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„Auf zum silbernen Brahms-Festival“, sagt Rico Gubler

Lübeck „Auf zum silbernen Brahms-Festival“, sagt Rico Gubler

Zu begeistern bin ich leicht, und Langeweile kommt weder an der Musikhochschule noch zu Hause auf.

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Der Schweizer Rico Gubler ist seit zwei Jahren Präsident der Musikhochschule Lübeck. Der 44-Jährige war zuvor Studiengangleiter an der Hochschule für Musik in Basel. Er hat Saxofon, Komposition und Jura in Basel, Zürich, Florenz und Paris studiert.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Zu begeistern bin ich leicht, und Langeweile kommt weder an der Musikhochschule noch zu Hause auf. So bin ich immer wieder fasziniert, wenn ich mit meinen beiden Söhnen (6 und 12 Jahre alt) in die Welt der erzählten und klingenden Musikgeschichte eintauche. Da darf ich zum Beispiel miterleben, wie ein Uhu mittels des damals neu erfundenen Fernsprechgeräts Richard Wagner zu überzeugen versucht, im Ring des Nibelungen das harmlose Waldvögelein durch einen viel repräsentativeren Uhu zu ersetzen ( Hör-CD: „Uhus Flug durch die Musikgeschichte “).

Ganz still und für mich alleine begeistert bin ich, wenn ich Zeit finde, in zwei Lieblingstrilogien hineinzulesen, die jeweils ihren eigenen Bezug zur Gegenwart und brennenden Zukunftsfragen in sich tragen. Der sich gerade in Fahrt befindende amerikanische Wahlkampf lässt mich anhand der USA-Trilogie von John Dos Passos aus dem Jahre 1930 in der US-amerikanischen Geschichte zurückblättern. Ich staune immer wieder über dieses so andere und große Land und seinen Weg durch die Weltgeschichte.

Das weltweite Ressourcenproblem am Beispiel des Wassers zeigt hingegen die Trilogie von Urs Augsburger , der die Herausforderung der regionalen und internationalen Wasserversorgung am Beispiel dreier Generationen aus dem Wallis aufzeigt und packend beschreibt („Schattwand“ / „Graatzug“ / „Wässerwasser“). Dieses Schweizer Bergtal hat also mehr zu bieten als nur in Verruf geratene Fifa-Präsidenten. Die Zeit zurückdrehen müsste man auch für einen meiner Lieblingsfilme: „Sunset Boulevard“ von Billy Wilder . Besonders fasziniert mich die geniale Regie der Beleuchtung — eine wegweisende Arbeit der sogenannten Low-Key- Beleuchtung, die die Stimmung des Niedergangs der Stummfilmära wie kaum eine andere Quelle illustriert und aufzeigt, wie aus Begrenzungen Kunst entsteht.

Einen Schwung unsäglich dramatischer Energie erlebe ich gerne in der Hörfassung von Shakespeares „Romeo and Juliet“ in einer neuen Produktion der BBC; meine Liebe zu diesem wohl bekanntesten englischen Dichter wird mich auch in die Aufführung von „Sturm“ am hiesigen Theater führen.

Begeistert und seit Monaten schon befassen wir uns hier an der Musikhochschule mit der Vorbereitung unseres 25. Brahms-Festivals . Auf dieses „silberne“ Brahms-Festival dürfen Sie sich besonders freuen: Rund 100 Interpreten, in gemischten Ensembles aus Dozierenden mit Studierenden, präsentieren ein konzertantes Feuerwerk zum Thema „Verwandlungen“. Lassen Sie sich begeistern!

LN

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