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Kultur im Norden Auseinandersetzung mit der Entstehung und der Zerstörung des Planeten Erde
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20:32 31.07.2018
Ulrike Traub und Uwe Greiß stellen Bilder und Fotografien in der Lübecker Galerie Artler aus. Quelle: Felix König
Lübeck

Bunte Luftballons, die vom dunklen Meeres- ins helle Himmelsblau emporsteigen, zeigt das große Bild von Ulrike Traub, das im Schaufenster der Galerie hängt, darunter drei grafisch anmutende Fotografien von Uwe Greiß. Die Künstlerin will den Blick nach oben lenken – „auf das Wunder der Schöpfung“. „Schwebend“ heißt das Luftballon-Bild, Teil einer Serie, in der sie das Thema „Leichtigkeit“ vom Konkreten löst, immer mehr abstrahiert, bis nur noch eine angedeutete Landschaft in Pastelltönen zu sehen ist.

Die 72-jährige Künstlerin, die an der Kunstakademie Braunschweig studiert und als Kunsterzieherin in Lübeck gearbeitet hat, setzt mit ihrer „Bildfindung“ einen Kontrapunkt zum Ausmaß der Zerstörung der Erde. Tief beeindruckt ist sie vom Film „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes" von Wim Wenders. „Er spricht davon, dass weltweit täglich 150 Arten aus Flora und Fauna zerstört werden“, sagt sie. Ihre großformatigen Bilder, die sie überwiegend auf Holz gemalt und ins natürliche Material Linien geritzt hat (Gouache mit Wachskreide), sind eine Aufforderung zum Innehalten. Die Ehrfurcht gegenüber der Natur und die Dankbarkeit gegenüber dem Leben findet Ausdruck in einem Schrift-Bild, in dem Ulrike Traub den ehemaligen Uno-Generalsekretär Dag Hammarskjöld zitiert: „Jeder Tag der erste Tag, jede Stunde neues Leben...“

Im Gegensatz zur „Bildfindung“ von Ulrike Traub und der Sehnsucht nach Ganzheit stellen Uwe Greiß’ Fotografien die künstlerisch-ästhetische Auseinandersetzung mit der „Bildstörung“ in den Vordergrund. Der 77-jährige Künstler wohnt in Tralau, hat Fotodesign studiert und als Bildredakteur und freier Fotograf gearbeitet. Eine mehrstündige Fernseh-Dokumentation über die Entstehung der Erde inspirierte ihn zu den Fotos der Ausstellung. „Da ich nur eine Zimmerantenne habe, habe ich bewusst Bildstörungen hergestellt.“ Diese abfotografierten, verzerrten und verfremdeten Motive lassen nur noch Landschaften, Lavaströme, Himmels- und Meeresansichten erahnen. Sie zerfallen in abstrakte Bilder mit grafischem Charakter: eine spannende Mischung aus groben Pixeln und einem sanften Zerfließen von Farben. Mit dem Thema „Bildstörung“ will der Künstler auch auf die Möglichkeiten der Bildmanipulationen im digitalen Zeitalter aufmerksam machen. Uwe Greiß: „Wir können heute nicht mehr sicher sein, dass das, was wir auf den Fotos sehen, auch der Wahrheit entspricht.“

Die Ausstellung ist auch Teil der diesjährigen Lübecker Museumsnacht, die am 25. August stattfindet. Rainer Wiedemann, Vorsitzenden der Gemeinschaft Lübecker Künstler hält am Sonnabend die Eröffnungsrede, es gibt ein Mini-Happening und Bach-Musik. Michael Traub, Sohn der Künstlerin Ulrike Traub, spielt Geige.

Dorothea Kurz-Kohnert

Wann und wo?

Vernissage 4. August, 17 Uhr, Galerie Artler, Große Burgstraße 32, bis 1. September, Do und Fr 17-19 Uhr und Sa 12-14 Uhr

 

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