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Auch ein König hat’s nicht leicht

Lübeck Auch ein König hat’s nicht leicht

Arthur Honeggers Operette „Die Abenteuer des Königs Pausole“ in den Kammerspielen des Theaters Lübeck ist ein großer Spaß.

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Steffen Kubach ist der leidende König Pausole, der auf der Suche nach seiner Tochter Aline (Dorothee Bienert) sogar zum Telefon greift. Arthur Honeggers Operette „Die Abenteuer des Königs Pausole“ erhielt bei der Premiere viel Applaus.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Man nehme eine vollständig absurde Geschichte, wild gemixte Musik von Schnulze bis Jazz, dazu ein witziges Bühnenbild und hochmotivierte, um einen Erzkomödianten gescharte junge Darsteller. Das alles vermische man gründlich, drehe es einmal durch den Wolf und bringe es auf die Bühne. Heraus kommt dabei eine witzige, vollständig überdrehte satirische Operette, die den freizügigen Zeitgeist der wilden Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts genüsslich auf die Schippe nimmt: „Die Abenteuer des Königs Pausole“. Es ist die vorerst letzte Koproduktion von Musikhochschule und Theater Lübeck.

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Arthur Honeggers Operette „Die Abenteuer des Königs Pausole“ in den Kammerspielen des Theaters Lübeck ist ein großer Spaß.

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In Deutschland sind die Operetten Arthur Honeggers kaum bekannt, schon eher seine Sinfonien und sein großes, düsteres Oratorium „Johanna auf dem Scheiterhaufen“. Dass der Schweizer, der fast sein ganzes Leben in Frankreich verbrachte, einen solchen Schenkelklopfer wie den „König Pausole“ geschaffen hat, mag man kaum glauben. In der Inszenierung von Michael Wallner erwies sich das 1930 uraufgeführte Werk als zeitlos – zeitlos komisch und zeitlos gültig. Denn die Sexualisierung der Gesellschaft, die die Zwanziger Jahre mit bestimmte, ist ja in unseren Tagen zu einem bestimmenden Thema des sozialen Diskurses geworden. Tiefgründige Interpretationen braucht die Operette also nicht – es genügt, einfach die Geschichte des liebesmüden Königs Pausole zu erzählen. Der hat 365 Königinnen, jeden Tag muss er eine andere Schöne beglücken. Das wird ihm irgendwann zuviel, er macht sich auf zu einer Reise. Dann verliebt sich seine Tochter in eine als Mann auftretende Tänzerin, seine Königin des Tages geht mit dem feschen Pagen ins Bett. Und am Ende sorgt ausgerechnet dieser Page für Ordnung im Königreich. Blühender Blödsinn eigentlich, aber auf hohem künstlerischen Niveau.

In dem minimalistischen Bühnenbild von Tanja Liebermann lässt Michael Wallner buchstäblich die Puppen tanzen. Von der Kindfrau über die Geisha und den mondänen Vamp bis zu Supergirl: Alles ist vertreten in diesem sehr speziellen Harem. Besetzt sind die meisten Rollen mit Mitgliedern des Opernelitestudios und Studierenden der Musikhochschule, auch im von Ludwig Pflanz schwungvoll geleiteten Orchester spielen Studenten gemeinsam mit Mitgliedern der Lübecker Philharmoniker. Die Mischung aber macht’s, und für die sorgt Steffen Kubach als König Pausole. Wie er den müden Regenten gibt, ist nicht nur darstellerisch überzeugend, es ist ganz einfach urkomisch. Bei ihm reicht schon eine Kopfbewegung, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Daneben haben es die Nachwuchskräfte natürlich schwer, aber sie leisten auch sehr Beachtliches. Vor allem Guillermo Valdés als flotter Page Giglio: Dieser junge Sänger zeigt nicht nur stimmliches, sondern auch komödiantisches Talent.

Gzegorz Sobcak als strenger und leicht verdusselter Minister ist mit seinem Bass auch auf der sicheren Seite. Schauspielerisch und gesanglich ist Milena Juhl als sich männlich gebende Tänzerin Mirabelle eine Klasse für sich: Sie macht die lasziv-schwüle Grundstimmung, die die Operette prägt, deutlich. Auch die Königin vom Dienst, Franziska Buchner, kann überzeugen. Dorothee Bienert als Königstochter Aline verfügt über eine solide Musical-Stimme, die sie bereits sicher führt. Die darstellerische Leichtigkeit wird sich bei ihr noch einstellen.

Ein lustiger, komischer und witziger Abend ist dem Team um Michael Wallner gelungen. Das Fantasiereich Tryphème und sein König Pausole sind einen Besuch wert. Die anderthalb Stunden, die die Aufführung dauert, sind viel zu schnell vergangen. Schade, dass es vorerst die letzte Produktion von Theater und Hochschule ist.

Die nächste Aufführung: Montag, 20 Uhr.

Freie Bahn für die Marzipanpiraten!

Das kann ja heiter werden: Die erste Kostprobe der „Marzipanpiraten“ kam beim Publikum im Großen Haus des Theaters Lübeck ausgesprochen gut an. Einige Jahre lang hat Heiko Woltersdorf, von Beruf Kontrabassist bei den Lübecker Philharmonikern, an seinem Stück über die Piratenbande von Kapitän Niederstrecker und den tapferen Lübeckern gearbeitet, jetzt befindet sich die Produktion, bei der Jennifer Toelstede Regie führt, auf der Zielgeraden.

Von Bühnenbild und Kostümen war noch nicht allzu viel zu sehen bei der gestrigen Kostprobe, die bereits um 10 Uhr morgens stattfand – abends erlebte das Theater mit Giuseppe Verdis „Attila“ die letzte Opernpremiere der Saison (einen Bericht über die Premiere lesen Sie am Dienstag).

Die beiden Szenen aus den „Marzipanpiraten“ aber machten neugierig auf das ganze Stück. Es geht hoch her in dem Musical, für das Heiko Woltersdorf eingängige Melodien geschrieben hat und in dem Mitsingen ausdrücklich erwünscht ist. Hedwig Holstein (Imke Looft), wegen ihrer Prothese „Hedwig Holzbein“ genannt, verprügelt die Piraten gleich im Dutzend, Kapitän Niederstrecker (Peter Grünig) ist sich plötzlich nicht mehr ganz so sicher, ob er auf Dauer Pirat bleiben will – man wird sehen.

Uraufführung am 9. Juni um 18 Uhr.

LN

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