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Kultur im Norden Bienenschwärme und Klarinetten-Geschnatter
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23:45 23.01.2016
Sabine Meyer wurde vom Publikum stürmisch bejubelt. Quelle: Malzahn

Wer sagt denn, Neue Musik sei nur etwas für Minderheiten, Experten des Extremen? Wenn große Namen frische Kompositionen aufführen, strömen die Menschen in die Hallen. Das kennt man in Lübeck von den Auftritten eines Martin Grubinger, das bewahrheitete sich nun beim Konzert des NDR-Sinfonieorchesters mit der Solistin Sabine Meyer. Der ungarische Komponist Martón Illés hat für die Klarinettistin im vergangenen Jahr ein dreisätziges Konzert geschrieben, das jetzt als deutsche Erstaufführung in der Musik und Kongresshalle zu hören war.

Ein erweitertes Orchester ließ wuchtige Klänge erwarten, doch die Komposition „Re-akvarell“ begann überraschend mit einem leisen Klarinettenton, der etwas anschwoll, zitterte und moduliert vom großen Klangkörper aufgenommen wurde. Mikrointervalle und unreine Klänge der Solistin, eher unaufdringlich vorgetragen, prägten das Geschehen, die Klarinette stiftete dann doch etwas Unruhe, von der das Orchester angesteckt wurde. Das alles hatte eine klare Struktur, die Dirigent Juraj Valcuha deutlich markierte, auch wenn oft nicht klar war, woher die Töne kamen und wohin sie gingen. Sechs Klarinetten im Orchester nahmen die Vorschläge der Solistin auf, zuweilen rauschte es mächtig durch alle Instrumentengruppen. Meyers Virtuosität wurde bei rasenden Läufen gefordert, die sich mit hauchzarten Einzeltönen abwechselten.

Der zweite Satz begann mit einem Bienenschwarm, der die Solo-Klarinette jagte. Und dann hatte der ganze Apparat viel zu tun — bei Clustern, zu denen die Solistin trällerte, beim Geschnatter der Orchesterklarinetten. Dann kehrt wieder Ruhe ein. Melancholisch verhaucht verabschiedete sich das Soloinstrument. Großer Beifall für Sabine Meyer, die dem Publikum noch ein Strawinski-Zugabe gönnte.

Eingerahmt wurde die Illés-Komposition von einer hinreißenden „Tanz-Suite“ von Béla Bartók, von einem überraschend melodischen und folkloristischen „Rumänischen Konzert“ von György Ligeti und einer „Sinfonietta“ von Leos Janácek, in der eine riesige Blech-Besetzung heroische Momente evoziert; alles Stücke, die für sich genommen einen großen Konzertabend veredeln. Leider führte die Opulenz dazu, dass die Eindrücke vom Höhepunkt schnell verblassten. mib

LN

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