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Kultur im Norden Auf der Reeperbahn nachts um halb eins
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21:34 22.09.2016
Ungewöhnlich und einzigartig: Die Hamburger Symphoniker bei ihrem Auftritt im Schmidts Tivoli.
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Konzerte unter anderem:

Er hoffe, nicht von der Bühne geprügelt und ausgebuht zu werden, hatte Matthias Arfmann noch vor der Uraufführung seines „Ballet Jeunesse“ gescherzt. Die Sorge war nicht ganz unbegründet: Denn was der Hamburger Hip-Hop-Produzent, sonst für seine Arbeit mit den Beginnern und Jan Delay bekannt, beim Eröffnungsabend des 11. Reeperbahn Festivals am Mittwoch bot, war auch ein Experiment. Gemeinsam mit einem künstlerischen Kollektiv und den Hamburger Symphonikern stellte er sein aktuelles Album vor, für das er seine Lieblingswerke der Ballettmusik gekürzt, gesampelt, umgeschrieben und neu eingespielt hat.

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Es ist das größte Clubfestival Europas – Beim Reeperbahn Festival spielen Künstler aus 40 Nationen; und Ballettmusik gibt es jetzt auch.

40 000 Besucher, 70 Clubs, 460 Künstler

Sieben Jahre hatte es bis zur Vollendung gedauert, und es hat auch deshalb so lange gedauert, weil Arfmann bei den Erben der Komponisten die Rechte einholen musste, um seine Neuinterpretationen der Stücke veröffentlichen zu dürfen.

Arfmann ist der Erste, der überhaupt die Genehmigung erhalten hat, „Romeo und Julia“ des Russen Sergej Prokofjew auf diese Art zu verjüngen. Kurz vor der Zugabe sah man zum mit wummernden Discobeats aufgemotzten Stück „Je rêve“ die berühmten Ballett-Zwillinge Jiri und Otto Bubenicek über die Leinwand tanzen. Am Ende gab es statt Prügel Jubel für alle Beteiligten, die sich dann auch brav verbeugten.

Etwas wilder dürfte es noch bis Sonnabend beim Reeperbahn Festival zugehen. 40 000 Besucher werden insgesamt erwartet, wenn in mehr als 70 Clubs, Bars und Kneipen 460 Künstler aus 40 Nationen aufspielen werden. Und noch eine weitere Premiere gibt es. Zum Start in die elfte Runde des Festivals stellten die Veranstalter eine neue Auszeichnung für Talente der internationalen Musikszene vor:

den „Anchor“-Award. Acht Nominierte aus sechs Ländern treten im Wettbewerb an, eine Jury kürt den Gewinner. Der Preis soll nicht nur der Musikwirtschaft eine Orientierungshilfe bieten, sondern auch den Fans, wie Festival-Chef Alex Schulz sagte. Jury-Mitglied und Produzenten-Legende Tony Visconti, der für zahlreiche David-Bowie-Alben mitverantwortlich ist, kündigte an: „Ich suche nach dem Wow-Effekt“.

Visconti hatte eine Blockflöte dabei, die schon auf Bowie-Alben zu hören war, die Hamburger Sängerin Y’akoto ihre erste Schallplatte – eine aus dem Jahr 1975 stammende Aufnahme ihres Vaters, der ebenfalls Musiker ist.

Die acht „Anchor“-Nominierten und – wie die Veranstalter betonen – allesamt „aussichtsreichen Talente in ihren Heimatländern“ Schweden, Großbritannien, Australien, Deutschland, den USA und den Färöer-Inseln spielen bis heute Nacht in verschiedenen Clubs. Überreicht wird die Auszeichnung heute Nacht im St. Pauli Theater.

Besucherzahlen wachsen und wachsen

Das seit 2006 stattfindende Reeperbahn Festival gilt als Europas größtes Clubfestival. Die Fans verschiedenster Genres kommen auf ihre Kosten – musikalisch wirklich festlegen lässt sich das Programm nicht, wenngleich der Indie-Sektor und die Newcomer weiter im Vordergrund stehen. Dazu aber gibt es Pop, Rock, Elektro, Hip-Hop, Soul bis hin zu Folk.

Inspiriert vom South-By-Southwest-Festival im texanischen Austin ging das Reeperbahn Festival erstmals 2006 über die Bühne. Nach einem holprigen Start hat es sich zu Europas größtem Clubevent gemausert, bei dem es seit jeher neue Musik und aufstrebende Künstler zu entdecken gilt. So standen in den vergangenen Jahren spätere Stars wie Andreas Bourani, Philipp Poisel, Bon Iver, Ed Sheeran oder Jake Bugg auf den Kiez-Bühnen, bevor sie ihren Durchbruch hatten.

Und wenn man sich auch sonst auf keine bestimmte Richtung festlegen mag beim großen Musikrundumschlag in Hamburg, sicher kann man sein bei vor allem einer Größe: den registrierten Besucherzahlen. Sie wachsen und wachsen, von Jahr zu Jahr, und jedes neue Festival bricht wieder einen Rekord: Neben den regulären 40000 Gästen wird mit 4000 Fachbesuchern gerechnet.

Tickets und Bands

Tan LeRacoon (heute, 22.45 Uhr, Angie’s Nightclub, Spielbudenplatz 27) , Moglii (heute, 23.10 Uhr, Häkken, Spielbudenplatz 21-22), Konni Kass (morgen, 15 Uhr, Astra Bühne „Zur geilen Knolle“), Bazzookas (morgen, 22.15 Uhr, Bazzookas Bus, Spielbudenplatz 1)

Tagestickets 40 Euro (Freitag), 45 Euro (Sonnabend), 2-Tagestickets zu 72 Euro (Fr+So)

Mehr Infos unter: www.reeperbahnfestival.com

Tipp am Rande: Auf dem Kiez herrscht am Wochenende Flaschenverbot. Und: Für den Hunger ist gesorgt. Rund um den Spielbudenplatz wird für jeden Geschmack aufgefahren.

LN

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