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Berliner Milljöh mitten in Lübeck

Lübeck Berliner Milljöh mitten in Lübeck

Lübeck. Sie hießen „Schall und Rauch“, „Größenwahn“, „Wilde Bühne“ oder „Tingel-Tangel-Theater“ – in den 1920er Jahren wimmelte es in Berlin vor Revuetheatern und Kabaretts.

Lübeck. Lübeck. Sie hießen „Schall und Rauch“, „Größenwahn“, „Wilde Bühne“ oder „Tingel-Tangel-Theater“ – in den 1920er Jahren wimmelte es in Berlin vor Revuetheatern und Kabaretts.

 

LN-Bild

Janz schön kess: Mona Hermes (v.l.), Felix Müller, Joachim Kuipers, Michael P. Schulz und Franziska Blaß laden ein zur musikalischen Zeitreise in das Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts.

Quelle: Olaf Malzahn

Politisch und literarisch, kritisch und originell waren sie, und die Musik von Komponisten wie Walter Kollo, Ralph Benatzky, Oscar Straus, Paul Abraham und Otto Reuter klingt bis heute im Ohr.

Ein reicher Fundus also, aus dem sich Michael P. Schulz und Joachim Kuipers bedienen konnten. Sie haben die Revue „Es gibt nur ein Berlin“ auf die Bühne gebracht, wobei sich der Titel auf das gleichnamige Lied von Willi Kollo bezieht und kein geografisches Statement ist. Im Volkstheater Geisler feierte das Stück am Donnerstag Premiere – ein amüsanter Start in die 22. Saison der „Lübecker Sommeroperette“.

Liebeserklärungen

an eine Stadt

Die roten Theatersessel und das Plüsch-Ambiente im Geisler passen zur musikalischen Zeitreise ebenso wie die großformatigen Berlin-Fotos und Filmeinspielungen auf der Bühne. Der Abend beginnt mit zwei Liebeserklärungen: „Ne dufte Stadt ist mein Berlin“ von Walter Kollo und „Wie schön bist du, Berlin“ von Jean Gilbert.

Beide aus dem Jahr 1910 und irgendwie zeitlos, wenn es im ersten Song um den Berliner Gestank geht und im zweiten Lied etwa heißt: „Een richtiger Berliner, der macht sich nie was vor, sogar wenn alles schief geht, behält er den Humor.“ Später sagte man dazu: Arm, aber sexy.

Franziska Blaß, Mona Hermes, Felix Müller und Michael P. Schulz singen solo oder gemeinsam, wobei die Rollen klar verteilt sind.

Franziska Blaß, frühere Studentin der Musikhochschule Lübeck, übernimmt den Part der kessen Berlinerin mit rotzigem Jargon, etwa wenn sie „Warum soll er nich mit ihr“ von Walter Mendelssohn singt oder „Wegen Emil seine unanständ’ge Lust“ von Paul Strasser. Man staune: Schon im Jahr 1929 ging es um Schönheitsoperationen: „Ick laß mir nich die Neese verpatzen. . . ick laß mir nich das Fett aus de Oberschenkel kratzen, wegen Emil seine unanständ’ge Lust.“

Mona Hermes, die in Berlin geboren wurde und dort Musik studierte, gibt sich etepetete und kann auch kokett, wenn sie fragt „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ (Oscar Straus, 1932).

Felix Müller ist die Ulknudel und macht aus dem bekannten Couplet von Otto Reutter „Der Überzieher“ Stand up Comedy.

Michael P. Schulz behält sich die leisen Töne vor. Seine Hommage an den Maler Heinrich Zille „Sein Milljöh“ von Willi Kollo wird mit Aufnahmen von Berliner Gören, die im Rinnstein spielen, hinterlegt.

Interessante

Neuentdeckungen

Die vier Sänger zeigen eine sportliche Leistung: 50 Titel singen sie – mit einer Pause – hintereinander ohne erklärende Moderationen. Hintergründe zu den Komponisten und zum Berlin Anfang des vergangenen Jahrhunderts liefert das Programmheft.

Einige schmissige Gassenhauer mit Mitklatschpotential wie die „Berliner Luft“ fehlen, dafür gibt es interessante Neuentdeckungen und die Erkenntnis: Irgendwie haben sich die Themen kaum geändert. Das Publikum dankte den Sängern und Joachim Kuipers, der am Klavier ein flottes Tempo vorgab, mit herzlichem Applaus.

Lübecker Sommeroperette

„Es gibt nur ein Berlin“ wird noch heute, morgen und vom 31. August bis zum 4. September im Volkstheater Geisler in Lübeck, Dr.-Julius-Leber-Straße 25, gespielt.

„Spanische Serenade“ heißt die Operetten-Revue, die traditionelle Tänze wie Tango und spanischen Walzer mit berühmten Operetten- und Musicalmelodien verbindet. Premiere ist am 5. August im Johanneum Lübeck, weitere Vorstellungen gibt es am 6., 7., 17., 19., 21., 25. und 27. August.

„Polenblut“ ist eine fast in Vergessenheit geratene Operette des böhmischen Komponisten Oskar Nedbal, die in den ersten Jahren nach ihrer Wiener Uraufführung 1913 insgesamt über 4000 Mal auf die Bühne kam. Ihre fröhliche Musik ist ein Grund, warum sie nun wieder aufgeführt wird.

Termine: 11. bis 14. August sowie 18., 20., 24., 26., 28. August im Johanneum Lübeck.

Infos und Tickets:

luebecker-sommeroperette.de

Petra Haase

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