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Kultur im Norden Berlin soll Heimat des Jazz werden
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19:12 28.06.2017

. Von Rockmusiker Frank Zappa stammt die Aussage: „Jazz is not dead, it just smells funny.“ Zu deutsch: „Der Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch.“ Man konnte soeben beim Festival Jazz Baltica an der Ostsee erleben, dass Zappa irrte: Der Jazz lebt und hat, wenn er in ansprechendem Rahmen serviert wird, auch keinen schlechten Beigeschmack, sondern eine große Anhängerschaft.

Cool und virtuos: Till Brönner ist das Gesicht des deutschen Jazz. Er setzt sich mit dem „House of Jazz“ für Nachwuchsförderung ein. Quelle: Fotos: Sony, Dpa

Um diesen Rahmen geht es Till Brönner (46), einem Weltstar des Jazz. Er konstatiert: „Die junge Generation von Jazzmusikern zeigt sich experimentierfreudig, neugierig und offen, beklagt aber die Situation auf dem Arbeitsmarkt und die unzureichende Vorbereitung durch die Hochschullandschaft auf die Bedingungen und Umstände der Arbeitspraxis.“ Für die Verbesserung dieser Bedingungen will der Trompeter sein Renommee in die Waagschale werfen und in Berlin ein „House of Jazz“ gründen.

Brönner und seine Mitstreiter, unter anderem die IG Jazz Berlin, sprechen sich in einem Konzeptpapier dafür aus, in der Alten Münze, einem Gebäudekomplex im Bezirk Mitte, eine „Institution mit Leuchtturmcharakter“ zu schaffen. Brönner ist sich sicher: Die „internationale Strahlkraft solch einer Institution aus dem Zentrum Europas in andere Kulturmetropolen der Welt hinein wird sich messbar und langfristig auswirken.“

In dem Papier heißt es: „Ein solches ,House of Jazz’ würde nicht nur Bühne, Forum und Club sein, sondern gleichzeitig auch Produktionsstätte, Bildungseinrichtung und Werkstatt.“ Übungsräume, Auftrittsmöglichkeiten, Studios und eine Jazz-Akademie sollen entstehen. Das Papier ist für die Beratung im Berliner Haushaltsausschuss gedacht. Dieser hatte Ende vergangenen Jahres überraschend 12,5 Millionen Euro für das Brönner-Projekt bewilligt.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) kündigte allerdings an, sich für eine Umwidmung der Mittel einzusetzen. Das Land brauche ein „Haus der Basiskultur“, beschied der ehemalige Sozialarbeiter und promovierte Jurist. Auf dem Areal arbeiten auch jetzt schon Künstler, Galeristen und Initiativen, die in die Planung mit einbezogen werden sollen.

In dem Papier heißt es nun, die Jazz-Szene wolle mit dem Bund und dem Land Berlin ein tragfähiges Nutzungskonzept erarbeiten. Auf dem Gelände der Alten Münze biete sich besonders das bisher für Ausstellungen und Events genutzte Haus vier an. Hier könne ein „besonderer, für Künstlerinnen und Künstler und für das Publikum gleichermaßen attraktiver Ort“ entstehen. Das „House of Jazz“

braucht dem Konzept zufolge eine Fläche von 3500 bis 4000 Quadratmetern. Vorgesehen ist ein großer Saal mit rund 400 Sitzplätzen und ein kleinerer mit 150 bis 180 Plätzen. Für den Betrieb seien etwa 15 Stellen und ein gesichertes Budget nötig.

Einen anderen Standort als Berlin halten die Autoren für ausgeschlossen. „Wie New York ist auch Berlin einer der wichtigsten Sammelpunkte für forschende und visionäre Jazzmusikerinnen und -musiker aus aller Welt“, heißt es. „In einer zentralen Spielstätte soll diese Vernetzung institutionalisiert und mit Hilfe von Austauschprogrammen mit anderen Spielstätten und Institutionen vor allem in Europa vorangetrieben werden.“

Die Alte Münze, 1935 nur 200 Meter vom Roten Rathaus entfernt erbaut, war 70 Jahre lang die Prägeanstalt für Reichsmark, DDR- Mark, D-Mark und Euro. Bereits in den 1980er Jahren war der Komplex unter Denkmalschutz gestellt worden. Die Industrieanlage ist dringend sanierungsbedürftig.

Unterstützung erhält Till Brönner auch von der Konkurrenz aus der Klassik-Branche. Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden, lässt sich mit den Worten zitieren: „Jazz ist eine große Weltsprache und in seiner kommunikativen Kraft nicht hoch genug einzuschätzen. Ein ,House of Jazz‘ in meiner Wahlheimat Berlin wäre eine große Bereicherung unserer Metropole.“

Till Brönner in Lübeck

The Good Life heißt das Programm, mit dem Trompeter Till Brönner am kommenden Dienstag in der Musik- und Kongresshalle Lübeck auftritt. „The Good Life“ ist ein Song, den einst der US-Entertainer Tony Bennet sang (und der Titel seiner Autobiografie). Brönner spielt das Stück in seiner Jazz-Version, dazu weitere Klassiker des Great American Song Book. Und er singt in seiner lässig-unbeschwerten Art. Begleitet wird er von einer sechsköpfigen Band.

Konzert: Di., 4. Juli, 20 Uhr, MuK

Nada Weigelt und Michael Berger

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