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Barlach, Renoir und Goya in Gottorf

Barlach, Renoir und Goya in Gottorf

Etwa 100 Werke aus der 2500 Kunstwerke umfassenden Sammlung Bönsch sind im Landesmuseum zu sehen.

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Mäzenin Elisabetz Bönsch (r.) und Museumschefin Kirsten Baumann mit dem „Porträt einer jungen Dame mit Violine“ von Max Slevogt.

Schleswig. Die Grafik verlange vom Betrachter ein genaues Hinsehen, sagt Elisabeth Bönsch im Gespräch mit der Gottorfer Museumsdirektorin Kirsten Baumann, das im Katalog nachzulesen ist. Die Sammlerin weiß bei aller Leidenschaft für die Kunstform, dass Radierungen, Lithografien oder Holzschnitte nur zu gern unterbewertet werden. „Auf den vergnüglichen Spielplätzen der amüsierten Kunstwelt begegnet man dieser Kunst allerdings weniger“, sagt die 74-Jährige nicht ohne Ironie im Schloss Gottorf. Dort sind unter dem Titel „Ouvertüre“ etwa 100 Kunstwerke aus der 2500 Exponate umfassenden Kollektion des Ehepaars Bönsch zu sehen, Kurator Thomas Gädeke hat eine Auswahl aus den Sammlungsschwerpunkten getroffen.

Die Kunstwerke des Wolfsburger Arztehepaars, die als Dauerleihgabe nach Gottorf kamen, charakterisiert Kirsten Baumann als reine Grafiksammlung, die um einige Gemälde und Skulpturen ergänzt ist. In den 1960er hatten der vor vier Jahren verstorbene kunstsinnige Hans-Joachim Bönsch und seine Frau Elisabeth damit begonnen, Kunst zu kaufen. Eine Lithografie von Henri de Toulouse-Lautrec hatte den Anstoß gegeben und sollte zum Grundstein der Sammlung werden, die Elisabeth Bönsch federführend aufbaute. Bevor man Blatt für Blatt oder ganze Zyklen in den Grafikschrank legte, arbeitete sich das Paar ein Jahr lang in die Materie ein: Die beiden studierten Auktionskataloge, verglichen die Versteigerungserlöse mit den Schätz- und Limitpreisen und sparten sich, wie Thomas Gädeke nach langen Gesprächen mit der Sammlerin sagt, „eine Menge Lehrgeld“.

Das Augenmerk der Bönschs lag über die Jahre und Jahrzehnte auf Werken des deutschen und französischen Impressionismus, der klassischen Moderne und der Nachkriegskunst. Mit ihrem Fokus auf Druckgrafik ist sie mit dem Format und Stellenwert der Sammlung Horn, die in Gottorf dauerhaft gezeigt wird, nicht zu vergleichen. Das sieht Kirsten Baumann nicht anders. Aber die Direktorin bricht für die Beschäftigung mit der Grafik eine Lanze und verweist zum anderen darauf, dass die Blätter der Bönsch-Sammlung als „perfekte Ergänzung“ zu Horn ins Haus komme und im Bestand der impressionistischen Kunst eine Lücke schließe. Pro Jahr will man eine Sonderausstellung aus dem Bönsch-Bestand generieren, die entweder in Gottorf oder in den anderen Dependancen der Stiftung denkbar sei.

Was die Museumsfrau angesichts künftiger Präsentationen besonders freut, ist der konservatorische Zustand der Sammlung. Alle Blätter in Leinenschubern seien sorgsam passepartouriert. Dass es an Stoff für weitere tiefere Einblicke und thematische Kabinettschauen nicht mangelt, belegt Thomas Gädeke anhand von rund 100 Blättern. Ausgewählte Gemälde von Lovis Corinth, Max Slevogt, Max Liebermann, Werner Gilles und Karl Hofer setzen in den Ausstellungsräumen des 19. Jahrhunderts im Schloss vor farbigen Wänden die nötigen Akzente.

Gädeke hat den Rundgang durch die Schau chronologisch aufgebaut, was naheliegend ist. Denn die titelgebende Ouvertüre sei eben als Einstimmung gedacht und keineswegs als Höhepunkt, sagt er. Der solle mit monografischen Sonderschauen ja noch folgen. So wird der Blick auf eine großformatige Lithografie Henri de Toulouse-Lautrecs mit dem Titelmotiv der literarisch-künstlerischen Zeitschrift „La Revue“ gelenkt, für die Künstlermuse, Pianistin und Salondame Misia Sert Modell gestanden hatte. An manchen Blättern von Daumier, Cézanne oder Renoir geht man schneller vorbei als an Goyas fulminanten Stierkampfszenen und Caprichos, die als Rückgriff eine Wand füllen.

Unter den deutschen Impressionisten fallen vor allem die feinen, aber umso prägnanteren Radierungen von Lesser Ury ins Auge, der wie kein zweiter das Berliner Großstadtleben auf kleinstem Blattformat einfangen konnte. Diese nach persönlichen Vorlieben gewachsene Kollektion in publikumswirksame Museumsformate zu gießen, steht künftig als Herausforderung im Raum. Klug, dass die Stiftung sich vertraglich offenbar sinnvolle Freiheitsgrade eingeräumt hat.

Fakten und Führungen

Die Ausstellung „Ouvertüre – Einblicke in die Sammlung Bönsch“ ist bis zum 19. Februar zu sehen. Sie bietet in einer ersten Ausstellung in der Galerie des 19. Jahrhunderts ein Überblick über die Schwerpunkte der Sammlung Bönsch, aus der in den kommenden Jahren jährlich Ausstellungen zu einzelnen Künstlern und Themen gezeigt werden. Öffnungszeiten Di-Fr 10-16, Sa/So 10-17 Uhr.

Neben den Führungen sonntags um 14 Uhr geben Sonderführungen Einblick in grafische Techniken. 5. November, 14 Uhr, Rundgang mit dem Grafiker Joachim Mocka: „Die Kunst der Druckgrafik“.

Ein Workshop mit Heide Klencke unter dem Thema „Impressionismus: Die Neuen“ findet am 14./15. Januar von 11-17 Uhr statt. Anmeldungen unter (04621) 813333 oder www.schloss-gottorf.de

Maren Kruse

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