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Kultur im Norden Auszeichnung für einen Querkopf
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18:17 07.09.2016
Konstantin Wecker (69) kommt am 14. Oktober nach Lübeck. Quelle: dpa

Ganz wurde der Dichter, Publizist und Anarchist Erich Mühsam in seiner Heimatstadt Lübeck nicht vergessen. Die im Buddenbrookhaus ansässige Erich-Mühsam-Gesellschaft vergibt alle zwei Jahre einen Preis, der den Namen des 1934 im KZ Oranienburg Ermordeten trägt, gestiftet vom Galeristen Frank-Thomas Gaulin.

In diesem Jahr geht die mit 3000 Euro verbundene Auszeichnung erstmals an einen Prominenten aus der ersten Reihe: an den Liedermacher Konstantin Wecker (69). Der Münchner rüttele die Menschen mit seinen Liedern auf, rühmt die Mühsam-Gesellschaft den Preisträger. „Mehr denn je setzt er sich auch in diesem Jahr mit seinen Stücken kraft- und vor allem gefühlvoll für eine Welt ohne Waffen und Grenzen ein“, sagt der Vorsitzende Lienhard Böhning. Wecker sei als Poet, Pazifist und politischer Querkopf Erich Mühsam sehr verwandt.

Erich Mühsam wurde 1878 in Berlin als Kind jüdischer Eltern geboren und wuchs in Lübeck auf. Sein Vater Siegfried war Apotheker und Abgeordneter der Bürgerschaft. Ab 1909 lebte Erich Mühsam in München-Schwabing, wo er anarchistischen Gruppen angehörte. Als er 1919 als Mitglied der Münchner Räterepublik inhaftiert wurde, dichtete er: „Ich hab’s mein Lebtag nicht gelernt, / mich fremdem Zwang zu fügen. / Jetzt haben sie mich einkasernt, / von Heim und Weib und Werk entfernt. / Doch ob sie mich erschlügen: / Sich fügen heißt lügen!“ Solche Töne kennt man auch von Wecker – auch weniger ernste. In seinem Lied „Anarchie“ singt er im bayrischen Idiom: „Des is die Anna, ja die Anna, die Anarchie / Bei meiner Seel – die bleibt bei dir, / b’scheißt dich nie.“

Am 14. Oktober wird er vor seinem Konzert in der Lübecker Musik- und Kongresshalle den Mühsam-Preis entgegennehmen. Die Laudatio hält Theaterchef Christian Schwandt. Einen Förderpreis, dotiert mit 1000 Euro, bekommt das Lübecker Flüchtlingsforum.

mib

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