um die Welt und sammelte Theaterfiguren und Zubehör und eröffnete 1982 in Lübeck das Figurenmuseum.

In seiner asiatischen Sammlung aus Indien, Indonesien, China, Japan, Thailand und Vietnam befinden sich nicht nur die ältesten Objekte des Museums – aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Einige seien in ihrer Vollständigkeit auch einzigartig, betont Antonia Napp. Zu den besonderen Schätzen gehören thailändische Figurenköpfe, die lange nicht in der Dauerausstellung zu sehen waren. Außerdem kann man eine chinesische transportable Bühne aus dem 19. Jahrhundert bewundern mit 60 unterschiedlichen Figuren, Textilvorhängen und Verpackungskisten. Die Kuratorin der Ausstellung, Denise Puri, hat alle Stücke in den Vitrinen wie Bühnenbilder drapiert: das Schultertheater aus Hongkong, Figuren aus Usbekistan etwa und eine rekonstruierte indische Schattenbühne. Das Schattenspiel Wayang gehört heute zum immateriellen Kulturerbe der Unesco.

„Die Puppen sollen in der Ausstellung leben“, sagt Denise Puri. „Der Besucher soll das Gefühl haben, dass der Spieler die Figuren gerade aus der Hand gelegt hat.“ Ein umfangreiches Rahmenprogramm gibt weitere Einblicke in die asiatische Figurenspielkunst.

Bis Ende Dezember ist das Theaterfigurenmuseum letztmalig so zuerleben, wie Fritz Fey jun. es eingerichtet hat. Ab Januar schließt es für zwei Jahre, das Museum und das benachbarte Figurentheater in den verwinkelten mittelalterlichen Häusern werden umgebaut und saniert. Alle Figuren – es sind insgesamt mehr als 35 000 Exponate – kommen in ein Depot. „Die Ausstellung wird neu konzipiert, die Fläche wird größer. Der Betrieb des Theaters wird weitgehend weiterlaufen“, sagt Antonia Napp.

Programm

Eröffnung heute um 14 Uhr, öffentliche Führung um 14.30 Uhr

Workshop „Wie baue ich Schattenfiguren“ heute 16-17.30 Uhr

Vortrag „Figurentheatertraditionen Indiens“ heute um 18 Uhr

Führungen am 24. November und 12. Dezember um 15 Uhr

Öffnungszeiten bis zum 30. Dezember di-so 11 bis 17 Uhr. An den Adventsmontagen ist das Museum auch geöffnet.

Eintritt: 7/3,50 Euro

Petra Haase

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