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Begegnungen mit dem Rätsel Mensch

Lübeck Begegnungen mit dem Rätsel Mensch

„Schwarzweißmalerei“ in der Galerie Artler – Der Lübecker Künstler Thai Lüdi löst Personen aus ihren Bezügen.

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Was tun die Männer da? Auf seinen Bildern isoliert der Lübecker Künstler Thai Lüdi Menschen aus ihrem Kontext.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Ein kleiner Tisch und eine alte Schreibmaschine begleiten alle Ausstellungen, an denen Thai Lüdi beteiligt ist – eine Aufforderung an Besucher, Gedanken zu seinen Bildern aufzuschreiben. Nun stehen Tisch und Schreibmaschine, in die ein langes Blatt Packpapier eingespannt ist, in der Galerie Artler in der Großen Burgstraße. Dort ist von morgen an seine Ausstellung „Alltag und Schicksal – Schwarzweißmalerei“ zu sehen.

Thai Lüdi, Jahrgang 1969, arbeitet mit alten Schwarzweiß-Fotos, nach denen er in Büchern oder Zeitschriften stöbert. Stundenlang könne er sich darin vertiefen, sagt er, entdecke auch immer wieder Neues. Menschen, die ihn ansprechen, bringt er auf die Leinwand und – losgelöst aus ihren Zusammenhängen – zum Schweben. Ein Paar, das nach etwas Ausschau hält. Die Frau, die dem Betrachter den Rücken zuwendet. Sie trägt einen Mantel, Stiefel mit hohen Absätzen, in der linken Hand hält sie eine Tasche eng am Körper. Die Frau nimmt nur einen kleinen Teil der Bildfläche ein, ihre Position am rechten Bildrand lässt sie ein wenig verloren wirken.

Thai Lüdi verwendet oft das Format 30 mal 30 Zentimeter. Das ist ausreichend, um Menschen – auch zwei oder drei – von Kopf bis Fuß abzubilden. Manche aber gehen aus dem Format, dann fehlen etwa der Kopf oder der Körper.

Lüdi entwickelt zu Figuren, die er malt, eine Vertrautheit. Wenn er sie aus ihren Bezügen herauslöst und mit Bleistift, Buntstift oder Aquarellfarben auf weißen Untergrund bringt, entstehen jedoch Uneindeutigkeiten, die er ganz bewusst herbeiführt. Betrachter sind mit ihrer Sichtweise ganz auf sich allein gestellt. Bildtitel gibt es nicht.

Im Hauptberuf ist Thai Lüdi Sozialpädagoge und Kunsttherapeut. Wenn er gefragt wird, wann er angefangen habe zu malen, antwortet er: „Ich habe niemals aufgehört.“ Was heißen soll: von Kindesbeinen an. Künstlerisch ist er Autodidakt. Zwar habe er daran gedacht, Kunst zu studieren, sagt er. Als er diesen Plan aber habe umsetzen wollen, sei der letzte Lehrer figurativer Malerei an der Kunstakademie in seiner Heimatstadt München in den Ruhestand gegangen. Und in der Abstraktion fühle er sich nicht zu Hause.

Seine Quellen, Fotografien meist aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sind für Lüdi zugleich eine vertraute wie auch fremde Welt. Zwar gehöre die Schwarzweiß-Fotografie nicht zu seiner eigenen Lebenswirklichkeit, sagt er. „Aber ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der er sie noch gab.“

Vernissage morgen um 17 Uhr. Bis 9. Juli, Artler, Große Burgstraße 32. Am 2. Juli gibt es ab 19 Uhr heitere Titel(er-)findung und Plaudern mit dem Künstler.

liz

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