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Auferstehung einer Chanson-Legende

Lübeck Auferstehung einer Chanson-Legende

Vasiliki Roussi erzählt am Theater Lübeck das Leben von Edith Piaf — Sie verkörpert die französische Sängerin perfekt.

Lübeck. Eine Frau, deren Stimme für ihren kleinen, zarten Körper zu groß ist — genauso wie der wuchtige Pelzmantel, in dem sie die Bühne betritt: Edith Piaf, das Mädchen aus der Gosse, das zum Star wird. Seit 2012 schlüpft Vasiliki Roussi am Theater Lübeck in die Rolle der Chansonsängerin, bislang in der Inszenierung von Pit Holzwarths Stück, nun auch in einer konzertanten Fassung.

Diese „kleine Reise durch ihr Leben“ im nahezu ausverkauften Großen Haus wird getragen von den großen Hits der Piaf und der charmanten Moderation der Künstlerin. Sie ist erst der scheinbar unbekümmerte Spatz von Paris und später die von vielen Schicksalsschlägen gezeichnete Frau, für die nicht nur das Leben, sondern jeder Schritt beschwerlich ist. Vasiliki Roussi hat die französischen Liedtexte gründlich studiert und auch deren Phrasierung: Sie lässt das „R“ genauso genüsslich rattern wie die Piaf, haucht mal die zarten Töne sanft dahin und legt dann wieder all ihre Kraft in die Stimme.

Als ihr Stern aufgegangen ist und ganz Paris dem Energiebündel Piaf zu Füßen liegt, drangsaliert sie ihre Umgebung, ist aber auch zärtlich und immer auf der Suche nach der Liebe. Und sie singt. Bis der Mann am Klavier wunde Fingerspitzen hat. Diesmal heißt der Mann am Klavier Willy Daum. Er zeigt dem Publikum zwar anklagend seine Hände, ist aber so gar nicht unschuldig am Tempo und an der Wucht, die Vasiliki Roussi da entfesselt. Schließlich hat er beim Theaterstück die musikalische Leitung inne und die Chansons der Piaf ins 21. Jahrhundert übertragen.

Mit ihm gestalten Tobias Hain (Trompete), Peter Imig (Kontrabass), Marc Löhrwald (Saxophon) und Vassily Dück (Akkordeon) den Hintergrund für eine Zeitreise voller Erfolge und tiefster Verzweiflung.

Sie endet mit einer wunderbaren Version von „Je ne regrette rien“ und einem weniger bekannten Chanson, das Edith Piafs zeitweiliger Geliebter Georges Moustaki geschrieben hat. Bei diesem gefühlvollen Zwiegespräch zwischen Sängerin und Saxophon gibt es für den Sitznachbarn kein Halten mehr und er fängt an zu schunkeln, bis ihn seine Frau wieder bändigt.

Das Publikum verabschiedet Lübecks Piaf mit Ovationen. Roussi wiederum bedankt sich gerührt bei Daum und Holzwarth für eine großartige Rolle: „Sie hat mir so viele Türen geöffnet.“  

„Piaf in Concert“ ist noch einmal am So., 19. Juni, um 18 Uhr im Großen Haus zu erleben. Eine CD mit Piaf-Liedern, gesungen von Vasiliki Roussi, ist an der Theaterkasse für 12,50 Euro erhältlich.

Von Sabine Räth

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