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Aus einem Haus voller Musik

Lübeck Aus einem Haus voller Musik

Victor Schmidt aus Lübeck spielt Klavier und hat beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert die maximale Punktzahl erhalten. Und ein Stipendium obendrein.

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Klavierspieler und Jugend musiziert Preisträger Victor Schmidt

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Bei Prokofjew ist Victor ausgestiegen. Er war zu schnell, sagt er. Er erwischte einen falschen Ton, dadurch kam eines zum anderen, aber dann hat er den Part noch mal gespielt, und dann war es in Ordnung.

Es war sogar sehr in Ordnung, fand die Jury, die seinen Vortrag beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert in der Paderborner Kulturwerkstatt begutachtete. Neben Prokofjews „Teuflische Einflüsterung“, einem furiosen Ritt über den Steinway-Flügel, hatte er noch Chopins „Fantaisie Impromptu“ und den ersten Satz aus Bachs „Partita No. 2“ gespielt. Es war das Programm, mit dem er schon beim Regional- und Landeswettbewerb erfolgreich gewesen war. Auch jetzt gab es wieder einen ersten Preis, 25 Punkte, besser geht es nicht. Und ein Stipendium der Carl-Bechstein-Stiftung gab es obendrein.

Das kommt nicht von ungefähr. Victor ist 14, spielt seit Kindesbeinen Klavier, und das zwei, drei Stunden am Tag. Aber in seiner Familie führt auch kaum ein Weg an der Musik vorbei. Seine Mutter Saskia ist Konzertpianistin und Klavierlehrerin, sein Vater Alexander hat ebenfalls Klavier studiert, danach Medizin und leitet als Neurologe das Centrum für Musikermedizin an der Charité in Berlin.

Beide Eltern waren sehr erfolgreich beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert, die Mutter hat auch internationale Wettbewerbserfahrung. Der Großvater ist Musikwissenschaftler, die Großmutter Sängerin, Tanten und Onkel machen Musik, und bei Victors jüngeren Geschwistern – drei Brüder, eine Schwester – spielen Cello, Geige und Klavier ebenfalls eine Rolle. Bei dem zehnjährigen Gero sogar eine herausragende. Er hat mit dem Cello schon einen dritten Preis beim Dotzauer-Wettbwerb in Dresden und einen zweiten Preis beim Internationalen Heran-Wettbewerb in Tschechien gewonnen.

Es gibt einen Flügel im Hause Schmidt, zwei Keyboards und zwei Klaviere. Eines steht bei Victor im Zimmer, sein Vater hat es während des Studiums gekauft. Klavier, sagt Victor, das ist sein Instrument. Er spielt zwar auch Bratsche, hat einmal die Woche Unterricht und hält überhaupt nichts davon, die Bratsche „zu diskriminieren“, aber dem Klavier gibt er dennoch den Vorzug.

Seine ersten Schritte daran hat er mit vier Jahren mit seiner Mutter gemacht, dann ist er zu Vadim Goldfeld an die Musikschule der Gemeinnützigen gewechselt. Jetzt will er anfangen, seinen Bruder Carlo (7) zu unterrichten, mit dem er schon Geige übt. Er geht in die achte Klasse des Katharineums, spielt dort im Orchester, fotografiert, hat mit Freunden einen Youtube-Kanal, für den sie Videos drehen. „Ist nicht unbedingt so die hohe Qualität, aber macht Spaß“, sagt er. Fußball hat er auch gespielt, aber inzwischen aufgegeben. Dafür hat ihm sein Großvater gezeigt, wie man am Computer Musik produziert, und jetzt ist er gerade dabei, ein Lied zu schreiben.

Das Bechstein-Stipendium ist nicht sein erstes. Er wird bereits von der Lübecker Haukohl-Stiftung gefördert. Aber die neue Unterstützung ist schon ein rechte Auszeichnung. Sie haben in diesem Jahr bundesweit vier Stipendien vergeben, sagt Gregor Willmes von der Bechstein-Stiftung: nach Hamburg, Bonn, Berlin und eben eines nach Lübeck. Es läuft zunächst für ein Jahr, wird in aller Regel aber auf maximal drei Jahre verlängert. Und es sieht ganz so aus, als würde Victor da keine Ausnahme machen.

Nächstes Jahr in Lübeck

Mehr als 2000 Jugendliche haben Anfang Juni beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert in Paderborn teilgenommen. 84 von ihnen kamen aus Schleswig-Holstein. Dabei gab es 14 erste Preise (24 und 25 Punkte), 16 zweite (22 und 23 Punkte) 25 dritte (20 und 21) sowie 22 Teilnahmen mit Prädikat.

Neben Victor Schmidt, Berit Engbers, Lasse Schrank und Ansgar Pohl (siehe Porträts) hat mit dem Schlagzeuger Levi Petersen aus Neumünster nur noch ein Teilnehmer aus Schleswig-Holstein die maximale Punktzahl von 25 erreicht. Die Lübecker Chiara Martina Rubino und Constantin Schiffner (Klavier), Aaron Wittke (Violoncello) und Jonathan Gude (Schlagzeug) sowie Konstantin Kappe (Posaune) aus Bad Schwartau kamen auf 24 Punkte. Im nächsten Jahr findet die Endrunde von Jugend musiziert in Lübeck statt.

 Peter Intelmann

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