Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Berliner Luft in Lübecks Gassen
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Berliner Luft in Lübecks Gassen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 28.07.2018
Sharon Brauner (l.) und Meta Hüper lassen den Schuppen C im Rhythmus der Roaring Twenties swingen. Quelle: Foto: Erik Nielsen/fotonick
Lübeck

Im Halbrund der Reformierten Kirche in der Königstraße trat Hope am Freitagnachmittag mit Josephine Knight und Sebastian Knauer vor das Publikum. Sie kennen sich schon lange, der große Geiger, die britische Cellistin und der vielseitige Pianist aus Hamburg. Und auch Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 ist für sie ein erprobtes Stück. Es bildete den zweiten Teil des Konzerts, der erste war Ludwig van Beethovens Klaviertrio Es-Dur op1. Nr. 1 mit dem berückenden zweiten Satz vorbehalten – ein Erlebnis. Was auch die Zuschauer fanden und nach Konzertende eine Weile sitzen blieben in der Hoffnung, die Musiker kämen noch einmal zurück. Aber das erlaubte der Zeitplan nicht, musste Hope doch zwei Stunden später in den Schuppen C zum nächsten Termin.

Dort wurden die „Roaring Twenties“ besungen, die Goldenen Zwanziger, die so golden gar nicht waren. Das Capital Dance Orchestra aus Berlin hatte zu Jazz, Swing und Tango geladen, zu Friedrich Holländer und Marlene Dietrich. Zehn Männer und zwei Frauen ließen unter der Leitung von David Canisius Erinnerungen wieder aufleben an die Zwischenkriegszeit, in der die Lola fesch war und man Musik machte, bei der einem der Hut hochging.

Daniel Hope schaute kurz herein und spielte zwei Stücke mit. Vor allem aber sangen Sharon Brauner und Meta Hüper, dass es eine Art hatte. Jiddische und russische Lieder, „Bei mir bist du scheen“

und „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, dazu Meta Hüper, die man auch von Salut Salon kennt, an der Geige und der singenden Säge. Das passte mit seinem irrlichternden Charme alles sehr gut zu dem Ambiente, zu dem alten Hafenschuppen, durch dessen Ritzen zwischen den Brettern an den Wänden das Licht fiel. Die Zuschauer waren sehr begeistert.

Um 22 Uhr, als draußen der Blutmond seine Bahn zog, begann in den samtenen Sesseln des Volkstheaters Geisler der dritte Teil des Abends. „Nachtsalon“ war er überschrieben, eine Soiree mit dem Cellisten Eckart Runge und Jacques Ammon am Flügel. Daniel Hope gab auch hier nur ein kurzes Gastspiel, aber mit Franz Schuberts „Notturno“ ein besonders schönes. Es bildete den Auftakt für ein weit gespanntes Programm von Ammon und Runge, der wie Hope in Lübeck an der Musikhochschule studiert hat und mit dem Artemis Quartett beim Festival noch mal zu hören sein wird. Auf Tschaikowskys „Valse Sentimentale“ folgten Ausflüge in den Jazz mit dem russischen Komponisten Nikolai Kapustin, auf Ausflüge in den Tango Filmmusik aus Fellinis „8 1/2“. Am Schluss wurde der Bogen zurück geschlagen mit Miles Davis und Chick Corea, so etwas wie zwei Franz Schuberts des Jazz. Dann trat man vor die Tür und schaute einem anderen Schauspiel zu, oben am Himmel, wo sich der Erdschatten langsam vom Mond entfernte.

Wer als Musiker an die Weltspitze möchte und auch das gewisse Etwas hat, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, stellt sein Leben in den Dienst der Musik. Daniel Hope scheint Erholungspausen nicht zu kennen – zumindest nicht während des Musikfestes, dem er auch am Sonnabend wieder jedes Privatleben unterordnete und ab dem frühen Nachmittag bis in den späten Abend in Lübeck sein Können zeigte.

In seinem eindrucksvollen Portraitfilm „Der Klang des Lebens“ erzählt Regisseur Nahuel Lopez Geschichte des Geigers Daniel Hope und dessen Familie, die christlich ist und jüdische Wurzeln hat. Der 44-Jährige ist ein Weltbürger: geboren in Südafrika, aufgewachsen in London mit Yehudi Menuhin als eindrucksvollem Vorbild gleich nebenan. Studiert hat Hope auch an der Lübecker Musikhochschule. Der Film stimmt nachdenklich, denn es geht um das Leben seiner Familie, die enteignet und vertrieben wurde, aber nach Deutschland zurückgekehrt ist – Hope lebt inzwischen in Berlin. Daniel Hope und Pianist Sebastian Knauer eröffneten im ausverkauften Filmhaus den Nachmittag mit „Summertime“ von George Gershwin. Hope wäre nicht Hope, wenn er über die schmelzende Melodie nicht eine noch glanzvollere Improvisation gesetzt hätte. Mit federleichter Hand schüttelte er sie aus dem Ärmel.

P. Intelmann/C. Schoof

Wurzeln in Berlin

Daniel Hope (44) wurde in Südafrika geboren und wuchs in London auf. Sein Vater ist der Schriftsteller Christopher Hope. Über seine Mutter, die als Sekretärin und später als Managerin Yehudi Menuhins arbeitete, kam er in Kontakt mit dem großen Geiger und wurde das jüngste Mitglied des Beaux Art Trios. Neben der Musik ist er auch als Autor von vier viel beachteten Büchern erfolgreich.

Seine Familie hat Wurzeln in Berlin und musste vor den Nazis fliehen. Inzwischen lebt er mit seiner Familie selbst wieder dort und ist deutscher Staatsbürger.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Hamburg. Wenn Horst Schroth Süßholz raspelt, muss man aufpassen – in seinen Komplimenten verstecken sich oft fiese kleine Bosheiten. Das kann kaum jemand so charmant bösartig wie er. Der Kabarettist wurde dafür gleich zweimal mit dem Deutschen Kleinkunstpreis geadelt.

28.07.2018

Bayruth. Katharina Wagner hat es nicht leicht beim Publikum der Bayreuther Festspiele. Nach der Aufführung ihrer „Tristan und Isolde“-Inszenierung am Freitagabend wurde die Regisseurin und Festspiel-Chefin wieder einmal ausgebuht – noch etwas heftiger als in den Jahren zuvor.

28.07.2018

Schwerin. Bei den Theater-Open-Airs in Mecklenburg-Vorpommern klingeln in diesem Jahr die Kassen. Das anhaltende Sommerhoch über dem Norden lockt viel Publikum in die Freiluft-Arenen des Landes – die Zuschauerzahlen liegen zur Halbzeit vielerorts über den Vorjahreswerten.

28.07.2018