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Kultur im Norden Auf der Suche nach dem fernen Klang
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18:10 18.10.2017
Lübeck

„Der ferne Klang“ ist eine Liebesgeschichte, ein Künstlerdrama und zugleich ein sozialkritisches Stück. „Schreker hat das Libretto selbst verfasst“, sagt Jochen Biganzoli. „Er hat autobiografische Elemente eingebracht und natürlich Themen, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg en vogue waren. Dabei ist er in manchen Passagen schon fast so etwas wie ein Gerhart Hauptmann der Oper, etwa beim verlogenen Umgang der feinen Gesellschaft mit der Prostitution.“

„Diese Partitur ist eine Auster, die man knacken mussJochen Biganzoli

Regisseur von

„Der ferne Klang“

Die Geschichte von „Der ferne Klang“ dreht sich um den Komponisten Fritz, der seine Geliebte Grete verlässt, um weiter seinem Klangideal nachzujagen. Grete wird daraufhin von ihrem alkoholkranken Vater an einen schmierigen Gastwirt verkauft, läuft aber fort und will Selbstmord begehen. Bei Ansicht der Schönheit der Natur lässt sie ihren Plan fallen und begibt sich in die Hände einer Kupplerin.

Zehn Jahre später ist aus Grete eine berühmte Kurtisane in Venedig geworden, die mit demjenigen ihrer Gäste eine Nacht verbringen will, der ihr das schönste Lied singt. Fritz ist zufällig anwesend, singt das schönste Lied, erkennt aber, was aus Grete geworden ist und verlässt das Fest.

Weitere fünf Jahre später ist Grete zur Straßendirne herabgesunken. Sie ist anwesend bei der Premiere von Fritz’ endlich fertiggestellter Oper „Die Harfe“, die beim Publikum durchfällt und für einen Tumult sorgt. Fritz erkennt, dass er dem fernen Klang vergeblich hinterhergehetzt ist und stirbt in Gretes Armen.

„Der ferne Klang“ erfordert vom Theater einen gewaltigen Aufwand. Viele Solopartien sind zu besetzen, Chor und Extrachor sind im Einsatz, neben dem Orchester werden noch eine venezianische und eine Zigeunerkapelle benötigt. „Dieser Aufwand bringt das Theater an die Grenze seiner Möglichkeiten“, sagt Regisseur Biganzoli. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass man mir hier nach dem Erfolg der ,Lady Macbeth‘ mit soviel Vertrauen entgegengekommen ist.“

Und wie bringt Biganzoli Schrekers Opern-Erstling auf die Bühne? „Wir sind der Meinung, dass Grete eigentlich im Mittelpunkt der Oper steht. Eine Frau aus und in prekären Verhältnissen, wahrscheinlich auch ein Missbrauchsopfer: Fast alle ,Karrieren‘ im Milieu beginnen mit sexuellem Missbrauch in der Kindheit. Das werden wir andeuten. Der Lebensweg von Grete, der Aufstieg und der Niedergang ist für das Jahr 1912 unglaublich realistisch geschildert.“

Im zweiten Akt, der Grete als Edel-Kurtisane zeigt, öffnet Biganzoli dann seine Zauberkiste. „Ich verrate noch nicht, wie wir das Fest auf der venezianischen Insel zeigen werden“, sagt der Regisseur.

„Aber ich kann dem Publikum versichern, dass es der reine Wahnsinn mit zwei Chören und drei Orchestern wird. Theater total.“

Der dritte Akt widmet sich dann Fritz, dem einem Ideal hinterjagenden Komponisten. „Das waren zur Zeit des jungen Schreker eigentlich alle Komponisten, alle waren nach Wagners Tod auf der Suche nach etwas Neuem. Schreker hat sehr geschickt mit Annäherungen und mit Zitaten gearbeitet, immer wieder klingt Wagner an, ebenso Puccini, sogar Bach. Das ist eine Partitur wie eine Auster, die man knacken muss.“

In „Der ferne Klang“ spielen auch Träume eine große Rolle. „Fritz träumt vom fernen Klang, ohne ihn jemals zu erreichen, Grete von einem selbstbestimmten Leben, das sie niemals führen wird. Schuld daran ist nicht zuletzt die verlogene Gesellschaft, in der beide leben müssen, die Engstirnigkeit und das Nichtverstehen der Spießbürger. Gezeigt wird das in den verschiedensten Theaterformen – Franz Schreker war ausgesprochen innovativ in dieser Hinsicht.“ Und Jochen Biganzoli versucht, diese Innovationen und Einfälle auf der Bühne lebendig zu machen.

Premiere am Sonnabend, 19.30 Uhr.

Von Jürgen Feldhoff

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