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Kultur im Norden Bilder einer rätselhaften Ausstellung
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18:16 27.10.2017
Auch in der Ausstellung zu sehen: „Zwei Akte auf einem Lager“ (1905) von Ernst Ludwig Kirchner. Quelle: Fotos: Dpa
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Bonn/Bern

Mehr als 1500 Kunstwerke – Monet, Cézanne, Renoir, Macke, Dix, Nolde, Beckmann – waren 2012 in Gurlitts Münchner Wohnung und später in seinem Salzburger Haus entdeckt worden. Die Arbeiten der berühmtesten Künstler vor allem des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne – sie waren teils verschimmelt, wie Monets „Waterloo Bridge“ (1903).

Ein Großteil waren Papierarbeiten, gestapelt in einem Schubladen-Schrank. Von einem anfangs vermuteten Milliardenwert kann zwar keine Rede sein, wohl aber von einer Kollektion, die teilweise Museumsrang hat. Als wertvollstes Bild gilt das auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag geschätzte Cézanne-Gemälde „La Montagne Sainte-Victoire“. Es wurde im Salzburger Haus hinter einem Schrank gefunden, ebenfalls in schlechtem Zustand. Gurlitt, der 2014 starb, hat die Sammlung überraschend dem Kunstmuseum in Bern vermacht. Dort werden alle Werke nach den beiden Ausstellungen auch hinkommen.

Trotz mehrjähriger Forschung ist die zentrale Frage nicht geklärt, wieviel Raubkunst in der Sammlung von Cornelius Gurlitt enthalten ist. Dafür mussten die Forscher die zwiespältige Verstrickung seines Vaters Hildebrand Gurlitt (1895-1956) in das Nazi-Regime aufarbeiten, der nach dem Krieg fast nahtlos an seine einstige, von den Nazis unterbrochene Karriere als Museumsleiter anknüpfte (siehe oben). Seine von den US-Militärs beschlagnahmte Sammlung erhielt er zurück. Keines der Bilder stamme aus jüdischem Besitz, behauptete er. Andere Teile der Sammlung hatte er in einer fränkischen Wassermühle und in Depots versteckt.

Gurlitt hat die Bilder zumindest aus der Beschlagnahmeaktion legal erworben. Er verlieh Werke auch für Ausstellungen im In- und Ausland. In Fachkreisen war die Existenz der verborgenen Gurlitt-Sammlung seit Jahrzehnten bekannt, denn die Familie verkaufte Werke.

Forscher fanden nun heraus, dass Gurlitt auch Kunstwerke von verfolgten jüdischen Sammlern erwarb und teils falsche Herkunftsnachweise konstruierte. Allein bei 200 von 255 Werken, die in Bonn gezeigt werden, besteht nach früheren Angaben der Kuratoren ein NS-Raubkunstverdacht.

Oft können die Forscher die letzten Lücken in dem Puzzle nicht füllen. Sechs Kunstwerke wurden bisher abschließend als Raubkunst identifiziert. Vier Werke von Henri Matisse, Camille Pissarro, Adolph von Menzel und Max Liebermann wurden an die Nachfahren der einstigen Besitzer zurückgegeben.

Nach den Ausstellungen in Bonn und Bern wird ein Großteil der Sammlung im Depot verschwinden. „Es handelt sich überwiegend um Arbeiten auf Papier“, sagt Zimmer. „Die darf man nur drei Monate zeigen, dann brauchen sie eine Ruhephase.“

Opfer und Profiteur

Hildebrand Gurlitt (1895-1956) ist der Vater Cornelius Gurlitts. Er war einer der Kunsthändler Adolf Hitlers und hatte die Sammlung unter teils nebulösen Umständen zusammengekauft. Aber er hatte auch eine jüdische Großmutter, er war Bedrohter und Profiteur des NSRegimes zugleich. Als Kunsthändler sollte er die von den Nazis beschlagnahmten Werke verkaufen. 1943 wurde er Haupteinkäufer im besetzten Frankreich für Hitlers in Linz geplantes „Führermuseum“. Dennoch ging er aus dem Entnazifizierungsverfahren als „Unbelasteter“ hervor.

LN

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