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Begegnungen mit Dänemark

Lübeck Begegnungen mit Dänemark

Ausstellung im Behnhaus stellt deutsche und dänische Gemälde von 1860 bis 1960 gegenüber.

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Harald Slott-Møllers „Bildnis meiner Frau“ , links daneben Anselm Feuerbachs „Blumenmädchen“, rechts Lovis Corinths „Sommer“.

Lübeck. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Dänemark auf kulturellem Gebiet ist seit vielen Jahren diskutiert worden. Noch intensiver, seitdem feststeht, dass die feste Querung des Fehmarnbelts tatsächlich gebaut wird. Jetzt tragen diese Diskussionen endlich Früchte. Das Museum Behnhaus/Drägerhaus zeigt ab heute eine Ausstellung, in der Bilder deutscher und dänischer Künstler aus den Jahren von 1860 bis 1960 gegenübergestellt werden.

LN-Bild

Ausstellung im Behnhaus stellt deutsche und dänische Gemälde von 1860 bis 1960 gegenüber.

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Service

Die Ausstellung ist von heute an bis zum 30. Dezember im Museum Behnhaus Drägerhaus zu sehen.

Öffentliche Führungen finden jeden Sonntag um 11.30 Uhr statt, eine Abendführung gibt es am 11. Oktober um 17 Uhr. Kosten für Führungen: 11 Euro (Erwachsene), Kinder 6,50 Euro.

Der Katalog zur Ausstellung kostet 19,90 Euro.

Die Ausstellung ist Teil des neuen deutsch-dänischen Museumsnetzwerkes „Nordmus“ und wurde vom Behnhaus und dem dänischen Fuglsang Kunstmuseum in Toreby auf Lolland konzipiert, in Dänemark war sie bereits zu sehen. 34 Bilderpaare zeigen Gemeinsamkeiten und verschiedene Pfade, auf denen die Künstler beider Länder den Weg in die Moderne antraten. Die Werke stammen aus den Beständen des Behnhauses und des Museums in Toreby.

Die Gemäldepaare sind in Themenbereiche gegliedert, die Palette reicht von Selbstporträts bis zu Landschaftsbildern. Erstaunlich ist die durchweg hohe Qualität der gezeigten Bilder. Wenn etwa in der Abteilung der Landschaftsbilder ein Frühwerk des Dänen Olaf Rude (1886-1957) neben einer pfälzischen Landschaft von Max Slevogt (1868-1932) hängt, dann sind das nicht nur zwei ausgezeichnete Bilde zweier großer Maler. Zu vergleichen sind die Bilder auch stilistisch: Slevogt war einer der großen deutschen Impressionisten, er malte die Landschaft der Pfalz immer wieder. Der zur Zeit der Entstehung seiner Landschaftsdarstellung noch sehr junge Olaf Rude stand hingegen noch ganz unter dem Eindruck des Realismus. Slevogt blieb zeit seines Lebens dem Impressionismus treu, Rude ging nach Paris und entwickelte einen immer moderneren, expressiveren Stil.

Im Bereich der Moderne kontrastieren zum Beispiel die Bilder von Jais Nielsen (1885-1961) und Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938). Kirchner behauptete stets, nicht von künstlerischen Entwicklungen in Frankreich beeinflusst worden zu sein, seine Großstadtlandschaft kann trotz aller expressionistischen Attribute eine gewisse Verwandtschaft zur Malerei von Henri Matisse nicht verleugnen. Jais Nielsen malte seine „Abfahrt!“ 1918 ganz im Stile des Kubismus – das Bild gilt als eine der Ikonen der Moderne in Dänemark.

Es sind natürlich auch die Malerei–Schulen und -Vereinigungen, die in den „Begegnungen“ eine Rolle spielen. Die Skagen-Schule in Dänemark etwa, prominent vertreten unter anderem durch Anna Ancher, deren wunderbare Komposition „Zur Erntezeit“ impressionistische Einflüsse zeigt, aber doch ganz eigenständig ist. Die „Weimarer Schule“ der Freiluftmalerei ist am Beispiel von Karl Buchholz zu erkennen. Detailreiche Beobachtungen, wunderbare Darstellungen von Wetter und Licht – tatsächlich eine ganz eigene Schule.

Herausragend unter den Porträts der Ausstellung ist Harald Slott-Møllers Bildnis seiner Ehefrau aus dem Jahr 1887. Fast lebensgroß ist dieses Bildnis der damaligen Verlobten des Malers, der sie ein Jahr nach Entstehung des Bildes heiratete. Slott-Møller gehörte zur dänischen Avantgarde, dieses Bild stieß seinerzeit bei der akademisch orientierten Kritik auf wenig Gegenliebe. Dabei ist es eines der faszinierendsten Frauenbildnisse in der dänischen Kunst des späten 19. Jahrhunderts. Eine lebenskluge Frau mit Charakter blickt aus diesem Bild, die Details sind mit malerischer Meisterschaft dargestellt, der neutrale Hintergrund hebt die Gestalt aus dem Hier und Jetzt. Ein Meisterwerk, das außerdem gekonnt mit den Vorbildern der spanischen und niederländischen Barockmalerei spielt.

Dieses Bild ist einer der Höhepunkte der „Begegnungen“ deutscher und dänischer Kunst im Behnhaus. Eine gelungene und überaus sehenswerte Ausstellung.

Jürgen Feldhoff

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