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Kultur im Norden Beuys‘ Heimkehr nach Kleve
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19:12 29.04.2016
Das „Büdericher Ehrenmal“ von Joseph Beuys ist in der Ausstellung in Kleve zu sehen. Quelle: Roland Weihrauch/dpa

. Joseph Beuys legt seine beiden Hände auf das riesige Holzkreuz in seinem Atelier. Es ist das Jahr 1959. Der Künstler, der noch vor seinem Durchbruch steht, hat in der Zeit seiner schweren Krise ein Atelier in seiner Heimatstadt Kleve im ehemaligen Kurhaus angemietet. Dann kommt der lang ersehnte erste große Auftrag. Beuys soll für die Gemeinde Meerbusch-Büderich bei Düsseldorf ein Mahnmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege schaffen. Beuys lässt sich in seinem einsamen Atelier im leerstehenden Kurhaus mit seinem ersten großen Kunstwerk ablichten.

Schon vor seinem Durchbruch hat Beuys in Kleve begonnen, sich zu inszenieren. Er war ein genialer Vermarkter.“ Kuratorin Valentina Vlasic über Joseph Beuys (Foto)

Das monumentale Büdericher Ehrenmal mit zwei schweren Eichentoren und einem Eichenkreuz, das 1959 fest in einen romanischen Kirchturm eingebaut wird, ist ein Schlüsselwerk auf dem Weg weg von seinem Lehrer Ewald Mataré hin zum erweiterten Kunstbegriff. Es markiert das Ende seiner frühen Werkphase.

Rund 30 Jahre nach Beuys' Tod kehrt das Büdericher Ehrenmal nun an seinen — vermeintlichen — Entstehungsort zurück. Zu verdanken ist das dem Taubenkot, sagt Kuratorin Valentina Vlasic. Denn das Ehrenmal ist mit den Jahren verdreckt. Weil es für die Reinigung abmontiert werden musste, kann es nun von morgen an bis zum 4. September im Kurhaus — mitsamt den Beuys-Fotos und Entstehungsskizzen — präsentiert werden. Es bildet den spektakulären zentralen Teil der Ausstellung „Werklinien“ mit Werkgruppen, die Beuys in seinem Atelier konzipiert hat.

Wer denkt, das Museum werde nun einfach Beuys' Atelier von damals rekonstruieren, hat sich getäuscht. Denn die dicken Holztore und das Kreuz erwiesen sich als zu raumgreifend für das nur 70 Quadratmeter große Atelier. Für Besucher wäre kaum Platz geblieben. „Es wäre zu wuchtig“, sagt Vlasic. „Wir möchten Beuys auch nicht imitieren.“ Deshalb steht das Ehrenmal nun in der lichten Wandelhalle des Kurhauses, und das Atelier ist fast leer.

Bei den Recherchen zur Ausstellung wurde erstens klar, dass Beuys das Holz nicht in seinem engen Atelier geschnitzt hatte. Zweitens stellten sich die heute berühmten Fotos von Beuys und Ehrenmal als reine Inszenierung heraus. So sieht man weder Sägespäne auf dem Boden, noch trägt der Meister Arbeitskleidung. „Beuys hat die Idee geliefert, produziert wurde es in einer Krefelder Tischlerei“, sagt Vlasic. Nur die 222 Namen der Gefallenen schnitzte Beuys im Atelier in das Tor — pro Buchstabe bekam er eine Mark. In seinem Atelier präsentierte Beuys sein Werk den Fotografen dann gekleidet mit Hut und weißem Hemd. „Es ist inszeniert wie eine Theaterszene“, sagt Vlasic. Beuys war mit 37 Jahren auch kein junger Mann mehr. Er wusste sich aber zu verkaufen. „Er war ein genialer Vermarkter“, sagt Vlasic.

Die Werkräume im einstigen Friedrich-Wilhelm-Bad hatte Beuys von 1957 bis 1964 angemietet. Seit 2012 sind sie wieder öffentlich zugänglich. In den Vitrinen stehen Beuys' Farben, eine Flasche mit „Hasenblut“, seine Werkzeuge ordentlich aufgereiht, Braunkreuzstempel und Hasenkiefer.

Die Ausstellung beschränkt sich weitgehend auf das mit Kleve verbundene Frühwerk. Eine Ausnahme ist die berühmte „Straßenbahnhaltestelle“ — Beuys' Beitrag zur Biennale 1976, die kein Frühwerk ist. In Kleve hatte Beuys seine Jugend verbracht, er kannte das Kurhaus und die Parks. Nach Kleve holte ihn sein Vater, als er in den 50er Jahren in eine schwere Depression abglitt. In seiner Klever Zeit lernte er auch seine spätere Ehefrau Eva kennen. In der tiefen Schaffenskrise machte Beuys in eremitenhafter Abgeschiedenheit einen künstlerischen Umbruch durch. 1964 gab er das Atelier auf — wegen einer Mieterhöhung.

Ausstellung: Museum Kurhaus Kleve. Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag 11-17 Uhr, Eintritt: 10 Euro/ 5 Euro.

Von Dorothea Hülsmeier

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