Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / -2 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Berliner Milljöh mitten in Lübeck

Berliner Milljöh mitten in Lübeck

Mit Berliner Chansons, Couplets und Operettenmelodien aus den Jahren 1910 bis 1932 startet die „Lübecker Sommeroperette“ in ihre 22. Saison.

Lübeck. Sie hießen „Schall und Rauch“, „Größenwahn“, „Wilde Bühne“ oder „Tingel-Tangel-Theater“ – in den 1920er Jahren wimmelte es in Berlin vor Revuetheatern und Kabaretts.

Politisch und literarisch, kritisch und originell waren sie, und die Musik von Komponisten wie Walter Kollo, Ralph Benatzky, Oscar Straus, Paul Abraham und Otto Reuter klingt bis heute im Ohr.

Ein reicher Fundus also, aus dem sich Michael P. Schulz und Joachim Kuipers bedienen konnten. Sie haben die Revue „Es gibt nur ein Berlin“ auf die Bühne gebracht, wobei sich der Titel auf das gleichnamige Lied von Willi Kollo bezieht und kein geografisches Statement ist. Im Volkstheater Geisler feierte das Stück am Donnerstag Premiere – ein amüsanter Start in die 22. Saison der „Lübecker Sommeroperette“.

Liebeserklärungen

an eine Stadt

Die roten Theatersessel und das Plüsch-Ambiente im Geisler passen zur musikalischen Zeitreise ebenso wie die großformatigen Berlin-Fotos und Filmeinspielungen auf der Bühne. Der Abend beginnt mit zwei Liebeserklärungen: „Ne dufte Stadt ist mein Berlin“ von Walter Kollo und „Wie schön bist du, Berlin“ von Jean Gilbert.

Beide aus dem Jahr 1910 und irgendwie zeitlos, wenn es im ersten Song um den Berliner Gestank geht und im zweiten Lied etwa heißt: „Een richtiger Berliner, der macht sich nie was vor, sogar wenn alles schief geht, behält er den Humor.“ Später sagte man dazu: Arm, aber sexy.

Franziska Blaß, Mona Hermes, Felix Müller und Michael P. Schulz singen solo oder gemeinsam, wobei die Rollen klar verteilt sind.

Franziska Blaß, frühere Studentin der Musikhochschule Lübeck, übernimmt den Part der kessen Berlinerin mit rotzigem Jargon, etwa wenn sie „Warum soll er nich mit ihr“ von Walter Mendelssohn singt oder „Wegen Emil seine unanständ’ge Lust“ von Paul Strasser. Man staune: Schon im Jahr 1929 ging es um Schönheitsoperationen: „Ick laß mir nich die Neese verpatzen. . . ick laß mir nich das Fett aus de Oberschenkel kratzen, wegen Emil seine unanständ’ge Lust.“

Mona Hermes, die in Berlin geboren wurde und dort Musik studierte, gibt sich etepetete und kann auch kokett, wenn sie fragt „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ (Oscar Straus, 1932).

Felix Müller ist die Ulknudel und macht aus dem bekannten Couplet von Otto Reutter „Der Überzieher“ Stand up Comedy.

Michael P. Schulz behält sich die leisen Töne vor. Seine Hommage an den Maler Heinrich Zille „Sein Milljöh“ von Willi Kollo wird mit Aufnahmen von Berliner Gören, die im Rinnstein spielen, hinterlegt.

Interessante

Neuentdeckungen

Die vier Sänger zeigen eine sportliche Leistung: 50 Titel singen sie – mit einer Pause – hintereinander ohne erklärende Moderationen. Hintergründe zu den Komponisten und zum Berlin Anfang des vergangenen Jahrhunderts liefert das Programmheft.

Einige schmissige Gassenhauer mit Mitklatschpotential wie die „Berliner Luft“ fehlen, dafür gibt es interessante Neuentdeckungen und die Erkenntnis: Irgendwie haben sich die Themen kaum geändert. Das Publikum dankte den Sängern und Joachim Kuipers, der am Klavier ein flottes Tempo vorgab, mit herzlichem Applaus.

Petra Haase

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden

LIVE: Reden Sie über Ihren Kultur-Abend

Wie war die Theaterpremiere? Wie ist die Stimmung bei der 90er Party? Wie hat Ihnen das Konzert gefallen? Hier unterhält sich Lübeck und die Region über Kultur und Szene!

Bitte beachten Sie: Dieser Chat wird nicht regelmäßig moderiert. Bitte verhalten Sie sich daher so, wie Sie es auch im persönlichen Gespräch tun würden. Schreiben Sie uns eine Mail, wenn Ihnen Inhalte auffallen, die hier nicht stehen sollten.