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Kultur im Norden Bestürzung über den Tod eines deutschen Chronisten
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21:17 13.09.2013
Erich Loest (1926-2013). Quelle: Foto: Lutz Roeßler

Die Nachricht vom Tod des Schriftstellers Erich Loest hat deutschlandweit Betroffenheit ausgelöst. Der 87-Jährige hatte sich am Donnerstagabend in seiner Heimatstadt Leipzig aus einem Fenster der Uniklinik gestürzt.

Joachim Gauck sagte: „Sein Tod erfüllt mich mit großem Schmerz.“ Der Bundespräsident würdigte Loest in einem Beileidsschreiben an dessen Lebensgefährtin und den Sohn: „Wir Leserinnen und Leser verlieren in ihm nicht nur einen großen Erzähler und einen unbestechlichen Chronisten deutscher Geschichte. Wir verlieren einen Schriftsteller mit einer unbeugsamen Haltung.“

Erich Loest begann nach Kriegsdienst und kurzer amerikanischer Gefangenschaft 1947 ein Volontariat bei der „Leipziger Volkszeitung“. Er trat der SED bei und schrieb den Roman „Jungen, die übrig bleiben“. Als die Erzählung über seine Kriegsgeneration 1950 veröffentlicht wurde, warf ihm die Partei „Standpunktlosigkeit“ vor. In den Folgejahren wurde Loest massiv von der Staatssicherheit überwacht und saß siebeneinhalb Jahren im DDR-Zuchthaus Bautzen. Nach der Entlassung 1964 kehrte er nach Leipzig zurück. Mit dem autobiografischen Roman „Es geht seinen Gang oder die Mühen der Ebene“ meldete er sich 1978 in der zeitkritischen DDR-Literatur zurück. In einem offenen Brief an SED-Parteichef Erich Honecker kritisierte Loest 1979 gemeinsam mit anderen Schriftstellern die Zensur. Er bekam Publikationsverbot.

1981 ging er in den Westen. Mitte der 1980er Jahre erschien sein Roman „Völkerschlachtdenkmal“, in dem er Leipzigs Geschichte von Napoleon bis Honecker erzählt und analysiert, warum die Sachsen so oft Opfer der Geschichte waren. Als die Mauer fiel, kehrte er nach Sachsen zurück. 1995 erschien sein Roman „Nikolaikirche“ um die Ereignisse der Leipziger Montagsdemonstrationen vom Herbst 1989.

Sein letztes Buch behandelt noch einmal deutsch-deutsche Geschichte. „Lieber hundertmal irren“ erzählt vom Kommunisten Vogelsberg, der nach dem Krieg in der sowjetischen Besatzungszone für die Säuberung der Stadtverwaltung von Nazis sorgen soll. Er funktioniert in dem neuen System so gut, dass er sogar die Inhaftierung seines Sohnes hinnimmt. „Ist schon richtig“, denkt er, „lieber hundertmal mit der Partei irren, als sich einmal gegen sie stellen.“

LN

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