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Avi Avital: Fingerfertig und poetisch

Bad Segeberg Avi Avital: Fingerfertig und poetisch

In einer Konzertreihe 18 Auftritte, 20 sogar: Man könnte meinen, da würde sich Routine einschleichen, solche von der schlimmen Art gar, die man Langeweile nennt.

Bad Segeberg. In einer Konzertreihe 18 Auftritte, 20 sogar: Man könnte meinen, da würde sich Routine einschleichen, solche von der schlimmen Art gar, die man Langeweile nennt. Nichts davon beim israelischen Mandolinenspieler Avi Avital: Mit Mahan Esfahani (Cembalo) bot der Vorzeigekünstler des SHMF vor 800 Zuhörern in St. Marien von Bad Segeberg ein grandioses, ein begeisterndes Konzert.

Nun wurde kaum einmal je ein Stück für diese Besetzung komponiert, wohl aber für Mandoline und Basso continuo (der Auftakt in Bad Segeberg mit Scarlattis Sonate G-Dur, K 91) oder Mandoline und Klavier (Beethovens Andante con variazioni D-Dur, Werke ohne Opuszahl, 44). Das Cembalo wird heute gemeinhin in die Ecke gestellt, aus der es nur hervorgeholt wird, wenn jemand ganz laut „Barock“

ruft. Dass dies nicht alles sein muss, bewies der Iraner Mahan Esfahani eindrucksvoll – nicht allein durch seine einfühlsame Begleitung, sondern auch durch kurze Solopassagen, bei denen der Mandolinist dann verschmitzt die Akkorde übernahm. Und erst Avital! Fingerfertig und mitreißend in den schnellen Tempi, geradezu schmelzend-poetisch bei einem Vivaldi-Largo oder im „Larghetto e spiritoso“.

Nicht annähernd so gut kamen beim Publikum nach der Pause die zeitgenössischen Stücke von Mel Powell (Recitative and Toccata für Cembalo) und Yasuo Kuwahara (Improvised Poem für Mandoline solo) an, doch mit Bachs Sonate für Violine und Basso continuo in G-Dur waren alle wieder versöhnt und stimmten ein in den furiosen Schlussapplaus. ark

LN

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