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Kultur im Norden Berlinale: Suche nach dem Glück
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19:15 16.02.2016
Colin Firth (l.) und Jude Law in „Genius“ von Michael Grandage.

Zumeist sind es ganz junge Kinohelden, von denen sich die Zuschauer bei dieser 66. Berlinale anrühren lassen. Im Drama „Quand on a 17 ans“ (Wenn man 17 ist) von André Téchiné ist es ein harter Fight, bis zwei Schüler zu ihrer Liebe stehen. Der französische Altmeister hat daraus aber nicht das gemacht, was man einen Problemfilm nennt. Er inszeniert eine Entdeckungsgeschichte, bei der Damien und Thomas ihre Sehnsüchte, die Natur und auch den Schmerz des Verlusts erkunden müssen.

Gestern suchte noch ein Jugendlicher auf der Leinwand sein Glück: Der Mexikaner Nero, aufgewachsen in Los Angeles, aber dann abgeschoben, will unbedingt zurück ins gelobte Land. Erst scheint er bei seinem Bruder in einer tollen Villa in Beverly Hills unterzukommen. Doch hat sich der Bruder, wie sich herausstellt, seinen amerikanischen Traum nur geborgt. So verdingt sich Nero als „Green Card Soldier“: Wer in irgendeinem fernen Krieg sein Leben für die USA riskiert, stirbt entweder oder darf Amerikaner werden.

Der exil-iranische Regisseur Rafi Pitts schickt Nero auf eine wahre Odyssee. Meist steht Nero am Rand und schweigt, Er gehört nirgendwo dazu. Am Ende ist der junge Mann genauso Flüchtling in einer Wüste, wie er es am Anfang war. Hätte sich Regisseur Pitts noch mehr auf Nero und dessen Verlorenheit in grandiosen Landschaften konzentriert und weniger vom Militärischen begeistern lassen, wäre sein Drama noch überzeugender gewesen.

Und dann war da noch „Genius“, ein Film, der mit Emotionen nicht geizt — und einen doch eher kalt lässt. Der britische Regisseur Michael Grandage erzählt von der Beziehung zwischen dem New Yorker Lektor Max Perkins (Colin Firth) und dem exzentrischen Autor Thomas Wolfe (Jude Law). Wir werden Zeuge des Ringens um Worte, Sätze, ganze Buchkapitel. Perkins ist vieles für Wolfe, Sprachbändiger, Therapeut, Mädchen für alles. Eine ganze Riege von renommierten Hollywoodkräften (Nicole Kidman, Laura Linney) fühlt sich in diesem Kostümstück der Literatur verbunden. Aber mehr als gediegene Unterhaltung kommt dabei nicht heraus.

Stefan Stosch

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