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Kultur im Norden Auf der Suche nach dem Wesen der Bäume
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18:13 15.04.2016
Bilderwelt im Quadrat: Sebastian Maiwind mit einigen seiner „Baum-Porträts“ in der Lübecker Ausstellung. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Sein Interesse an Bäumen wurde möglicherweise von den mitreißenden Vorträgen eines Dendrologie-Professor geweckt. Vielleicht aber wurde Sebastian Maiwinds Faszination dadurch auch nur befeuert. Jedenfalls gehören Bäume zu den bevorzugten Motiven des Fotografen: Buchen, Eichen, auch mal Espen oder eine Flügelnuss. Von heute an sind seine „Baumporträts“ in der Galerie Siebert in der Lübecker Altstadt zu sehen.

Kahle Stämme in Reih und Glied, zierlich im Umfang, aber so hoch gewachsen, dass sie nicht aufs Bild passen und von Kronen nichts zu sehen ist. Eine Buche in der hellen Abendsonne, die schwere Schatten wirft — Maiwinds Bilder sollten „das Wesen der Porträtierten“ zeigen, wie der Fotograf sagt. Er kennt den Wald oder die Wälder, weiß Efeubewuchs ebenso zu deuten wie Verwerfungen zu erahnen.

Manchmal packe ihn der Eifer, „und dann laufe ich ein oder zwei Stunden umher auf der Suche nach besonderen Bäumen“, sagt er. Dabei kommt es vor, dass er seine relativ schwere Kamera gar nicht einsetzt.

Er könnte es leichter haben. Eine moderne Digitalkamera aber passt zu Maiwinds Arbeitsauffassung nicht. Er fotografiert analog mit einer Hasselblad-Sucherkamera und ausschließlich in Schwarzweiß. Die Technik bindet den Fotografen an die feste Weitwinkel-Brennweite, sie legt ihn zudem auf das Quadrat fest. Maiwind will es so.

Bildschnitte oder Bildbearbeitung lehnt er ab. Er arbeitet ohne Stativ, klettert höchstens mal auf einen umgestürzten Baum. So fühlt er sich wohl, auch wenn es im Wald manchmal eng sein kann, „hinter mir ein Baum und neben mir ein Baum“.

Maiwind, Jahrgang 1979, stammt aus Schwerin, er lebt in Berlin. Er ist studierter Landschaftsarchitekt, hat aber in diesem Beruf nie gearbeitet, sondern sich der Buchgestaltung zugewandt. Seine Baum-Porträts sind an der mecklenburgischen Küste entstanden, in Jütland, genauer dem „Räuberwald“ Rold Skov, oder auch in der Mongolei. Stadtbäume fotografiert Maiwind nicht. An den Bäumen liegt es nicht — sondern an der Zivilisation drumherum.

Eröffnung heute, 12 bis 18 Uhr. Ausstellung bis 28. Mai. Große Burgstraße 39.

Von liz

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