Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Auferstehung im Sieben-Viertel-Takt

Lübeck Auferstehung im Sieben-Viertel-Takt

Eine verspätete Osterkantate des Komponisten Dirk Uka in der Lübecker Lutherkirche.

Lübeck. Wenn ein erfahrener Theologe und ein frischer Musiker zusammen kreativ sind, dann darf man gespannt sein auf das Ergebnis. Zumal, wenn es um die Komposition einer Kantate geht. Jörg Scholz, Pastor im Ruhestand, und der studierte Musiker Dirk Uka haben das anspruchsvolle Werk „Nun jubelt der Kreis der Erde“ 2015 begonnen. Am kommenden Sonntag wird es mit Solisten, Orchester und Chor in der Lübecker Lutherkirche aufgeführt – eine Woche nach Ostern ist die Auferstehung noch einmal Thema.

Es wird ein ungewöhnliches Klangerlebnis, verspricht Luther-Kantor Sven Fanick. Die Liturgie ertönt schon einmal im unerwarteten Sieben-Viertel-Takt. Genauso unerwartet, wie die Auferstehung Jesu im Neuen Testament.

„Scharf gewürzt und trotzdem eingängig“, so charakterisiert Kantor Fanick die Komposition. Er sitzt am Klavier, während Dirk Uka über seine Schulter blickt. In der Probe klären der musikalische Leiter der Aufführung und der Komponist ein paar Hürden in der Partitur. „Die Herausforderung sind die ungeraden Taktarten“, erklärt Fanick. Ein Sieben-Viertel- Takt folgt da schon einmal auf einen Fünf-Viertel-Takt.

Die Grundlage für das Werk, das in der Lutherkirche erst zum zweiten Mal überhaupt aufgeführt wird, ist von Scholz aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt worden. „Ich hatte die Idee, das Neue Testament in eine Bibliothek mit neun Bänden aufzuteilen“, sagt Scholz. Weil die Urheberrechte allerdings schwer zu bekommen waren, machte er sich an eine eigene Übersetzung. Auch die Auferstehung, in der Maria Magdalena in einem vermeintlichen Gärtner plötzlich den lebendigen Jesus erkennt, inspirierte ihn zur Idee für die Osterkantate in freier Dichtung. Er konnte Dirk Uka, mit dem er bereits 2009 das Werk „Drei Seligpreisungen“ geschaffen hatte, für die musikalische Umsetzung gewinnen.

Dirk Uka ist Jahrgang 1973. Er hat an der Musikhochschule Lübeck Musikerziehung und Schulmusik studiert, dazu klassische Gitarre und Chorleitung. 1994 machte er seinen Abschluss. Heute ist er freiberuflicher Komponist und unterrichtet an der Musik- und Kunstschule Lübeck Gitarre, leitet verschiedene Chöre und wirkt in diversen Bandprojekten mit.

Seine Komposition „Nun jubelt der Kreis der Erde“ ist für Solisten, Orchester, Chor und Sprecher konzipiert. Kirchenmusiker Sven Fanick hat umfangreiche Proben mit der Luther- und Wichernkantorei sowie der St.-Lorenz- Kantorei hinter sich. Antje Kammeyer (Mezzosopran), Tim Karweick (Tenor und Sprecher) und Jan-Hendrik Jensch (Bass) konnte er für die Aufführung verpflichten.

Im Gottesdienst in der Lutherkirche erwartet die Besucher aber nicht nur Musik: Björn Engholm, ehemaliger schleswig-holsteinischer Ministerpräsident, spricht zum Thema „Mein Luther“. Seine Laienpredigt ist ein Beitrag zur 500-Jahre-Feier der Reformation.

Die Kantate wird im Gottesdienst der Lübecker Lutherkirche am kommenden Sonntag um 10 Uhr aufgeführt. Moislinger Allee 96.

Zum Komponisten Dirk Uka: www.dirkuka.de

Florian Grombein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden