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Kultur im Norden Ein großer Jux
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17:08 03.09.2018
Noch herrscht ehelicher Frieden: Marquis de Faublas (Philippe Hall) und seine Gattin Madeleine (Emma McNairy). Quelle: Kerstin Schomburg
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Lübeck

Paul Abraham? Das war doch der Operettenkönig im Berlin der 20er und 30er Jahre, „Blume von Hawaii“, „Viktoria und ihr Husar“ und wie sie alle hießen, diese herrlich absurden Stücke. Aber „Ball im Savoy“? Kennt kaum jemand, in Lübeck wurde die Operette auch noch nie gespielt. Aber das Kennenlernen lohnt sich, das Premierenpublikum am Sonnabend war begeistert.

Handlung ist Nebensache bei diesem „Ball“. Ein frisch getrautes Ehepaar, eine ehemalige Geliebte, eine Jazz-Komponistin und ein heißblütiger türkischer Gesandter bieten eine Art Verwechslungskomödie, bis sich am Ende dann doch die Richtigen in die Arme fallen. Das ist witzig und amüsant, die Musik ist schmissig und mit eingängigen Melodien versetzt, Schnulzen dürfen natürlich nicht fehlen in diesem Genre. Eine bunte Mischung also, die Regisseur Michael Wallner mit leichter Hand inszeniert.

Die nächsten Vorstellungen

„Ball im Savoy“ von Paul Abraham wird an folgenden Terminnen aufgeführt: 15. September (19.30 Uhr), 7. Oktober (18 Uhr), 14. Oktober (16 Uhr), 19. Oktober (19.30 Uhr), 9. November (19.30 Uhr), 1. Dezember (19. 30 Uhr), 31. Dezember (15.30 und 19.30 Uhr).

Heinz Hauser hat für diesen großen Jux einen erstaunlichen Bühnenraum geschaffen. Im ersten Akt sieht man eine Terrasse, einen Pool und im Hintergrund das Meer. Im zweiten Akt wird das Bühnenbild einfach umgedreht – technisch eine enorme Leistung. Und atmosphärisch ausgesprochen wichtig, denn ganz so ernst muss man die Geschichte nicht nehmen, da können ruhig die Kakteen an der Decke kleben. Die opulenten Kostüme von Tanja Liebermann und Yvonne Forster mit ihrer coolen Eleganz bieten großen optischen Reiz.

Michael Wallner, der selbst gleich in zwei Nebenrollen mitwirkt, gibt in seiner Inszenierung dem Affen Zucker. Da werden Klischees politisch völlig inkorrekt ausgereizt, der pure Nonsens hat in den dadaistisch angehauchten Dialogen eine große Zeit. Auf einen Liedtext wie „Wir Türken küssen, wenn wir küssen müssen“ muss man erst einmal kommen.

Vor allem aber steht Michael Wallner ein großartiges Ensemble zur Verfügung. Allen voran Steffen Kubach als sechs Mal geschiedener türkischer Diplomat. Stimmlich ist er in Bestform, dass er über ein überschäumendes komödiantisches Talent verfügt, hat man lange nicht mehr so glänzend erlebt. Von Emma McNairy weiß man, dass sie über eine wunderschöne hohe Sopranstimme verfügt. Und diese setzt sie jetzt auch im Operettenfach vorzüglich ein. In ihrer Rolle als Madeleine ist sie gesanglich und darstellerisch einer der Stars des Abends.

Ganz wunderbar wirbelt auch Sara Wortmann als Jazz-Komponistin Daisy Darlington über die Bühne, sie bringt viel Schwung in das Geschehen. Ein gelungener Gag ist es auch, das Orchester aus dem Graben auf Höhe der Bühne emporfahren zu lassen, wo dann Daisy Darlington den Taktstock von Adrian Pavlov übernimmt.

Angelika Milster als verführerische Tangolita fügt sich bestens in das Ensemble ein. Ihr macht die Rolle der Rachsüchtigen offensichtlich Spaß. Philippe Hall als Marquis de Faublas – man denkt unwillkürlich an „Fauxpas“ – spielt zwar überzeugend, stimmlich hat er in der Höhe jedoch einige Probleme. Jörn Kolpe ist ein herrlich vertrottelter Gerichtsschreiber.

Sehr gut aufgelegt agierte der von Jan-Michael Krüger einstudierte Chor. Dirigent Adrian Pavlov hatte gelegentlich Probleme, sich mit Chor und Sängern auf übereinstimmende Tempi zu verständigen. Trotz elektronischer Verstärkung übertönte das Orchester gelegentlich die Sänger.

Ein rundherum vergnüglicher Theaterabend – mit einer Ausnahme. Michael Wallner war zurecht der Meinung, dass man eine Operette von Paul Abraham heutzutage nicht aufführen kann, ohne an das schlimme Schicksal des Komponisten zu erinnern. Fünf Wochen nach der Uraufführung von „Ball im Savoy“ wurde Abraham ins Exil gezwungen. Wallner deutet das an, indem er schwarz Uniformierte mit roten Armbinden unter die Meute der ausgelassen Feiernden im Savoy mischt. Warum dann am Ende auch noch ein Kind im roten Mantel als Anspielung auf eine Szene aus dem Film „Schindlers Liste“ auftritt, erschloss sich allerdings nicht.

Jürgen Feldhoff

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